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Wo Hoffnung wächst

Der evangelische Stadtdekan von Frankfurt und Offenbach, Achim Knecht, hat in diesem Jahr anhand Jesaja 11, 1-9 die weihnachtliche Botschaft im Jahr 2020 in den Blick genommen.

2020 unterwegs mit Maske an Weihnachten - der evangelische Stadtdekan Achim Knecht I Foto: Rolf Oeser
2020 unterwegs mit Maske an Weihnachten - der evangelische Stadtdekan Achim Knecht I Foto: Rolf Oeser

Das Lied „Es ist ein Ros entsprungen, aus einer Wurzel zart“, das im 16. Jahrhundert auf der Grundlage von Jesaja 11,1 verfasst wurde, hat der evangelische Stadtdekan für Frankfurt und Offenbach Achim Knecht seiner diesjährigen Weihnachtspredigt zugrunde gelegt. In der Prophezeiung des Jesaja heißt es: „Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isai und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen.“

Das Reis, ein dünner Zweig, der aus einem abgehauenen Baum herauswächst, „ist ein Bild für das Leben, das sich nicht unterkriegen lässt. Es beginnt neu auszutreiben, wo vorher der gewachsene Stamm radikal abgesägt, der Baum abgeschnitten wurde“, so der Stadtdekan in seiner Predigt. Und er führt fort: „Die Corona-Pandemie hat das Leben in unserer Gesellschaft radikal beschnitten. Jetzt zu Weihnachten wird das erneut überdeutlich. Wir müssen den Kontakt zu anderen Menschen drastisch reduzieren. Wir können mit unseren Lieben nicht zusammenkommen, wenn wir uns nicht an der Weitergabe des Virus beteiligen wollen.“

Knecht ging in seiner Weihnachtspredigt auch der Frage nach, was die Wurzeln sind, die uns Kraft geben. Unter Bezug auf Jesaja sagte er in seiner Ansprache: „Diese Hoffnung ist in Gott begründet. Seine Heimat war verwüstet, die Städte im Krieg zerstört, die Olivenhaine und Obstbäume alle abgehauen. Doch er vertraute: Gott wird einen neuen Anfang schenken – so wie aus den Baumstümpfen auf den verheerten Feldern neue Zweige ausgetrieben sind.“

Der evangelische Stadtdekan zog in seiner Predigt eine Parallele zwischen der Weihnachtsgeschichte und dem Schicksal vieler Migrantinnen und Migranten: Wie sie seien Jesu Eltern Maria und Josef heimatlos gewesen. Als er zur Welt kam, gab es für sie keine Großfamilie, kein soziales Netz, das sie unterstützen konnte. „Jesus wurde auf der Schattenseite des Lebens geboren“, so Achim Knecht, „bei zwielichtigen Gestalten, bei armen Schluckern, die die Schafe anderer Leute hüteten, den Besitz der Wohlhabenden pflegen mussten“, sei er zur Welt gekommen. „Auch heute Abend ist das Realität für viele, die nichts zum Feiern haben.“

Stadtdekan Achim Knecht I Foto: Rolf Oeser
Stadtdekan Achim Knecht I Foto: Rolf Oeser

Weihnachten, die Geburt Jesu, ist eine Utopie, äußerte der evangelische Theologe „die Menschen im Herzen bewegt und zum Guten verändert. Denn es lässt sie erfahren: Gott schenkt einen neuen Anfang. Er schenkt ihnen Trost, wenn ihr Leben an eine bittere Grenze stößt. Wenn sie mit ihrem Leben nicht zurechtkommen, gibt er ihnen eine neue Perspektive. Er schenkt ihnen Hoffnung, wenn die Verzweiflung überhand zu nehmen droht.“

Am Nachmittag des 24. Dezembers predigte der Evangelische Stadtdekan von Frankfurt und Offenbach in der Frankfurter Paulskirche. Der letzte Gottesdienst dort fand 1943 statt. Das Gebäude, berühmt als Sitz des Parlaments von 1848, wird inzwischen von der Stadt für Festlichkeiten genutzt. Angesichts des Pandemie-bedingten Abstandsgebots konnte die Gemeinde hier, statt in ihrer Alten Nikolaikirche auf dem Römerberg, an Heiligabend zwei Gottesdienste feiern. Einen zweiten Gottesdienst hielt der Stadtdekan am Heiligabend in Frankfurt-Praunheim, wo er einst als Pfarrer wirkte, auch hier rückte er die Botschaft von der Rose in den Mittelpunkt.

Die Predigt im Wortlaut


Autorin

Bettina Behler 132 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach