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Mehr über Surinam und das Beten an sich erfahren

Am 2. März feiern christliche Gemeinden weltweit und auch in Frankfurt den Weltgebetstag  wie immer am ersten Freitag im März, seit über hundert Jahren. Die Liturgie wird jedes Jahr von Frauen aus einem anderen Land entworfen, diesmal kommt sie aus Surinam. 

Bildausschnitt aus "Gran tangi gi Mama Aisa (In gratitude to mother Earth)", Sri Irodikromo, © Weltgebetstag der Frauen – Deutsches Komitee e.V.
Bildausschnitt aus "Gran tangi gi Mama Aisa (In gratitude to mother Earth)", Sri Irodikromo, © Weltgebetstag der Frauen – Deutsches Komitee e.V.

Der erste Freitag im März ist in vielen christlichen Gemeinden gesetzt: Weltgebetstag. Was vor rund 130 Jahren als christliche Frauenbewegung in den USA und Kanada seinen Anfang genommen hat, ist zu der größten globalen ökumenischen Bewegung geworden. 

Auch in Frankfurt treffen sich vor allem Frauen, aber auch Männer zu Gottesdiensten, deren Ablauf Frauen eines Landes vorbereitet haben. 2018 stammen Text- Lied- und Gebetauswahl zum Thema „Gottes Schöpfung ist sehr gut!“ aus Surinam. Eine berühmte Frankfurterin, Maria Sibylla Merian, die das Städel 2017 mit einer Ausstellung ehrte, reiste 1699 zwecks Naturstudien und Zeichnen in das am oberen südamerikanischen Bogen gelegene Land. Für die meisten Menschen ist es allerdings bis heute „Terra incognita“, unbekanntes Land.

Aber genau das ändern die Weltgebetstage. Helga Häfner, die Vorsitzende des Stadtverbandes der Evangelischen Frauen Frankfurt, erzählt, dass laut der Gottesdienstordnung zum Einstieg sieben surinamesische Frauen zitiert werden, darunter eine mit indischen Wurzeln, eine mit einem Stammbaum aus den Niederlanden, eine mit kreolischen Vorfahren. „Da wird ganz klar, was für eine Vielfalt das Land prägt“, sagt die 67-Jährige. Denn darum gehe es auch: mehr über die Situationen in den jeweiligen Ländern zu erfahren.

Das geschieht nicht nur an dem einen Tag. Acht Delegierte des Frankfurter Komitees seien bei den bundesweiten Vorbereitungstreffen gewesen, rund 50 Frauen besuchten die beiden Tagesseminare in der Dornbuschgemeinde, um die Weltgebetstage in den Kirchengemeinden in Frankfurt und der Region zu planen. Evangelische und Katholische sitzen da nebeneinander, tauschen sich nicht nur über das aktuell im Vordergrund stehende Land und die geplante Liturgie aus, sondern beispielsweise fragten sie: „Was bedeutet es für mich zu beten?“, erzählt Häfner.

Sie berichtet auch, dass die Weltgebetstage in den vergangenen Jahren neuen Zulauf bekommen hätten. „Gott sei Dank hat sich das etwas verjüngt.“ Diese Entwicklung erfordert neue Konzepte: „Die jüngeren Frauen haben andere Ansprüche.“ Alljährliche intensive Feedbacksammlungen tragen zu Neuerungen bei. 

Gleichgeblieben ist, dass es beim Weltgebetstag neben dem Gottesdienst zudem um Gespräche bei landestypischen Gerichten geht. Eine Gemüsesuppe mit Erdnusscreme habe es bei der Vorbereitung gegeben – „passend zum Völkermix in Surinam“, erzählt Häfner. Vielleicht würden dann am 2. März mit Chili und Ingwer gewürzte Bällchen serviert, sie denke über einen besonderen Kartoffelsalat nach.

Häfner, die voriges Jahr für ihr ehrenamtliches Engagement in der evangelischen Kirche mit der Spenermedaille der Frankfurter evangelischen Kirche ausgezeichnet wurde, erinnert sich noch daran, wie in den 90ern eine südkoreanische Restaurantbesitzerin mit großen Tabletts erschien und koreanische Frauen in der Dornbuschkirche eine perfekte Choreographie mit passendem Blumenschmuck inszenierten. 

Manchmal komme auch ein Landesvertreter zu einer Weltgebetstagsveranstaltung, Chile sei schon mal durch den Generalkonsul in einer Kirchengemeinde vertreten gewesen, Venezuela durch die Generalkonsulin. Der Diplomat habe sich damals „schnell verdrückt, das waren ihm zu viel Frauen“, erzählt Häfner. Die Diplomatin hingegen sei länger geblieben. Sie habe sich auch für die Weltgebetstagsfeiern im Frauengefängnis in Preungesheim interessiert. Häfner engagiert sich dort und ist stolz darauf, dass in dem Gefängnis – „das ist einzigartig in Deutschland“ – der Weltgebetstag alljährlich gefeiert wird, in bis zu sieben Sprachen. In diesem Jahr wird er hinter Gittern am Sonntag, 4. März, begangen.

Das Frankfurter Diakonissenhaus lädt am 3. März zum Weltgebetstag ein, andernorts wird überall am 2. März festgehalten. Die meisten Gemeinden feiern den Weltgebetstags-Gottesdienst am frühen Abend, in der Katharinenkirche an der Hauptwache findet um 15.30 Uhr einer statt, im Dom um 18.30 Uhr. 



Autorin

Bettina Behler 110 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach