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Unscharf und trotzdem ein Hingucker

Die Werbe-Kampagne für den Ökumenischen Kirchentag 2021 in Frankfurt will den Blick für aktuelle Themen und Probleme schärfen. Jetzt wurde das Motiv bei einer Online-Pressekonferenz vorgestellt.

Das Werbemotiv für den Ökumenischen Kirchentag 2021 steht fest.
Das Werbemotiv für den Ökumenischen Kirchentag 2021 steht fest.

Schaut hin: Das ist das hoffnungsvolle Motto des Ökumenischen Kirchentags, der nächstes Jahr in Frankfurt stattfinden soll. „Geht hin und seht nach!“ sagt Jesus nach dem Markusevangelium (6,38) zu seinen Jüngern und Jüngerinnen. Da berichten sie ihm, dass sie nur fünf Brote und zwei Fische haben. Doch die Fünftausend, die sich versammelt haben, um ihm zuzuhören, machen Jesus keine Angst. Es gelingt ihm, sie zu speisen.

Der Schriftzug „schaut hin“ ist in der jetzt öffentlichen Kirchentagskampagne bewusst unscharf. Automatisch kneift man ein bisschen die Augen zusammen, um das Motto auf blau-violettem Untergrund zu erkennen. Dann wandert der Blick weiter nach unten, der blaue Untergrund stuft sich immer mehr zu pfirsichfarben ab, und rechts unten steht: 3. Ökumenischer Kirchentag, Frankfurt am Main, 12. bis 16. Mai 2021.

Unschärfe der Schrift, Blickführung und Farbgebung gehören zu einem wohlüberlegten Konzept, für das die Agentur „part“ in Berlin den Zuschlag bekommen hat. Die evangelische Kirchentagspräsidentin Bettina Limperg erklärt es so: „Schauen wird direkt zum Tun. Aktivieren, den Blick schärfen und Verantwortung übernehmen für die Themen und Ressourcen unserer Zeit. Das Motiv ist schnörkellos, auf das Wesentliche konzentriert. Zugleich öffnet der Farbverlauf den Blick in eine hoffnungsvolle Weite, erinnert an den Sonnenaufgang.“

In der interaktiven Social-Media-Variante erhält die 'schaut hin'- Kampagne eine weitere aktivierende Dimension. Kirchentagsbesucher*innen können mitteilen und posten, auf was ihr Blick in Zeiten der Klimakrise, humanitärer Katastrophen und falscher Informationen fällt, welche positiven Aspekte in der Gesellschaft dagegenstehen, erläuterte Benjamin Schwarz von der Agentur „part“.

Die jetzige Corona-Epidemie schärfe den Blick und stelle viele Themen für den gemeinsamen Kirchentag von Protestanten und Katholiken, sagte Thomas Sternberg, der katholische Kirchentagspräsident. Er gehe davon aus, dass Großveranstaltungen nächstes Jahr wieder möglich seien. Die Themen lägen auf der Hand: Wie lassen sich Menschen in ihren individuellen Freiheitsrechten einschränken, um das Leben Einzelner und von Risikogruppen zu schützen? Wie zeigt sich christliche Solidarität? Welchen Stellenwert hat der Glaube in einer 'gottverlassenen Gesellschaft'? Wie können wir in der Krise von Gottvertrauen sprechen? Wie können Demokratien handlungsfähig bleiben, ohne ihre Werte zu verraten? Ist die wirtschaftliche Ordnung tragfähig? Erfreulicherweise meldeten sich bereits jetzt sehr viele Gruppen an.


Autorin

Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt und Offenbach".