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Zeit zum Loslassen

Drei Berufswege gehen zu Ende: die von Christiane Hoffmann, Jutta Jekel und Andrea Knoche. Allen dreien waren neben der klassischen gemeindlichen Arbeit gesellschaftliche Themen wichtig.

v.li. Andrea Knoche, Christiane Hoffmann, Jutta Jekel I Fotos: privat/Rolf Oeser
v.li. Andrea Knoche, Christiane Hoffmann, Jutta Jekel I Fotos: privat/Rolf Oeser

Anlässslich ihres Abschieds aus dem Arbeitsleben schauen drei Theologinnen zurück auf ihren Weg ins Amt und was sie in den Jahren geprägt und bewegt hat.

Andrea Knoche: Die Welt ist veränderbar

Knoche ist von dem Propst für Rhein-Main, Oliver Albrecht, schon Mitte Januar „entpflichtet“ worden. Beim Versuch sie dieser Tage zu erreichen, kommt unter Hinweis auf die Pensionierung vormittags die Rückmeldung: „Ich bin mit einer Freundin im Museum verabredet“.

Die Theologin, die von 2003 bis 2011 in der Evangelischen Wicherngemeinde in Praunheim Pfarrerin war und zuletzt Dienste in der Propstei Rhein-Main, vor allem im Frankfurter Nordwesten, übernahm, meldet sich nach dem morgendlichen Kulturprogramm und berichtet von ihrer Berufslaufbahn: Aufgewachsen in einer „gut volkskirchlichen Familie im Badischen“, kam sie über Jugendarbeit und Studentenbewegung zur Kirche. Über diese Zeit sagt sie: „Ein ‚Fenster zum Himmel‘ ging auf, so würde ich das theologisch interpretieren.“ Die Welt ist veränderbar – dieser Gedanke motivierte sie beim Einstieg in das Studium und den Pfarrberuf.

In der Stephanusgemeinde, Gießen, „mit sozialem Brennpunkt, intensiver Kinder-, Jugend- und Familienarbeit“ arbeitete Andrea Knoche von 1988 bis 2003. Neun Jahre davon teilte sie sich mit ihrem Mann, Detlev Knoche, er ist heute Leiter des Zentrums Oekumene der beiden hessischen Landeskirchen EKHN und EKKW, die Pfarrstelle. Jugend blieb ein Thema für Andrea Knoche, an die Arbeit in der Praunheimer Gemeinde schloss sich ein Projekt zur Konfirmandenarbeit im Religionspädagogischen Institut an.

Die Motivation ihrer Anfänge ist der Theologin nicht abhandengekommen, auch wenn sie sagt, dass der Glaube „sich immer wieder verändert“. Ihr sei es wichtig, Gottes Geist nachzuspüren als Anstoß für Veränderung, als Kraft, die Wurzeln gibt, durch das Dunkel trägt und oft neue Zuversicht schenkt. Gottesdienste, die Kasualien wie Taufe, Trauung oder Beerdigung waren ihr wichtig – und persönliche Begegnungen. Gottes Geist sehe sie dort, „wo Menschen sich gegenseitig unterstützen, in Familien, Nachbarschaften und weltweiter Solidarität“, sagt Andrea Knoche zusammenfassend.

Jutta Jekel: Dankbar für liberales Umfeld

Am Sonntag, 2. Februar 2020, hat Propst Albrecht gleich zwei Pfarrerinnen zu verabschieden: Um 11 Uhr wird Jutta Jekel in der Matthäuskirche der Evangelischen Hoffnungsgemeinde verabschiedet, um 14 Uhr sagt Christiane Hoffmann in der Erlöserkirche in Oberrad „Ade“. Wie Knoche ist Jekel mit einem Theologen verheiratet. Er verabschiedet sich dieser Tage in der Wiesbadener Lutherkirche von seinem Amt. Jekel ist die vergangenen zehn Jahre von der Landeshauptstadt in die unweit der Frankfurter Messe ansässige Gemeinde gependelt.

Als „normal kirchlich“ beschreibt Jekel das in Rimhorn im Odenwald gelegene Elternhaus. Ein guter Religionslehrer und Freude an der Kirchenmusik – mit 14 saß sie an der Gemeindeorgel und hörte interessiert den Predigten zu – gaben den Impuls fürs spätere Studium in Marburg und Bonn. Auch Jekel erzählt, gesellschaftspolitisches Engagement habe ihre Universitätsjahre begleitet.

Ihre beruflichen Anfangsjahre bewegten sich schon zwischen Frankfurt und Wiesbaden, zuerst gemeinschaftlich mit ihrem Mann das Vikariat in Frankfurt-Griesheim, dann eine Anstellung in Wiesbaden-Biebrich. Dem folgten für Jutta Jekel sieben Jahre Gefängnisseelsorge in Preungesheim, eine Arbeit, die „mir große Freude gemacht hat“. Und wieder ein Sieben-Jahres-Schritt: „Kontakte zur Arbeitswelt“ halten in der Gossner Mission in Mainz.

Die biblischen sieben Jahre seien bei ihr fast schon ein Muster, sagt Jekel, die neben Theologie einige Semester Psychologie studiert und eine systemische Zusatzausbildung absolviert hat. Im Tandem hat Jekel sich vor mehr als zehn Jahren mit Lars Kessner in der Hoffnungsgemeinde beworben, im Sommer 2018 wechselte er zur Deutschen Gemeinde ins schwedische Malmö, Andreas Klein kam von der Sachsenhäuser Dreikönigsgemeinde zu ihr als Kollege.

Dass die Matthäuskirche und ihr Fortbestand ein Zankapfel war, wusste Jekel bei ihrer Bewerbung, das fand sie eine durchaus spannende Frage, um die es zu Ringen lohnt. Froh ist sie, dass jetzt im Konsens zwischen Stadtdekanat und Gemeinde ein Weg für die Weiterentwicklung des Areals gefunden wurde. Wie es weitergeht, wird sie nun von Wiesbaden aus, wo das Ehepaar leben wird, sehen.

Jekel nennt die Pfarrtätigkeit „den wunderbarsten Beruf, den es gibt“, die Nähe zu den Menschen, die Freiheit, die Vielfalt, die Umsetzung des Glaubens, so vieles stecke darin – und ihre „liberale Landeskirche“ habe ihr auch ein Wirken ganz in ihrem Sinne ermöglicht.

Christiane Hoffmann: Auch Fragen müssen sein

Christiane Hoffmann kann gleichfalls auf eine Dekade in der Erlösergemeinde in Oberrad zurückblicken. Gut gefallen hat ihr, dass es in dem „Gärtnerdorf“ einerseits Traditionen gibt, andererseits „eine große Bereitschaft, Neues auszuprobieren. Das gilt eigentlich für alle Bereiche: für die Senioren, für die Kinder, für den Kirchenvorstand.“

Schön sei es gewesen, wenn es zu Erntedank im Gotteshaus duftete und die Produkte der umliegenden Felder ausgestellt wurden, erzählt sie im Gespräch mit ihrer Kollegin Anne-Katrin Helms. Aber auch wenn Musik oder Lyrik den Raum erfüllte, habe sie es genossen. Ihr gefällt, „dass wir aus einem großen Reichtum schöpfen: aus dem Kirchenjahr, aus den Schätzen der biblischen Überlieferung“. Wichtig findet die Theologin, die seit 1989 in Frankfurter Gemeinden arbeitet, Fragen zu stellen. Zu den Bibelstellen, die ihr wichtig sind, zählt die Jahreslosung 2020: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben.“ (Markus 9,24). Hoffmann meint: „Ich glaube, dass das die Erfahrung von Menschen gut beschreibt: einerseits bin ich auf Vertrauen angewiesen. Gleichzeitig muss ich mit Zweifeln klarkommen, mit Erfahrungen, die das Vertrauen erschüttern.“ Getragen habe sie dabei das Wissen, getragen zu sein.

Gedacht war Christiane Hoffmanns Tätigkeit in der Erlösergemeinde ursprünglich als Vertretung, dass daraus zehn Jahre wurden, war nicht geplant. Die Erfahrungen in Sachen Ökumene, die sie in den zurückliegenden Jahren sammeln konnte, schätzt Christiane Hoffmann. „Die Erfahrung des Kirchenasyls hat mich sehr bereichert“, auch das erwähnt die scheidende Pfarrerin.

Neben einer Stelle, die sie gerne ausgefüllt hat, brachte die Zeit in Oberrad Christiane Hoffmann einiges an Fitness. Sie ist in der Regel von Preungesheim aus mit dem Fahrrad an den südöstlichen Stadtrand von Frankfurt gefahren. Das Rad wird sie sicher weiter nutzen. Ausgepackt hat sie schon mal ihre Flöte und freut sich aufs Üben und „auf den Staub in der Bildhauerwerkstatt“.


Autorin

Bettina Behler 109 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach