Aktuelles

Statt Redaktionsdienste Gottesdienste: Neue Pfarrerin am Frankfurter Berg

Anne Kampf hat berufsbegleitend Theologie studiert. In der Bethaniengemeinde am Frankfurter Berg hat sie ihre erste Pfarrstelle angetreten.

Anne Kampf - neuerdings Pfarrerin in der Evangelischen Bethaniengemeinde am Frankfurter Berg  I Foto: privat
Anne Kampf - neuerdings Pfarrerin in der Evangelischen Bethaniengemeinde am Frankfurter Berg I Foto: privat

Von der Redaktion an den Altar, vom Interview zum Kasualgespräch: Die Journalistin Anne Kampf hat die Seiten gewechselt und ist im September von Propst Oliver Albrecht in der Bethanienkirche am Frankfurter Berg als Pfarrerin ordiniert worden.

Seit 2007 gibt es die Möglichkeit, an der Marburger Universität berufsbegleitend Theologie zu belegen und mit dem Master abzuschließen. Die 41 Jahre alte gebürtige Siegerländerin, Romanistin und Politikwissenschaftlerin, hat sich 2010 dafür beworben und neben ihrer Tätigkeit als Redakteurin bei Radio Siegen beziehungsweise evangelisch.de noch einmal studiert.

Eine 75 Prozent-Stelle musste in der Zeit für den Unterhalt reichen, „20 Stunden werden für das Studium veranschlagt“, berichtet die neue Gemeindeseelsorgerin vom Frankfurter Berg. Eine intensive Zeit war das für sie. Sich wissenschaftlich mit dem Glauben zu befassen, hat ihr große Freude bereitet: „Ich hätte gerne immer weiter studiert, weil es so schön ist.“

Nach dem Studium gönnte sie sich aber eine Bedenkzeit, bevor sie das Vikariat antrat: Wollte sie wirklich die Redaktion verlassen, um als Gemeindepfarrerin im Stadtteil und der dazugehörenden Kirche präsent zu sein? Bei Radio Siegen hat Anne Kampf volontiert und als Redakteurin gearbeitet. „Auch Pfarrerinnen nutzen Mikrofone, aber sie schauen den Menschen, die sie hören, direkt ins Gesicht, das ist etwas anderes.“

Außerdem: „Wie halte ich es mit der Verkündigung?“, fragte sich Anne Kampf, die aus einem nichtkirchlichen Elternhaus stammt, aber über die Jugendarbeit in der pietistisch geprägten Region zu theologischen Themen fand. Die religiöse Praxis im Siegerland war ihr irgendwann zu eng, „die volkskirchliche Prägung“, die Offenheit, die sie in Frankfurt als Redakteurin bei evangelisch.de wahrnahm, entsprach schon eher ihrem Glauben.

Erste Erfahrungen mit Gottesdiensten, die sie ehrenamtlich in der „Projektgemeinde nicht nur für Lesben und Schwule Frankfurt“ in der Gethsemanekirche gehalten hat, bestärkten die Theologin, dass der Wechsel vom Journalismus ins Pfarramt für sie das Richtige ist. So dass sie das Vikariat in Bad Nauheim antrat.

Dort hatte sie es mit einer großen 1906 von Großherzog Ernst Ludwig von Hessen eröffneten Kirche zu tun. Bei der evangelischen Bethanienkirche, im Wickenweg im Stadtteil Frankfurter Berg, handelt es sich um eine der sogenannten Notkirchen, 1948 gebaut nach Plänen des Architekten Professor Otto Bartning. Am Anfang erschien Anne Kampf der denkmalgeschützte Holzskelettbau befremdlich, kein Mittelgang, deutlich kleiner als die Bad Nauheimer Dankeskirche, in der sie ihr Vikariat absolvierte. Die neue Pfarrerin hat sich mit der Bethanienkirche befasst, immer wieder Platz genommen in den Reihen und die Atmosphäre auf sich wirken lassen, gemütlich sei das Gotteshaus, sagt die Theologin „und ich finde sie inzwischen sehr, sehr schön“.

Am 1. August hat Anne Kampf offiziell ihre Tätigkeit angetreten. Ihr kommt der halbe Stellenumfang entgegen, da sie auch Zeit mir ihrer Lebensgefährtin in Berlin verbringen will. Ab und an will sie noch freiberuflich Artikel schreiben. Mit ganzem Herzen und Kopf möchte sich die Pfarrerin aber auf den Frankfurter Berg einlassen. Eine Wohnung ist bezogen, und „wenn ich auf dem Weg von da zum Büro bin, treffe ich schon immer auf ein, zwei Leute, die ich kennengelernt habe.“


Autorin

Bettina Behler 71 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach

0 Kommentare

Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare verfasst. Schreiben Sie doch den ersten.

Artikel kommentieren

Lebhafte Diskussionen sind interessant, können aber manchmal die Gemüter erhitzen. Bitte achten Sie auf einen angenehmen Umgangston und vermeiden Sie verbale Angriffe auf andere Kommentatoren. Die Redaktion behält sich vor, unangebrachte Kommentare nicht zu veröffentlichen.

Mit * markierte Felder sind Pflichtfelder.