Aktuelles

„Steine dürfen tun, was sie wollen“: Ausstellung von Birgit Cauer in der Diakoniekirche

Die Bildhauerin Birgit Cauer zeigt derzeit in der Weißfrauen Diakoniekirche im Frankfurter Bahnhofsviertel Arbeiten aus Stein. „Petra – Morphologie der Steine“ ist noch bis 14. April zu sehen.

Eröffnung der Ausstellung in der Weißfrauen Diakoniekirche.
Eröffnung der Ausstellung in der Weißfrauen Diakoniekirche.

„Ihre Frage lasse ich noch zu“, sagt die Bildhauerin Birgit Cauer beim Presserundgang kurz vor der Eröffnung ihrer Ausstellung „Petra – Morphologie der Steine“ in der Weißfrauen Diakoniekirche im Frankfurter Bahnhofsviertel. Tatsächlich ist das „Zulassen“ typisch für das Werk der 1961 in Frankfurt geborenen Künstlerin.

In ihren neusten Arbeiten lässt Cauer natürliche Erosionsprozesse in Steinen entstehen. Steine, sagt Cauer, seien ihre besten Lehrmeister: „Alles, was ich weiß, weiß ich vom Stein“. Für die aktuelle Ausstellung hat sie in die 14 Meter hohe, grundsanierte Weißfrauenkirche Tröpfe gehängt, die Kalkstein, Marmor oder Travertin mit Salzsäure, Kupfersulfat oder Chromchlorid beträufeln: Anhand dieser experimentellen Versuchsanordnung kann die Betrachterin nachvollziehen, wie Ablagerungen, Höhlen und Verfärbungen entstehen.

Zu sehen sind aber auch abgeschlossene Arbeiten, die die Schönheit von rosa oder weißem Marmor und anderen Steinen zur Geltung bringen. Vor dem Aufgang zur Kirche zum Beispiel steht ein 1,5 Tonnen schwerer Cristallina-Mamorblock, der zwei Monate lang mit Salzsäure bearbeitet wurde.

Cauer weiß, dass man in ältesten Steinen Mikroben nachgewiesen, also Spuren von uraltem Leben gefunden hat. Ihr geht es, wie sie sagt, um das größte Rätsel überhaupt: Wie konnte einst in einer leblosen Welt aus Wasser und Steinen organisches Leben entstehen? Was ist Leben?

Markus Zink, Referent für Kunst und Kirche der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, sagte bei der Vernissage, die Künstlerin werde in den von ihr eingeleiteten Prozessen zur Naturbeobachterin. Sie müsse fühlen, sehen und hören, wo der Stein nachgibt, knackt oder auch bricht. Wesentlich sei, mit wie viel Respekt sie ihrem Material und seinen Möglichkeiten begegne. „Steine werden in den von ihr angestoßenen Prozessen von selbst zur Kunst, weil sie das tun dürfen, was sie wollen!“ Cauers Werk, so Zink, zeige modellhaft das Werden und Vergehen über Äonen, der künstlerische Prozess sei ähnlich unberechenbar und überraschend wie Gottes Schöpfungsprozess.

Die Ausstellung ist noch bis 14. April in der Weißfrauen Diakoniekirche, Gutleutstraße 20 (Eingang 1. Etage), zu sehen und ist dienstags bis samstags von 12 bis 16 Uhr geöffnet. Sie wird von der SV Sparkassen-Versicherung unterstützt.


Autorin

Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt und Offenbach".

0 Kommentare

Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare verfasst. Schreiben Sie doch den ersten.

Artikel kommentieren

Wir freuen uns, wenn unsere Beiträge zu Diskussion und Austausch beitragen. Dabei bitten wir, auf angemessene Umgangsformen zu achten und die Meinung anderer zu respektieren. Bei Verstößen gegen unsere Netiquette-Regeln behalten wir uns vor, Kommentare nicht zu veröffentlichen.

Mit * markierte Felder sind Pflichtfelder.