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Jugendlichen eine Heimat in der Kirche bieten

Sechs Jahre lang hat Christian Schulte sich als Evangelischer Stadtjugendpfarrer in Frankfurt und Offenbach für die junge Generation eingesetzt. Nun wechselt er in das Gemeindepfarramt.

Stadtdekan Achim Knecht und der bisherige Stadtjugend- und zukünftige Bornheimer Pfarrer Christian Schulte I Foto: Mathis Eckert
Stadtdekan Achim Knecht und der bisherige Stadtjugend- und zukünftige Bornheimer Pfarrer Christian Schulte I Foto: Mathis Eckert

Am Wochenende wurde Stadtjugendpfarrer Christian Schulte von Stadtdekan Achim Knecht und von Manfred Oschkinat, kommissarischer Leiter des Fachbereichs I: Beratung, Bildung, Jugend des Evangelischen Regionalverbandes Frankfurt und Offenbach, in einem Gottesdienst aus dem Dienst verabschiedet. Nach sechs Jahren endet seine Amtszeit und er widmet sich nun neuen Aufgaben in der Kirchengemeinde Frankfurt-Bornheim.

Als Stadtjugendpfarrer in Frankfurt und Offenbach ist man vieles auf einmal: Politischer Lobbyist für die Anliegen von jungen Menschen, Seelsorger und Vertrauter in direkten Gesprächen, Manager von Großevents, Führungskraft eines Teams und Ansprechpartner für viele Belange rund um die gemeindliche und übergemeindliche Jugendarbeit. Das kann nur jemand machen, der weiß, wofür er das tut: „Ich wollte so eine Aufgabe schon immer haben, in der ich nur für junge Menschen da sein kann“, sagt Schulte. Ihm ging es vor allem darum, Kirche als offen für die Ideen der Jugendlichen zu zeigen und ihnen Möglichkeiten zum Andocken zu geben. Dafür hat Schulte gemeinsam mit seinem Team unter anderem das Konficamp entwickelt. Dieses fand erstmals 2018 mit mehr als 200 Konfirmandinnen und Konfirmanden aus verschiedenen Gemeinden in der Rhön statt: Vier Tage mit Gottesdiensten im Zirkuszelt, Konzerten, Rallyes, Workshops und auch besinnlichen Augenblicken. Daraus entstanden ist eine große Gruppe von ehrenamtlichen Teamerinnen und Teamern, die seitdem eng mit dem Stadtjugendpfarramt und seinen Mitarbeitenden verbunden sind. „Mir war es immer wichtig, vielen jungen Menschen zu begegnen und ihnen zuzuhören“, beschreibt der heute 43-jährige Schulte seine Herangehensweise.

Das Wirken in einer Großstadt hat Christian Schulte als zugleich bereichernd wie herausfordernd wahrgenommen: „Es war immer ein Spagat, sowohl Fürsprecher der klassischen gemeindlichen Jugendarbeit, als auch Lobbyist der übergemeindlichen Akteure und Strukturen zu sein.“ In Schultes Amtszeit fiel auch die Fusion der Dekanate Frankfurt und Offenbach. Für die Jugendarbeit hat er dabei einen großen „Schwung“ wahrgenommen: „Die Jugendlichen hatten Lust einander zu begegnen und sich auszutauschen.“ Überhaupt erlebt Schulte die junge Generation als sehr engagiert und voller Ideen für die Zukunft von Kirche und Gesellschaft. „Die Erwachsenenkirche sollte ihnen gut zuhören und die richtigen Weichen stellen, sodass auch die heranwachsende Generation weiterhin eine Heimat in Kirche finden kann.“ Stadtdekan Achim Knecht würdigte die „Kämpfernatur“ von Christian Schulte: „Jugend muss unbequem sein, um ihre Autonomie zu wahren, und auch ein Stadtjugendpfarrer muss manchmal unbequem sein.“

Wenn es um Veranstaltungen und die Sichtbarkeit von Kirche ging, hat Christian Schulte stets groß gedacht: Den „Lauf gegen Rassismus und Gewalt“ holte er gemeinsam mit der Jugendkulturkirche Sankt Peter und dem Evangelischen Verein für Jugendsozialarbeit in die Frankfurter Innenstadt, sodass mehrere Hundert Jugendliche sich beteiligten und ein Zeichen gegen Ausgrenzung setzten. Als durch die Corona-Krise keine Großveranstaltungen in Präsenz möglich waren, verlegte das Team des Stadtjugendpfarramts das Konficamp und das Projekt „Futurica“ zum Ökumenischen Kirchentag 2021 als Livestreams ins Netz.

„Ich hab mich immer eher als Teil des Teams gesehen, weniger als Chef“, sagt Schulte. „Alles, was in den vergangenen Jahren aufgebaut wurde, wäre ohne die Teamleistung nicht möglich gewesen.“ Auch die Zusammenarbeit mit anderen Akteuren in der evangelischen Jugendarbeit wie dem Evangelischen Jugendwerk hat er intensiviert und immer wieder den Austausch gesucht. Für Ökumene hat er sich in der Zusammenarbeit mit der katholischen Jugendkirche „JONA“ und mit den überkonfessionellen B.A.S.E.-Jugendgottesdiensten eingesetzt. Mit diesem Geist möchte er auch in der Kirchengemeinde Bornheim mit dem Pfarrteam, den Ehrenamtlichen und den umliegenden evangelischen wie katholischen Gemeinden zusammenarbeiten. Viele Ideen hat Christian Schulte schon, eine davon findet gleich an Weihnachten Umsetzung: Ein Open-Air-Gottesdienst auf dem Platz vor der Bornheimer Johanniskirche.

Yvonne Opaterny


Autorin

Gastautor:in 33 Artikel

Regelmäßig veröffentlichen wir im EFO-Magazin Gastbeiträge von Frankfurter und Offenbacher Pfarrerinnen und Pfarrern oder anderen interessanten Persönlichkeiten.