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Irene Derwein: „Man kann immer was für die Menschen tun“

Die Bereichsleiterin Kirchliche Dienste am Flughafen und Seelsorge bei der Diakonie Frankfurt und Offenbach geht in den Ruhestand.

Pfarrerin Irene Derwein, Bereichsleiterin Seelsorge und Kirchliche Dienste am Flughafen bei der Diakonie Frankfurt und Offenbach, geht zum 1. Februar in den Ruhestand.  |  Foto: Susanne Schmidt-Lüer
Pfarrerin Irene Derwein, Bereichsleiterin Seelsorge und Kirchliche Dienste am Flughafen bei der Diakonie Frankfurt und Offenbach, geht zum 1. Februar in den Ruhestand. | Foto: Susanne Schmidt-Lüer

„Danke für die Hilfe“ steht auf dem hölzernen Engel in Irene Derweins Büro. Die Pfarrerin hält ihn lächelnd hoch, ein Feuerwehrmann hat ihn ihr geschenkt, den sie als Feuerwehrseelsorgerin begleitet hat. „Das ist wie eine Betriebsseelsorge, Freiwillige oder Berufsfeuerwehrleute können sich an mich wenden bei familiären oder beruflichen Problemen.“ Manchmal seien es auch die Angehörigen, die kommen, sagt Derwein, die für rund 2.000 Feuerwehrleute in Frankfurt zuständig ist – ehrenamtlich mit kirchlicher Beauftragung. Viele andere Städte regeln das inzwischen mit hauptamtlichen Kräften. Wenn Frankfurts Feuerwehrseelsorgerin am 1. Februar in Ruhestand geht, wird ein Pfarrer aus der Notfallseelsorge ihre Nachfolge antreten, dafür hat sie gesorgt.

Von Herzen aus Seelsorgerin

Irene Derwein lehnt sich für einen Moment auf ihrem Stuhl zurück, er hat Armlehnen, „das hat was mit Seelsorge zu tun, das gibt Halt“. Die gebürtige Frankfurterin begreift sich „von Herzen aus als Seelsorgerin“. Deshalb widmete sie auch als Bereichsleiterin „Kirchliche Dienste am Flughafen und Seelsorge“ der Diakonie Frankfurt und Offenbach einen Teil ihrer Arbeit der Notfallseelsorge. Die Notfallseelsorge Frankfurt, die von Polizei oder Rettungsdiensten bei plötzlichen Schicksalsschlägen gerufen wird, hat Derwein seit 25 Jahren, also von Anfang an, begleitet und zehn Jahre lang geleitet. Wenn sie zu Menschen in schweren Krisensituationen gerufen wird, lautet ihre Erfahrung: „Man kann immer was für die Menschen tun, in jeder Lebenslage“. Dabei gelingt es nicht, einen Verstorbenen zurückzubringen, den Schmerz zu nehmen oder zu trösten. Aber etwas mitgeben „was Orientierung gibt und, wie klein auch immer, dazu führt, dass der Mensch seine Situation verändert und sei es nur, dass er plötzlich, nachdem er lange von einer Verstorbenen erzählte, sagt: ‚ach, ich hab Ihnen gar nichts zu trinken angeboten‘ – das gelingt fast immer.“

Lieber sterben als in die Heimat abgeschoben werden

An eine Grenze stieß das Zuhören, genau Hinschauen und dann einen Vorschlag zur Veränderung der Situation machen allerdings manchmal im Kirchlichen Flüchtlingsdienst am Frankfurter Flughafen. „Wenn ich da versuchte, den Blick eines Menschen, dessen Zurückweisung anstand, auf etwas Anderes zu richten und beispielsweise fragte, wer ihn zuhause unterstützen könnte, antworteten einzelne, dass sie eher sterben wollen als in die Heimat zurückkehren“, sagt Derwein.

Was die Kirche am Frankfurter Flughafen tut

Als Bereichsleiterin verantwortet sie am Flughafen von evangelischer Seite aus den ökumenisch getragenen Kirchlichen Flüchtlingsdienst in der Cargo City Süd, der Geflüchtete im Asylschnellverfahren am Flughafen berät und seelsorgerlich mit einer Flüchtlingspfarrerin betreut sowie die Abschiebungsbeobachtung und den Kirchlichen Sozialdienst für Passagiere. Bettina Janotta, die Leiterin der Kirchlichen Dienste der Diakonie am Flughafen, wird Irene Derwein als Bereichsleiterin nachfolgen.

Telefonseelsorge Frankfurt führte mehr als 11.000 Gespräche

Das Feld ist also gut bestellt, auch in der Evangelischen Telefonseelsorge Frankfurt, für die Derwein ebenfalls zuständig ist. 2022 führte die große Telefon-Seelsorge-Stelle mehr als 11.200 Gespräche am Telefon.

Mit aller Macht und Kraft für Mitarbeitende da sein

Seelsorgerlich – so hat Derwein, die 2005 nach 22 Jahren als Gemeinde- und Studierendenpfarrerin zur Diakonie Frankfurt und Offenbach wechselte, auch ihre Mitarbeitenden geführt. „Mir war immer wichtig, ansprechbar für sie zu sein, sie mit ihrer menschlichen Seite im Blick zu haben und alles, was in meiner Macht und Kraft liegt,zu tun, damit sie stabil bleiben.“

Nix mit Tod und Teufel

Ab dem 1. Februar wird Derwein nun Zeit für ihre Enkelkinder haben und auf jeden Fall einer Naturschutzorganisation beitreten, um sich zu engagieren. Das Tun, das Handeln ist der 65-Jährigen wichtig. Deshalb hat sie sich auch ein Jahr lang beim Dottenfelder Hof ehrenamtlich engagiert, Nestchen für Lämmer gebaut, Kartoffeln geerntet, Kühe massiert. Fahrradtouren und Wandern, die Sonne und die Natur genießen stehen auf dem Programm. „Auf jeden Fall nix mit Tod und Teufel“, sagt Derwein mit ihrer tiefen Stimme und lacht.


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Autorin

Susanne Schmidt-Lüer ist Mitglied der Stabsstelle Kommunikation, Marketing und Fundraising des Evangelischen Regionalverbandes Frankfurt und Offenbach. Sie schreibt auch als freie Autorin, vor allem über Sozialpolitik, Kirche, Alter und wirtschaftspolitische Themen.