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In Frankfurt und Offenbach bleiben im Winter die Kirchenheizungen aus

Die Stadtsynode beschließt Energiesparkonzept, Erklärung zu einkommensschwachen Haushalten und Bauprioritätenliste 2024.

Einblick in die Debatte des Kirchenparlaments  I Foto: Bettina Behler
Einblick in die Debatte des Kirchenparlaments I Foto: Bettina Behler

Nach längerer Debatte kamen die Delegierten der Evangelischen Stadtsynode und Regionalversammlung von Frankfurt und Offenbach gestern Abend zu einer deutlichen Befürwortung des vorliegenden Energiesparkonzeptes: 83 Delegierte stimmten mit ja, 13 votierten „nein“ und zwölf enthielten sich der Stimme. Verabschiedet wurde damit, dass Kirchenräume in der Heizperiode vom 1. Oktober 2022 bis 30. April 2023 nicht beheizt werden, beachtet wird der Frostschutz für Leitsysteme. Die Versammlungsräume in den Gemeindehäusern sollen in dem Zeitraum auf maximal 18 Grad geheizt werden. Bei den Kindertagesstätten werde es keine wesentlichen Einschränkungen geben, verwiesen wird in dem Beschluss auf die geltenden Arbeitsstättenrichtlinien, die dort vorgegebene Temperatur solle nicht überschritten werden, Gleiches gilt für übergemeindliche Gebäude und Büros. Hier ist vorgesehen, dass Energieverantwortliche eingesetzt werden. Die vermieteten Wohnungen zählen wie die Kitas zu den „schützenswerten Gebäuden“.

„Ich halte es für eine Frage unserer Glaubwürdigkeit als Kirche, dass wir in dieser Situation alles tun, um Heizenergie so weit als irgend möglich zu sparen, aus Solidarität mit denen, die dringender darauf angewiesen sind“, sagte der Stadtdekan und Vorstandsvorsitzende des Evangelischen Regionalverbandes Achim Knecht bei der Einbringung des Beschlusses. Es gehe darum, dass genug Gas für Krankenhäuser, Pflegeheime, Kindertagesstätten und Schulen vorhanden ist.

Neben der Solidarität angesichts ausfallender Gaslieferungen, gehe es auch darum, auf die drastisch gestiegenen Energiepreise zu reagieren. Der „enorm günstige“ Vertrag mit der Mainova laufe leider Ende des Jahres aus. Mit der Mainova wurde schon Übereinkommen bezüglich der benötigten Gasmenge in Höhe von 22 Millionen Kilowattstunden erzielt. Doch: „Unsere Solidargemeinschaft steht vor der Herausforderung, dass der Bezugspreis für Erdgas in diesem Winter um das 5,5-fache steigt“, so Knecht. Davon betroffen seien 80 Prozent der Kirchengebäude. Verteilt auf die verschiedenen Gebäudegruppen sei mit Mehrkosten in Höhe von 3,5 Millionen zu rechnen. Mit den vorliegenden Maßnahmen könnten rund 1,2 Millionen Euro eingespart werden.

Zu den Sorgen, die vorgetragen wurden, zählte, ob die Orgeln und Kirchengebäude Schaden nehmen. Der Leiter der Bauabteilung des Evangelischen Regionalverbandes, Cornelius Boy, versicherte, es werde eine „Feuchtüberwachung geben“. Bei der Frage zur kurzfristigen Umstellung aufs Energiesparen ermutigte er, sich auch bei externen Fachleuten Rat zu holen, um die Maßnahmen zügig umsetzen zu können.

