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Stadtsynode verleiht Ehrenamtspreis, sorgt sich um Flüchtlinge und diskutiert über den Ökumenischen Kirchentag

Evangelische Stadtsynode tagte am 16. September in der Stadthalle Offenbach

Christine Tries und Pfarrer i.R. Günter Krämer (Mitte) wurden von Stadtdekan Achim Knecht und Präses Irmela von Schenck mit der Spenermedaille ausgezeichnet. | Foto: Rolf Oeser
Christine Tries und Pfarrer i.R. Günter Krämer (Mitte) wurden von Stadtdekan Achim Knecht und Präses Irmela von Schenck mit der Spenermedaille ausgezeichnet. | Foto: Rolf Oeser

Aufgrund der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Flächenvorgaben konnte die Stadtsynode der Evangelischen Kirche in Frankfurt und Offenbach am 16. September 2020 nicht wie gewohnt im Frankfurter Dominikanerkloster tagen, sondern musste in die Stadthalle in Offenbach ausweichen. Kein Händeschütteln zur Begrüßung, Mund-Nase-Maske tragen bis zum Sitzplatz, 1,5 Meter Abstand halten, abgepacktes Essen statt Büffet – es war eine ungewohnte Atmosphäre bei dieser Stadtsynode. Mit großer Disziplin hielten sich die Delegierten des Kirchenparlaments an die Schutzregeln.

Stadtdekan fordert Aufnahme der Flüchtlinge

Stadtdekan Achim Knecht ging in seiner Rede auf die Situation der Flüchtlinge auf der griechischen Insel Lesbos ein und sagte, dass „in diesem völlig überfüllten Lager wie in einem Brennglas die Uneinigkeit und das Versagen einer gesamteuropäischen Flüchtlingspolitik deutlich wurde“. Trotz der von der Bundesregierung beschlossenen Aufnahme von 1500 Flüchtlingen forderte Knecht eine dauerhafte Lösung für die Betroffenen „und die heißt, wie von Pro Asyl gefordert, Aufnahme in den europäischen Ländern. Dem möchte ich mich ausdrücklich anschließen“. Er wies darauf hin, dass beide hessische Landeskirchen 10.000 Euro für humanitäre Soforthilfe bereitgestellt haben und zu Spenden aufrufen.

Ökumenischer Kirchentag

Knecht informierte die Delegierten über den aktuellen Stand der Vorbereitung des Ökumenischen Kirchentags (ÖKT), der vom 12. bis 16. Mai 2021 in Frankfurt stattfinden soll. Da die Corona-Pandemie nach Einschätzung Knechts auch „auch im nächsten Frühjahr unser aller Leben und Arbeiten noch stark prägen“ werde, entscheide das Präsidium des ÖKT am kommenden Freitag über die Durchführung des Kirchentages. Der Stadtdekan, der Mitglied des Präsidiums ist, verriet aber: „Nun kann ich Ihnen noch nicht genau sagen, wie der Beschluss des Gemeinsamen Präsidiums zur Durchführung des Ökumenischen Kirchentages Ende der Woche genau aussehen wird. Aber aufgrund der mir nun vorliegenden Beschlussvorlage kann ich Ihnen heute schon folgendes mitteilen: Der ÖKT soll nicht abgesagt werden, aber er wird mit einer deutlich kleineren Präsenzveranstaltung durchgeführt wie ursprünglich geplant. Er wird nicht für mehr als 100.000, sondern nur für wenige Zehntausend Teilnehmende konzipiert, vielleicht für noch weniger.“

Spenermedaille für Christine Tries und Pfarrer i.R. Günter Krämer

Christine Tries von der Sankt Thomasgemeinde in Frankfurt-Heddernheim und der Offenbacher Pfarrer i.R. Günter Krämer wurden vor der Stadtsynode mit der Philipp-Jakob-Spener-Medaille für ihre ehrenamtlichen Verdienste um die Evangelische Kirche in Frankfurt und Offenbach ausgezeichnet. „Ein Vierteljahrhundert gestalten Sie mit wechselnden Teams und nun mit der Generation Ihrer Enkelkinder den Kindergottesdienst in Sankt Thomas“, würdigte Prodekan Holger Kamlah das Engagement von Christine Tries in der Sankt Thomasgemeinde in Heddernheim. Denn es war1994, als Christine Tries dieses Ehrenamt übernahm. 1997 wurde die gebürtige Hamburgerin dann in den Kirchenvorstand gewählt, dem sie seit 2003 bis heute als Vorsitzende vorsteht. Prodekan Kamlah hob hervor, „dass Sie, Frau Tries, über Jahrzehnte bereit waren, treu und gewissenhaft eine erhebliche Verantwortung ganz ehrenamtlich zu tragen. Sie haben die Sankt Thomasgemeinde sicher geführt durch die zahlreichen Strukturveränderungen und die großen Neubauprojekte“.

