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Unterschiedliche Themen – beide haben mit Zukunft zu tun

Über Haushaltsperspektiven und kirchliche Arbeit an Schulen wurde bei der Sitzung des evangelischen Kirchenparlaments für Frankfurt und Offenbach im Dominikanerkloster diskutiert.

Pfarrer Jan Schäfer ist Leiter des kirchlichen Schulamts in Offenbach |
Pfarrer Jan Schäfer ist Leiter des kirchlichen Schulamts in Offenbach | Bild: eöa

Der aktuelle Haushalt des Evangelischen Regionalverbandes Frankfurt und Offenbach, in den zur Deckung Rücklagen in Höhe von 3,9 Millionen Euro einfließen mussten, seine zukünftige Weiterentwicklung und das Thema „Religionsunterricht und Schulseelsorge“ haben die gestrige Tagung der Synode und Regionalversammlung der Evangelischen Kirche in Frankfurt und Offenbach bestimmt.

Der Haushalt des Evangelischen Regionalverbandes (ERV) umfasst für das Jahr 2020 im Verwaltungsteil Ausgaben in Höhe von rund 227 Millionen Euro. Hinzu kommen Baumaßnahmen, die aus dem Vermögenshaushalt finanziert werden, für die etwa 20 Millionen Euro aufgebracht werden. Die Kürzungen an Kirchensteuermitteln durch die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) in den zurückliegenden Jahren und die Perspektive, dass die Geldflüsse der Landeskirche weiter zurückgehen werden – der evangelische Stadtdekan für Frankfurt und Offenbach Achim Knecht sprach von 10 bis 15 Prozent bis zum Jahr 2030 – macht es notwendig, diese Debatte über die zukünftigen Ausgaben zu eröffnen.

Besondere Herausforderungen in der Metropolenregion

Es gehe darum, Prioritäten zu setzen und sich über mögliche Einsparungen zu verständigen, so Knecht. Mit dem Haushaltsplan 2022, der ab Frühjahr 2021 vorbereitet wird, müsse das „notwendige Umsteuern“ beginnen. Er sagte aber auch „Dabei besteht aber kein Grund zur Panik“, die EKHN zähle zu den finanziell gut aufgestellten Kirchen und: „Unser Regionalverband steht vergleichsweise gut da.“ Die Kürzungen der Landeskirche nannte er die Hauptursache, sich Gedanken über den Haushalt zu machen, aber es gebe auch andere Gründe, hinzuschauen, wie die Mittel verwandt werden.

Als Beispiel nannte der Verwaltungsleiter des ERV, Thomas Speck: Werden die Verwaltungsarbeiten für die gemeindliche, übergemeindliche und diakonische Arbeit effizient und kostengünstig durchgeführt? Das gelte es zu prüfen unter Beachtung, dass in der Metropolenregion Frankfurt und Offenbach eine Verwaltung vor ganz anderen Aufgaben steht als andere regionale Kirchenverwaltungen der EKHN. Speck wies die Delegierten darauf hin, dass der ERV mehr als vorgegeben leiste, beispielsweise für seine Mitgliedsgemeinden. Aus Darmstadt werden hierfür 4,3 Millionen überwiesen, der Evangelische Regionalverband Frankfurt und Offenbach steuert darüber hinaus 1,8 Millionen bei. Hinzu kommen noch 1,2 Millionen für Bauliches in den Gemeinden. Unter den 227 Millionen Euro des aktuellen Haushalts befinden sich 190 Millionen budgetierte Mittel für die sozialdiakonische Arbeit von Diakonie, Beratung, Bilder, Kitas und Kinder- und Jugendarbeit. Diese Gelder stammen von den Kommunen oder dem Land und sind zweckgebunden. Auch hier habe der ERV mit seinen Fachbereichen mehr zu stemmen an Verwaltungsaufgaben, als in anderen Gebieten der EKHN üblich, sagte Speck. An diesem Abend ging es bei dem Thema „Haushalt“ nicht um Abstimmungen, sondern um das Anstoßen eines Diskussionsprozesses, dessen Ergebnisse in die zukünftigen Haushaltsplanungen einfließen sollen.