Die Stadt hat bereits signalisiert, dass sie auch bei den Dotationskirchen, die zu ihrem Besitz gehören, aber von der evangelischen Kirche genutzt und im Alltag unterhalten werden, mit dem Auslassen der Heizungen einverstanden ist. Zu diesen Dotationskirchen zählt die evangelische Sankt Katharinenkirche an der Hauptwache. Deren Kirchenvorstandsvorsitzender, Wolfram Schmidt, der auch Mitglied im Vorstand von Stadtdekanat und Regionalversammlung ist, unterstützte die Linie, in den Kirchen die Heizungen in den kommenden Monaten auszulassen „und es wird dennoch bei uns sowohl Konzerte als auch Angebote für die Obdachlosen geben“.

Bauprioritäten 2024
Auf Grund des Doppelhaushaltes lag den Delegierten bereits gestern Abend die Bauprioritätenliste für das Jahr 2024 vor. Sie verzeichnet ein Volumen in Höhe von 14.680.307 Euro, für 2023 sind rund 22,5 Millionen vorgesehen, die höheren Ausgaben im kommenden Jahr liegen an größeren Projekten wie dem Umbau des Hotels Spenerhaus, das auch als Tagungsstätte dient.

Zu den 2024 anstehenden Vorhaben zählen die Dachsanierung der Offenbacher Markus-Kirche, in der Miriamgemeinde im Frankfurter Norden muss ein historisches Schieferdach neu gedeckt werden, in der Festeburggemeinde in Frankfurt-Preungesheim steht eine umfassende Platzsanierung an.

Für Kitas der Evangelischen Kirchengemeinde Unterliederbach und der Lydiagemeinde sind seitens der Bauabteilung Arbeiten geplant. 2024 wird es in einigen Pfarrämtern Wechsel geben, die Vakanzzeiten sind für Sanierungen vorgesehen. Sanierungen stehen auch bei einer Reihe an Privatleute vermieteter Wohngebäuden an, beispielsweise an der Höchster Hostatostraße und am Johanna-Melber-Weg in Sachsenhausen.

Zu Fragen aus dem Plenum, inwieweit Kostensteigerungen in dem Bau-Haushalt berücksichtigt seien, sagte Boy, sie seien im Blick. Sollten sie das einkalkulierte Maß übersteigen, würden entsprechende Vorlagen darüber aufklären.

Bei drei Enthaltungen und ohne Gegenstimmen wurde die vorgelegte Bauprioritätenliste 2024 angenommen.

Soziale Verantwortung
Auf den Ukrainekrieg, die Klimakrise und die soziale Not der Menschen reagierte die Evangelische Kirche in Frankfurt und Offenbach bei dieser Tagung in vielen Beiträgen. Schon in seiner Andacht vor der Sitzung sprach Stadtdekan Achim Knecht die aus vielerlei Gründen bedrückende Lage an. „Wie viele Menschen werden noch sterben müssen?“ sagte er mit Blick auf den Ukrainekrieg. Den Klimawandel der in diesem Sommer wieder einmal so deutlich wurde, brachte er vor, auch die Menschen, die Sorgen plagen, ihre Energierechnungen nicht bezahlen zu können, sprach er in seiner Andacht und Rede an.

Den Delegierten lag gestern Abend auch ein Papier vor „Einkommensarme Haushalte angesichts der hohen Inflation stützen“. Diakoniepfarrer Markus Eisele stellte es dem Kirchenparlament vor. An die Landeskirche, die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau sowie an die Diakonie Hessen wird in dem Papier die Bitte gerichtet, die Einflussmöglichkeiten zu nutzen, dass die Maßnahmen des sogenannten Dritten Entlastungspakets „zeitnah umgesetzt und ergänzt werden“. Gerade auch Familien und Kinder seien von den rasant steigenden Energiekosten betroffen. Strom- und Gassperren müssten verhindert werden. „Es steht uns gut an als “ als Stadtsynode, sagte der Theologische Geschäftsführer der Diakonie Frankfurt und Offenbach, sowohl auf die Lage der sozialen Einrichtungen aufmerksam zu machen, aber auch auf die prekär Lebender. Nahezu einstimmig wurde das Papier beschlossen.


Autorin

Bettina Behler 214 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach