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Weg von der Gasheizung? Das ist oft gar nicht so einfach.

Auch die Gebäude der evangelischen Kirche in Frankfurt und Offenbach werden noch überwiegend mit Gas geheizt. Doch es ist notwendig, sich von dieser Energiequelle unabhängiger zu machen – nicht nur wegen der Kosten und der Abhängigkeit von autokratischen Regimen. Sondern vor allem für den Klimaschutz.

Michael Vorgarten und Brigitte Spiegel vom Kirchenvorstand der Lydiagemeinde zeigen die Erdwärmepumpe im Gemeindehaus in Alt-Hausen. | Foto: Rolf Oeser
Michael Vorgarten und Brigitte Spiegel vom Kirchenvorstand der Lydiagemeinde zeigen die Erdwärmepumpe im Gemeindehaus in Alt-Hausen. | Foto: Rolf Oeser

Das Thema Nachhaltigkeit stehe bei der Gebäudeplanung der Evangelischen Kirche in Frankfurt und Offenbach weit oben auf der Agenda, sagt Lars Mayer von der Bauabteilung im Evangelischen Regionalverband Frankfurt und Offenbach. Der Verband unterhält derzeit rund 400 Kirchen, Kitas, Gemeindehäuser und Verwaltungsgebäude in beiden Städten.

Es gibt bereits einzelne Leuchtturmprojekte, wie das mit Geothermie beheizte Gemeindehaus der Lydiagemeinde in Alt Hausen oder das Gemeindehaus in der Graebestraße in Frankfurt-Praunheim, dessen Wärmebedarf über eine Wärmeluftpumpe gedeckt wird. Beide Systeme funktionieren wie ein umgekehrter Kühlschrank: Sie entziehen der Umgebung Wärme – also dem Untergrund oder dem Grundwasser beziehungsweise der Luft – und geben diese an das Haus ab. Deshalb wird es im „Treffpunkt Lydia“, der als Nachbarschaftszentrum in Hausen eine breite Palette an Aktivitäten bietet, im kommenden Winter auf jeden Fall warm sein, egal wie die Gaspreise sich entwickeln: Geothermie ist eine zuverlässige Wärmequelle, denn die Temperaturen im Inneren der Erde sind relativ konstant.

Das Heizen könne aber nicht isoliert betrachtet werden, betont Lars Meyer. Sondern man müsse immer das gesamte Gebäude betrachten: Baustoffe, Standort, physikalische Gegebenheiten, Nutzungsbedarfe, aber auch Fragen der Wirtschaftlichkeit, der Verfügbarkeit von Fördermitteln und anderes mehr. Nicht jede Energieversorgung ist überall verfügbar oder mache überall Sinn. Deshalb werde in jedem einzelnen Planungsverfahren nach individuellen Lösungen für das jeweilige Projekt gesucht.

Eine Möglichkeit, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zumindest zu reduzieren, bieten auch energiesparsame Passivhäuser, wie sie der Evangelische Regionalverband mit dem Gemeindehaus in Zeilsheim und einer Kita in Bonames unterhält. Andere Gemeindehäuser, wie das der Nordwest-Gemeinde Cantate Domino, sind an das Fernwärmenetz angeschlossen. Fernwärme wird häufig zusammen mit Strom erzeugt und ist deshalb weniger abhängig von fossiler Energie. Das Frankfurter Fernwärmenetz wurde seit den 1990er Jahren kontinuierlich ausgebaut, zentraler Bestandteil ist das Müllheizkraftwerk Nordweststadt. Eine generelle Unabhängigkeit von Gas bietet die Fernwärme aber nicht, denn es wird auch in dieses Netz Energie aus fossilen Brennstoffen eingespeist.

Das Thema ist auch deshalb für die Kirche aktuell, weil sie angesichts schrumpfender Mitgliederzahlen ihren Gebäudebestand reduzieren und auch modernisieren muss. Im Frühjahr hat die Evangelische Kirche Hessen und Nassau (EKHN) ein Gebäudebedarfsgesetz verabschiedet, wonach bis 2030 insgesamt zehn Millionen Euro an jährlichen Bauunterhaltskosten eingespart werden sollen. Das ist angesichts der derzeitigen 37 Millionen Euro im Etat mehr als ein Viertel. Und schon dieses bestehende Budget reicht bei weitem nicht aus, um die bestehenden Gebäude angemessen zu erhalten. Eigentlich müssten dafür 71 Millionen Euro im Jahr eingeplant werden, sagt EKHN-Pressesprecher Volker Rahn: „Wir schieben einen deutlich absehbaren Sanierungsstau vor uns her.“

Perspektivisch sollen den Kirchengemeinden pro 100 Gemeindemitglieder nach den Plänen der Landeskirche nur noch vier Quadratmeter zur Verfügung stehen. Das heißt, es müssen Flächen abgebaut und konzentriert werden. Dafür ist es vielerorts notwendig, neue Gebäudekonzepte zu entwickeln.

In Punkto Energieversorgung spielen dabei viele Faktoren eine Rolle: Standort, Untergrund, Gebäudesituation, Infrastruktur und Umweltfaktoren. Zum Beispiel sei es nicht überall möglich, Bohrungen für Geothermie durchzuführen. Auch der Denkmalschutz lasse nicht alle Optionen zu: So brauchen Wärmepumpen eine gute Gebäudedämmung, denn nur dann arbeiten die Anlagen effizient. Deshalb sind sie in Kirchen, die aufgrund des Denkmalschutzes meist nicht gedämmt werden können, in der Regel keine Option. Solarthermie wiederum ist nur dort sinnvoll, wo regelmäßig Warmwasser benötigt wird. Das Heizen mit Pellets ist wartungsintensiv und setzt voraus, dass ein Hausmeister sich kümmern kann. Und ein Passivhaus ist nur dann nachhaltig, wenn die Nutzer:innen des Hauses verstehen, wie es funktioniert und sich entsprechend verhalten, weshalb sich das Konzept besser für Wohnhäuser als für öffentliche Gebäude eignet.

Grundsätzlich, sagt Mayer, sei es mit der Energieversorgung von Gebäuden ähnlich wie beim Autofahren: Nur wer den Zusammenhang von Verbrauch, Verschleiß und Geschwindigkeit versteht, kann sie umweltschonend nutzen.


Autorin

Silke Kirch 54 Artikel

Dr. Silke Kirch studierte Germanistik, Kunstpädagogik und Psychologie in Frankfurt am Main und ist freie Autorin und Redakteurin.

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