Knecht über Synodalen Weg

Einen anderen Diskussionsprozess, die Versammlung des Synodalen Weges der katholischen Kirche, die unlängst im Großen Saal des Dominikanerklosters zu Gast war, sprach der evangelische Stadtdekan Achim Knecht in seiner einführenden Rede zu Beginn der Sitzung im Dominikanerkloster in der Frankfurter Innenstadt an. Er habe es als Ehre empfunden, an die versammelten Katholiken ein Grußwort zu richten. Ausdrücklich lobt er die nicht hierarchische, sondern alphabetische Sitzordnung, „was für eine Kommunikation auf Augenhöhe sicher förderlich war“. Dem weiteren Fortgang des mit dem Synodalen Weg verknüpften Vorhabens wünschte Knecht „Gottes Segen“.

Religionsunterricht in einem multireligiösen Umfeld

Über das Thema „Religionsunterricht und Schulseelsorge – Kirche an einer Schnittstelle zur Gesellschaft“ informierten sich die Delegierten und debattierten, was das bedeutet in einer Zeit, in der immer weniger Christinnen und Christen in den Klassenzimmern sitzen. Jan Schäfer, Leiter des Kirchlichen Schulamtes in Offenbach, das unter anderem für Frankfurt und Offenbach zuständig ist, nannte Zahlen und Aufgaben: Jede Woche erhalten 10.000 Schülerinnen und Schüler evangelischen Religionsunterricht. Dieser wird an 174 staatlichen Schulen angeboten, zusätzlich auch an zahlreichen privaten Schulen. Mehr als 541 ausgebildete Religionslehrerinnen und –lehrer unterrichten das Fach, hinzu kommen 35 Gemeindepfarrerinnen und Gemeindepfarrer. Weitere 25 Theologinnen und Theologen arbeiten in Vollzeit an Schulen, nicht zuletzt auch in der Seelsorge.

Aus kirchlicher Sicht bedeute das, eine Brücke zu schlagen, zu den Kindern und Jugendlichen, aber auch zu den Eltern und Großeltern, sagte Schäfer. Unterschiedlich sehen die Schwerpunkte aus, alle jedoch beziehen andere Religionen ein. Sabine Emde, Schulpfarrerin, Religionslehrerin und Schulseelsorgerin an der Carl-von-Weinberg-Schule in Frankfurt-Goldstein unternimmt in der fünften Klasse mit den Kindern einen Ausflug in eine Synagoge, in der sechsten wird eine Kirche besucht, in der siebten eine Moschee. Von Eltern evangelischer Kinder komme durchaus auch der Einwand, gelte es nicht, erst einmal die eigene Religion kennenzulernen? Dies gehe auch darüber, sagte Emde. Auf Improvisations-Theater setzt Matthias Helms, Schulpfarrer an der Stauffenbergschule, einer beruflichen Schule mit kaufmännischer Ausrichtung. Die Darstellung lasse manchmal Themen deutlicher werden als es im Frontalunterricht möglich ist: „Das ist eine Methode, die bringt Kirchenferne und -verbundene zusammen“, sagte der Theologe.

Schulamtsleiter Jan Schäfer zitierte den früheren Bundespräsidenten Roman Herzog in seinem Schlussplädoyer: „Es ist ein Irrglaube, ein Bildungssystem komme ohne Vermittlung von Werten aus! Viele Lehrer leisten diese Wertevermittlung durch ihr Beispiel und durch Diskurse in ihren jeweiligen Fächern. Aber es ist auch auf wertevermittelnde Fächer zu achten. Deshalb gehört zum Beispiel der Religionsunterricht in die Schule und darf nicht in die Pfarrsäle verdrängt werden.“


Autorin

Bettina Behler 109 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach