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Neue Kirchenvorstände im Amt

Für die kommenden sechs Jahre haben die Mitglieder der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau im Juni die Vertreterinnen und Vertreter gewählt. In diesen Tagen werden diese in Gottesdiensten in den Gemeinden eingeführt. Zugleich gilt es Abschied zu nehmen, beispielsweise von langjährig Engagierten wie Karin Kuck und Wolf Gunter Brügmann-Friedeborn.

Pfarrerin Melanie Lohwasser begrüßte in der Lutherkirche den neuen Kirchenvorstand I Foto: Christian Schwarz
Pfarrerin Melanie Lohwasser begrüßte in der Lutherkirche den neuen Kirchenvorstand I Foto: Christian Schwarz

Am 1. September 2021 hat die Amtszeit der neu gewählten Kirchenvorstände in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau begonnen. Mehr als 8.000 Menschen werden in diesem Monat in den Gemeinden offiziell in ihr Amt eingeführt. In der Evangelischen Dreikönigsgemeinde, Sachsenhausen, geschieht das beispielsweise am Sonntag, 12. September, um 10 Uhr, in einem festlichen Kantatengottesdienst. Gleichfalls am Sonntag, 12. September, 10 Uhr, wird in einem Gottesdienst in der Offenbacher Mirjamgemeinde der alte Kirchenvorstand verabschiedet und der neue eingeführt. Die Evangelische Kirchengemeinde in Frankfurt-Zeilsheim wird am 19. September den bisherigen Kirchenvorstand im Gottesdienst verabschieden und den neuen begrüßen, andere haben bereits gestern die Übergabe vollzogen. Zu denen zählen die Gustav-Adolf-Gemeinde in Offenbach-Bürgel und die Erlösergemeinde in Offenbach-Waldheim sowie die Evangelische Luthergemeinde im Frankfurter Nordend.

Die Luthergemeinde vermeldete im Anschluss daran folgende Liste für das Gremium, das für die kommenden sechs Jahre besetzt wurde: Julia Bengeser (*1978, Fotografin und Kulturanthropologin), Hanna Feuerstein (*1956, Erzieherin), Elisabeth Hommel (*1981, Erzieherin und Sozialarbeiterin), Gerhard Kneier (*1954, Journalist), Roland Kunkel (*1965, Diplom–Ingenieur), Christopher Kunze (*1982, Softwareentwickler), Wiebke Rannenberg (*1968, Journalistin), Renate Sandforth (*1957, Ärztin), Alexandra Schwarz (*1964, Personalleiterin), Anna Spiske (*1959, Lehrerin), Sonja Thäder (*1980, Kunsthistorikerin Museumsdokumentation) und Sonja Wismath (*1988, Wissenschaftliche Mitarbeiterin/Doktorandin).

Eine größere Anzahl an weiblichen Mitgliedern ist in den für die kommenden sechs Jahren gewählten Gremien nichts ungewöhnliches, aber nicht immer so ausgeprägt wie in der Luthergemeinde. In der Evangelischen Hoffnungsgemeinde, gelegen zwischen Frankfurter Hauptbahnhof, Gutleutviertel und Westend, stellten sich am 13. Juni 15 Personen zur Wahl, gewählt wurden sieben Frauen und fünf Männer. Am Riedberg waren es elf von 17. Gesamtstatistisch gesehen lag im Evangelischen Stadtdekanat Frankfurt und Offenbach die Relation bei 321 Frauen auf 582 Gewählte.

Die Altersgruppe der 50- bis 60-Jährigen bildet mit 167 Leuten die größte in den Frankfurter und Offenbacher Kirchenvorständen. Die stärkste Anzahl an „Jungen“ verzeichnete im Bereich des Stadtdekanats die Offenbacher Mirjamgemeinde, vier sind hier unter 30. Florian Seng, 21, ist einer von ihnen. „Ja, ich habe sozusagen meinen Vater als Kirchenvorstandsmitglied abgelöst“, erzählt der angehende Elektroniker für Betriebstechnik, der sich seit er 16 ist als Teamer in der Jugendarbeit engagiert.

Wolf Gunter Brügmann-Friedeborn  I Foto: Rolf Oeser
Wolf Gunter Brügmann-Friedeborn I Foto: Rolf Oeser

Zwei der Abschiede: Karin Kuck und Wolf Gunter Brügmann-Friedeborn ziehen sich zurück

Die Evangelische Lydiagemeinde in Frankfurt, entstanden aus den beiden Praunheimer Gemeinden Wichern und Auferstehung und der Evangelischen Kirchengemeinde Hausen, lädt am Sonntag, 12. September, 10 Uhr, zur feierlichen Verabschiedung der bisherigen Kirchenvorstandsmitglieder und zur Begrüßung der neuen in die Auferstehungskirche ein. Zu denen, die sich verabschieden aus dem Kirchenvorstand, zählt der Journalist Wolf Gunter Brügmann-Friedeborn. Der 75-Jährige nutzt ein Bibelwort „ein jegliches hat seine Zeit“, 1997 wurde er erstmals in der Wicherngemeinde in das Gremium gewählt.

