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Nur mit Quoten hat die Jugend eine Chance, sich Gehör zu verschaffen

Die demografische Veralterung in Deutschland hat zur Folge, dass die Interessen junger Menschen vernachlässigt werden. Die Evangelischen Kirche in Deutschland hat daher eine Jugend-Quote eingeführt. Das Beispiel sollte Schule machen.

Antje Schrupp ist Chefredakteurin des EFO-Magazin
Antje Schrupp ist Chefredakteurin des EFO-Magazin

Sie ist jung, digital versiert und will die evangelische Kirche „raus aus der Bubble“ holen: Die Wahl von Anna-Nicole Heinrich zur Präses der EKD-Synode war schon eine Sensation. Denn die Philosophie-Studentin ist erst 25 Jahre alt.

Alle traditionellen Institutionen in Deutschland, von Parteien über Gewerkschaften und Kirchen bis zu den Vereinen, sind veraltert. Das hat rein mathematische Gründe: Die Lebenserwartung ist deutlich gestiegen, die Kinderzahlen sind dauerhaft niedrig, junge Menschen sind deshalb fast automatisch unterrepräsentiert.

Die Folge ist, dass sie ihre Interessen kaum noch durchsetzen können. Der 2014 verstorbene FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher hat das in seinem 2004 erschienenen Buch „Das Methusalem-Komplott“ bereits vorhergesagt: Wenn wir nichts unternehmen, werden die Alten irgendwann die Jungen einfach niederstimmen, warnte er.

Genauso ist es gekommen. Man muss sich nur die Corona-Politik anschauen, oder auch den Umgang mit dem Klimawandel: Aller Rhetorik zum Trotz werden die Interessen von Kindern, Jugendlichen und jungen Eltern ganz weit hinten angestellt. Denn es ist die ältere Generation, die den Ausgang von Wahlen entscheidet.

Wie bei allen strukturellen Schieflagen muss man auch hier aktiv gegensteuern, wenn sich etwas ändern soll. Appelle reichen nicht. Tatsächlich ist die Wahl von Heinrich ins höchste nicht-theologische Amt der evangelischen Kirche kein Zufall gewesen, sondern Ergebnis einer zielgerichteten Quotierungspolitik: Mindestens 20 von 128 Synodalen der EKD müssen unter 27 sein. Tatsächlich sind es bei der letzten Wahl sogar mehr geworden.

Das ging auch deshalb so geräuschlos über die Bühne, weil die evangelische Kirche bereits viel Erfahrung mit Quotierungen hat. Schon immer wird darauf geachtet, dass die Theolog:innen eine Minderheit bleiben. Seit vielen Jahren ist auch ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis im Blick. Dass nun die Jugend hinzukommt, ist nur konsequent. Andere parlamentarische Gremien sollten sich daran ein Beispiel nehmen. Quoten sind gut für die Demokratie.


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Dr. Antje Schrupp ist Chefredakteurin von Evangelisches Frankfurt und Offenbach. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com

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