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Mentoring-Programm Socius: An der Seite von Geflüchteten

Der Steinmetzmeister Jörg Rosemann begleitet den aus Afghanistan geflücheten Mahsoud Khorasan bei der Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker. Gesucht werden weitere Menschen, die Interesse daran haben, sich für das Mentoring-Programm zu engagieren. Im Oktober beginnt ein neuer Ausbildungsgang für „Socius".

An der frischen Luft finden oftmals die Socius-Treffen von Jörg Rosemann und seinem Mentee statt.  I Foto: Elisa Naderi
An der frischen Luft finden oftmals die Socius-Treffen von Jörg Rosemann und seinem Mentee statt. I Foto: Elisa Naderi

Die beiden Männer wirken wie alte Freunde, dabei kennen sie sich erst knapp drei Jahre: Mahsoud Khorasan (25), Auszubildender aus Afghanistan und Jörg Rosemann (63), selbstständiger Steinmetzmeister in Frankfurt am Main. Seit 2019 bilden die beiden ein Tandem, ein Paar aus Mentor und Mentee, im Mentoring-Programm „Socius“ der Evangelischen Kirche in Frankfurt und Offenbach. „Ich hatte schon länger den Wunsch, Geflüchteten bei der Integration in Deutschland zu helfen“, erzählt Jörg Rosemann. Über einen Zeitungsbericht wird er auf das Ausbildungsprogramm von Socius aufmerksam und bewirbt sich.

Im Mentoring-Programm „Socius“ begleiten ehrenamtliche Mentor:innen Migrant:innen und Geflüchtete in Frankfurt am Main im Alltag und helfen ihnen so bei der Integration in die Stadtgesellschaft. Die Unterstützung ist dabei ganz auf die persönlichen Bedürfnisse der Mentees abgestimmt und reicht von der Hilfe bei Behördengängen über gemeinsame Freizeitaktivitäten bis hin zur Suche nach einem Ausbildungsplatz. Auf ihr Engagement werden die Mentor:innen in einem einjährigen Ausbildungsprogramm professionell vorbereitet. So erhalten sie zum Beispiel Schulungen zu zentralen Themenfeldern in der Arbeit mit Migrant:innen und Geflüchteten wie Rechtsgrundlagen und Spracherwerb.

Auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz

Bereits nach einem halben Jahr im Vorbereitungskurs werden Jörg Rosemann und Mahsoud Khorasan „gematched“, wie das Zusammenbringen von Mentor:in und Mentee genannt wird. Eine echte Erfolgsvermittlung, wie sich zeigen wird: Nicht nur sind sich die beiden Männer von Beginn an sympathisch. Als selbständiger Steinmetzmeister bringt Jörg Rosemann viel Handwerkerwissen mit und weiß, worauf es bei einer betrieblichen Ausbildung ankommt. Und dieses Wissen kann Mahsoud Khorasan gut gebrauchen: In Afghanistan hat der junge Mann bereits viele Jahre mit Autos gearbeitet und möchte in Deutschland gerne KFZ-Mechatroniker werden. Gemeinsam mit seinem Mentor macht er sich auf die Suche nach einem Ausbildungsplatz.

„Der Start war für Mahsoud wirklich nicht leicht. Einem kleinen Praktikum in einem KFZ-Betrieb folgte ein weiteres in einer Autolackiererei, das der Chef aber bereits nach zwei Tagen wieder beendete, da er kein Potenzial in Mahsoud sah“, erinnert sich Jörg Rosemann. „Das fand ich sehr frustrierend. Es sollten doch gerade die Unterstützung bekommen, die leistungsmäßig schwächer sind“, so der Mentor weiter. Doch die beiden geben nicht auf. Über die Handwerkskammer hat Mahsoud Khorasan die Möglichkeit, ein weiteres Praktikum in einem Frankfurter KFZ-Betrieb zu machen. Der junge Mann arbeitet sehr engagiert, ist pünktlich und zuverlässig und hinterlässt einen so positiven Eindruck im Betrieb, dass er trotz fehlendem Hauptschulabschluss eine Anschlussqualifizierung machen kann und nach einer Probezeit schließlich einen Ausbildungsplatz erhält. „Ich war total erleichtert, dass er es geschafft hat“, berichtet Jörg Rosemann.

Deutschlernen für den Abschluss

Nach diesem Erfolg begleitet Jörg Rosemann seinen Schützling weiter. Einmal die Woche treffen sie sich, gehen gemeinsam den Berufsschulstoff durch, bereiten Tests und Prüfungen vor oder lernen schwierige Fachwörter. „Vor allem die technischen Begriffe verstehe ich manchmal schlecht, sie sind sehr lang und schwierig zu übersetzen“, sagt Mahsoud Khorasan, der erst seit 2015 Deutsch lernt. Um seine Deutschkenntnisse weiter zu verbessern, erhält er in der Berufsschule wöchentlich fünf Stunden Nachhilfe, die er dann abends im Betrieb nacharbeiten muss. Für seine Zukunft hat Mahsoud Khorasan klare Ziele: „Ich möchte nach der Ausbildung meinen Meister machen und irgendwann meinen eigenen Betrieb führen“. Jörg Rosemann schaut ihn an und lacht: „Und dann komme ich und bringe mein Auto bei dir zur Reparatur.“

Mentor:in werden

Das Mentoring-Programm „Socius" startet im Oktober einen neuen Ausbildungskurs und sucht Freiwillige, die Zeit und Lust haben, als ehrenamtliche Mentor:innen Migrant:innen und Geflüchtete im Alltag begleiten.

Weitere Infos unter www.socius-frankfurt.de.


Autorin

Elisa Naderi 14 Artikel

Öffentlichkeitsarbeit, Fachbereich I: Beratung, Bildung, Jugend des Evangelischen Regionalverbandes Frankfurt und Offenbach.