„So kann es nicht weitergehen, entschied Pfarrer Günter Krämer im kalten Winter 1992/1993. Immer wieder schellten Menschen in Not an der Tür des Pfarrhauses der Französisch-reformierten Gemeinde in Offenbach und baten um Essen oder Geld“, schilderte Pfarrerin Amina Bruch-Cincar die Geburtsstunde der ökumenischen Aktion „Essen und Wärme für Bedürftige“ in Offenbach. Drei Monate später habe Krämer zusammen mit seinem katholischen Kollegen Kurt Sohns das Geld, Gemeinderäume und 35 Helferinnen und Helfer beisammengehabt. Im Winter 1993/1994 konnten dann „viele Bedürftige an liebevoll gedeckten Tischen Platz nehmen und sich nach dem Tischgebet aus dampfenden Schüsseln bedienen“, erinnerte die Offenbacher Pfarrerin. Noch heute, 26 Jahre später, ist der Ruhestandspfarrer dabei. „Denn es ist Ihnen wichtig, dass Diakonie ein fester Bestandteil des Gemeindelebens und Selbstverständnisses ist“, würdigte Amina Bruch-Cincar das Engagement von Günter Krämer.

Zahlreiche Neubesetzungen bei den Pfarrstellen und Seelsorge unter Corona-Bedingungen

Prodekanin Ursula Schoen und Prodekan Holger Kamlah berichteten, dass in den Kirchengemeinden in Frankfurt und Offenbach zahlreiche Pfarrstellen neu besetzt wurden oder noch zur Besetzung anstehen. Ferner lobten sie angesichts der knapper werdenden Ressourcen die verstärkte Zusammenarbeit der Kirchengemeinden, die sich nicht nur auf gemeindliche Arbeitsfelder wie zum Beispiel den Konfirmationsunterricht beschränkt, sondern in manchen Gemeinden auch auf den Bereich der Verwaltung und der Gemeindebüros erweitert wurde.
Schließlich wiesen beide Prodekane auf die schwierige Situation der Krankenhaus- und Altenheimseelsorge in Zeiten von Corona hin und dankten den Mitarbeitenden für ihren Einsatz, die kreativen Ideen und die Entwicklung neuer Formate, um für die Menschen und ihre Angehörigen in Krankenhäusern und Altenheimen da zu sein.

Synode bestätigt Beschlüsse des Vorstandes

Da die Stadtsynode wegen der Corona-Pandemie im April nicht tagen konnte, hatte der Vorstand der Evangelischen Kirche in Frankfurt und Offenbach in Wahrnehmung der Aufgaben der Synode Beschlüsse gefasst, die diese bei ihrer Tagung zu genehmigen hatte. Genehmigt wurde die Bauprioritätenliste, die festlegt, welche Bauprojekte im Jahr 2021 in Frankfurt und Offenbach durchgeführt werden. Dabei sind 4,03 Millionen Euro für Kirchen und Gemeindehäuser vorgesehen, 3,78 Millionen Euro für übergemeindliche Einrichtungen, Wohn- und Geschäftshäuser, 2,92 Millionen Euro für Kindertagesstätten und Krabbelstuben, 957.000 Euro für übergemeindliche Gebäude sowie 651.000 Euro für Pfarrhäuser. Insgesamt werden für Neubau und Unterhalt der Gebäude 12,34 Millionen Euro bereitgestellt. Die Synodalinnen und Synodalen genehmigten auch den Verkaufsbeschluss zur Veräußerung eines Teils des Matthäusareals, Friedrich-Ebert-Anlage 32 und Hohenstaufenstraße 30 und 32 in Frankfurt.


Verfasst von

Ralf Bräuer 26 Artikel

Ralf Bräuer ist Leiter der Redaktion von "Evangelisches Frankfurt und Offenbach" und der Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche in Frankfurt und Offenbach