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Glauben und Pandemie: durchwachsene Bilanz

Menschen, die sich als gläubig bezeichnen, sind inzwischen die Minderheit in Deutschland. Aber die Pandemie hat bei vielen auch den Glauben gestärkt.

"Wir wünschen uns, dass Corona weggent." Bitte eines Grundschulkindes der Robert-Schumann-Schule in der zweiten Corona-Welle. | Foto: Heike Lyding, epd-Bild
"Wir wünschen uns, dass Corona weggent." Bitte eines Grundschulkindes der Robert-Schumann-Schule in der zweiten Corona-Welle. | Foto: Heike Lyding, epd-Bild

An keinem anderen Tag im Jahr sind die Gottesdienste voller als an Heiligabend, und nie werden so viele religiöse Lieder gesungen wie im Advent. Offenbar genießen Menschen in diesen Wochen religiöse Traditionen – aber fühlen Sie sich Gott auch stärker verbunden? Diese Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten. Aber wer sich Statistiken anschaut, kommt zu dem Schluss: Aussagen darüber, wie gläubig die Deutschen sind und welche Rolle Gott in ihrem Alltag spielt, lassen sich kaum anhand voll besetzter Kirchen rund um die Weihnachtsfeiertage treffen.

Derzeit bezeichnen sich rund 38 Prozent der über 18-Jährigen in Deutschland selbst als gläubig. Das hat eine Umfrage von Statista und YouGov unter 1969 Befragten verschiedener Religionen ergeben. Der Anteil der Frauen, die sich als religiös bezeichnen, ist mit 40 Prozent etwas höher als der der Männer (37 Prozent). Mehr als die Hälfte der Befragten bezeichnet sich jedoch als nicht gläubig (55 Prozent). Jeder Fünfte der gläubigen Befragten betet laut eigenen Angaben täglich. Häufige Anlässe sind Situationen persönlicher Not, Fürbitten für Angehörige und Freund:innen sowie Momente großer Dankbarkeit.

Hat die Pandemie den Glauben gestärkt – oder eher geschwächt? Die Politikwissenschaftler Carolin Hillenbrand und Detlef Pollack von der Universität Münster haben dazu knapp 3000 Menschen befragt. 30 Prozent stimmten der Aussage zu, dass der Glaube ihnen in der Corona-Zeit Trost, Hoffnung und Kraft gibt, weitere 21 Prozent stimmten überwiegend zu – das sind insgesamt deutlich mehr als die 35 Prozent auf der anderen Seite, die das weniger oder nicht bestätigten.

Für fast ein Drittel der Menschen hat die Krise laut dieser Studie zudem ihren Glauben und die Beziehung zu Gott vertieft. Nur etwa ein Zehntel der Befragten sagte hingegen, ihr Glaube sei während der Pandemie schwächer geworden.

Dabei hat sich insbesondere die Religiosität der bereits Gläubigen verstärkt, wohingegen der Glaube von Menschen, die keiner Religion angehören, sich abgeschwächt hat. Fast 40 Prozent aller Befragten antworteten, ihr Glaube sei gleichgeblieben, habe sie aber in der Krise getragen.


Autorin

Anne Lemhöfer 97 Artikel

Anne Lemhöfer interessiert sich als Journalistin und Autorin vor allem für die Themen Kultur, Freizeit und Gesellschaft: www.annelemhoefer.de

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