Im Stammbaum des in Norddeutschland Geborenen gibt es ehrenamtlich oder gar hauptamtlich in der Kirche Engagierte, für ihn sei der Beruf des Pastors vorgesehen gewesen, erzählt Brügmann-Friedeborn – aber stattdessen habe er sich in Jugendjahren erst einmal von der Kirche abgewandt und SPD und Gewerkschaften angeschlossen. Stadtdekan Achim Knecht, der sich Anfang der neunziger Jahre mit seiner Frau das Pfarramt in Wichern teilte, habe ihn zuerst für eine gesellschaftspolitische Diskussion und dann für Engagement in der Kirche gewonnen.

Das führte auch rasch auf die übergemeindliche Ebene, in den Dekanatssynodalvorstand, auch nach der Bildung des Stadtdekanats übernahm Brügmann-Friedeborn Verantwortung im Vorstand. Als Brückenbauer zwischen den verschiedenen kirchlichen Ebenen habe er sich verstanden, aber auch als kirchlicher Vertreter in die Stadt hinein, „in ihren vielfältigen Ausprägungen, in sozialen und kulturellen, religiösen-konfessionellen, wirtschaftlichen und politischen Angelegenheiten“, sagt der nun aus dem Kirchenvorstand Scheidende.

Brügmann-Friedeborn, der eine Vielzahl von kirchlichen Ehrenämtern ausübte und ausübt, möchte vermeiden, als „kirchlicher Vereinsmeier, ein Hans Dampf in allen Gassen, Multifunktionär in allen möglichen Gremien“ wahrgenommen zu werden. Wichtig sei ihm das Fundament „warum wir das tun“, mit der Rückkehr zur Kirche sei verknüpft gewesen, dass seine Glaubenswurzeln wieder gediehen. Als Prädikant setze er sich bei der Vorbereitung von Gottesdiensten und Andachten regelmäßig intensiv mit ihnen auseinander, betont er.

Karin Kuck  I Foto: Rolf Oeser
Karin Kuck I Foto: Rolf Oeser

Karin Kuck, die sich 2014 aus dem Vorstand des Evangelischen Regionalverbandes zurückgezogen hat, verlässt mit der neuen Amtsperiode auch den Kirchenvorstand der Paul-Gerhardt-Gemeinde in Frankfurt-Niederrad. Als „Laien-Vorsitzende“ sei sie in den vergangenen sechs Jahren mitverantwortlich gewesen für 40 Beschäftigte, vom Sekretariat bis hin zu den beiden Kitas, bei Neueinstellungen und auftauchenden Problemen war sie gefragt. Jetzt möchte die 72-Jährige gelernte Elektrotechnikerin mehr Zeit haben für die fünf Enkelkinder, ihren Mann, ihre Kinder. Außerdem ist da noch der Gemüse- und Obstanbau in Dreieichenhain, ihrem Heimatort. Ihre Tochter, Historikerin, habe sie animiert, die Kriegs- und Nachkriegsgeschichte der Familie, die in dem Ort im Landkreis Offenbach seit Jahrhunderten ansässig ist, aufzuzeichnen. Das will sie demnächst anpacken.

1971 ist Karin Kuck nach Niederrad gezogen, 1985 kam sie in den Kirchenvorstand. In den Siebzigern, Achtzigern war die Gemeinde eine dezidiert politische, friedensbewegte, in der Anti-Apartheidbewegung engagierte. Leute wie Dorothee Sölle traten hier auf, erinnert sie sich gerne. Sich sozialpoltisch, gesellschaftlich zu engagieren, war und ist auch Kuck ein Anliegen, manches ging ihr zu weit, aber ihre Paul-Gerhardt-Gemeinde mit dem sozialdiakonischen Profil ist bis heute für sie die Richtige. Im Vorstand des Evangelischen Regionalverbands und anderen stadtweiten Gremien zählte Kuck zu denen, die sich für die evangelische Kinder- und Jugendarbeit und in der ökumenischen Kontaktkommission engagierten. Auch an den regelmäßigen Gesprächen mit den Parteien im Römer nahm sie teil, das passt dazu.

Glücklich ist Karin Kuck, dass die Fusion mit der Niederräder Zachäusgemeinde gelungen ist, „beide Gemeinden hatten sehr unterschiedliche Profile“. Mit dem Zusammengehen sei der Abschied von Traditionen verbunden gewesen, aber auch das Verlassen von Gebäuden. Eine Anerkennung des Geschaffenen sieht sie darin, dass die Evangelische Kirche in Deutschland das sanierte Gemeindehaus an der Gerauer Straße 2019 in den Band „Neue Sakrale Räume: 100 Kirchen der Klassischen Moderne“ aufgenommen hat.

Ihre Vorgängerin hat ihr geraten, ein Jahr erst mal gar nichts zu machen in der Gemeinde. Mal schauen, vielleicht wird sie dann doch bei den Vorbereitungen für den Weltgebetstag der Frauen 2022 wieder mit von der Partie sein. Kuck ist eine Macherin, „Ihrer Kirche“ gibt sie mit auf den Weg: „Lamentieren ist keine Lösung“. Wolf Gunter Brügmann-Friedeborn wird sich auch weiter engagieren, im November will er wieder für den Großen Konvent der Evangelischen Akademie in Frankfurt kandidieren. „Öffentlich dazwischengehen, wo die Lebenswirklichkeit gegenüber der frohen Botschaft verschlossen wird“, das bleibt ihm ein Anliegen.


Autorin

Bettina Behler 177 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach