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"Wenn nicht wir als Gemeinde, wer dann?"

„Faire Gemeinde“ zeichnet Kirchengemeinden für ökosoziales und ökofaires Alltagshandeln aus

Stefanie Graeme von der Lydiagemeinde setzt sich ein.  / Foto: Rolf Oeser
Stefanie Graeme von der Lydiagemeinde setzt sich ein. / Foto: Rolf Oeser

Es ist an der Zeit, die Dinge beim Namen zu nennen: die Erde gehört uns nicht. Vielmehr wurde sie uns überlassen als ein kostbares Gut, das es gerecht miteinander zu teilen und für zukünftige Generationen zu erhalten gilt. Auch Kirchengemeinden sind aufgefordert, ihren Beitrag zu leisten. Stefanie Graeme von der Lydiagemeinde in Frankfurt Praunheim und Hausen findet klare Worte: „Wenn nicht wir als Gemeinde, wer dann?“

Die aktive Endfünfzigerin ist umtriebig in ihrer Gemeinde: Bauausschuss, Hygieneausschluss, Diakonieausschuss und inzwischen Mitglied des Ausschusses der Initiative Faire Gemeinde. Brot für die Welt im Zentrum Oekumene startet 2017 mit der Initiative der nachhaltigen Gemeinde und möchte Kirchenvorstände dafür gewinnen, mit einem ökosozialen und ökofairen Handeln Verantwortung zu übernehmen und ein Signal zu setzen. „Damit zeigen die teilnehmenden Gemeinden eine ethische Verantwortung gegenüber den Menschen in den Anbaugebieten der Entwicklungsländer, die keinerlei Arbeitsschutz genießen und von den Erträgen ihrer Ernte nicht leben können. Und sie übernehmen Verantwortung gegenüber unserer Erde, der Umwelt und treten ein für einen nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen, die uns zur Verfügung gestellt werden.“ Brigitte Molter ist Referentin für Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe und beschreibt die Motivation der Initiative.

Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Regionalität, soziale Gerechtigkeit. Für die Gemeinde im Frankfurter Westen musste keine Plakette her, um ihr Engagement sichtbar zu machen. Über die Initiative von Brot für die Welt freuten sich die Ehrenamtlichen im Kirchenvorstand trotzdem. Im Januar 2021 wurde der Lydiagemeinde die Auszeichnung „Faire Gemeinde“ verliehen. Der Vorstand unterzeichnet seinerzeit eine Selbstverpflichtung und informiert im Gemeindebrief darüber, dass sie sich ausdrücklich zum fairen Umgang mit den Mitmenschen und der Schöpfung bekennen. „Jetzt wissen es alle, dass wir verantwortungsvoll Handeln.“ sagt Graeme und verweist stolz auf die Artikel in der Gemeindezeitung, wo ökosoziale und ökofaire Themen und einfache Tipps zur Umsetzung immer wieder Platz finden.

Brigitte Molter erklärt, dass die Umsetzung verschiedener Kriterien, zusammengefasst und nachzulesen in einer Infobroschüre von Brot für die Welt, dazu verhelfen soll, den Konsum immer wieder neu zu hinterfragen. „So“, hofft die Referentin „wird ein Nachdenken über den Einfluss des eigenen Verhaltens auf die globale Gerechtigkeit angeregt und der Wandel hin zu einer Entscheidung für faire und/oder regionale Produkte angestoßen.“

In Frankfurt und Offenbach sind es derzeit gerade einmal vier Gemeinden, die sich der Initiative „Faire Gemeinde“ verschrieben haben. „Dabei sind die Themen Nachhaltigkeit, ökosoziales und ökofaires Handeln in den Kirchengemeinden schon lange präsent und werden teilweise bewusst oder unbewusst umgesetzt.“ beschreibt Molter die Situation. Dennoch scheuen viele Gemeinden die Bewerbung oder eine Unterzeichnung der Selbstverpflichtung. „Zu unrecht.“ findet Molter. Der damit verbundene Aufwand würde häufig einfach überschätzt. Sicherlich haben viele Gemeinden aktuell mit Fusionen und der Corona-Pandemie drängende Aufgaben zu bewältigen. Da liege es nahe, sich nicht ohne Not weiteren Herausforderungen zu stellen. Ökosoziales und ökofaires Handeln seien allerdings alternativlos. Brigitte Molter resümiert, dass Ökofairness und Nachhaltigkeit keine Lippenbekenntnisse bleiben dürfen.

Das sieht auch Stefanie Graeme von der Lydiagemeinde so: „Das ist nur ein kleiner Schritt, den wir als Gemeinde gehen. Und der ist für uns definitiv leistbar. Wir wollen bei unseren Gemeindemitgliedern ein Bewusstsein für die drängenden Fragen unserer Zeit schaffen. Wir wollen ein Samenkorn säen und dieses hegen und pflegen. Dieses zarte Pflänzchen soll wachsen und Früchte tragen. Das ist unsere ethische Pflicht.“

Weitere Informationen:

Initiative „Faire Gemeinde“

www.zentrum-oekumene.de/de/themen-materialien/nachhaltige-entwicklung-und-gerechtigkeit/faire-gemeinde/


Beratung für Kirchenvorstände:

Brigitte Molter, Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe, Zentrum Oekumene der

Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Praunheimer Landstr. 206, 60488 Frankfurt am Main, Telefon 069 976518-90

molter@zentrum-oekumene.de


Autorin

Angela Wolf 88 Artikel

Angela Wolf ist Mitglied der Redaktion von Evangelisches Frankfurt und Offenbach. Sie wurde 1978 in Aschaffenburg geboren. Heute lebt sie in Frankfurt am Main, wo sie Soziologie, Politikwissenschaften und Psychoanalyse studierte.