Neulich ... - Die Kolumnen aus EFOI

„Butter bei die Stollen!“

Warum man Stollen mit ganz viel Butter ohne schlechtes Gewissen essen darf.

Ralf Bräuer
Ralf Bräuer

Mandeln, Rosinen und vor allem viel Butter – das alles gehört in einen leckeren Christstollen, den ich jedes Jahr vor der Adventszeit backe.  Da ich gerne auch mal was Neues ausprobiere und wir noch Luther-Jahr haben, googelte ich nach „Stollen + Lutherzeit“ und war erstaunt:  Nix mit „einem Kilo Butter auf zwei Kilo Mehl“, der Stollenteig bestand damals nur aus Mehl, Wasser, Hefe und etwas Rapsöl, was dem  Gebäck einen tranigen Geschmack gab. Klar, Adventszeit ist Fastenzeit, dachte ich. Aber wie kam die Butter in die Stollen? Das war so: Dem Adel schmeckte das nicht. Und so sollen der sächsische Kurfürst Ernst und sein Bruder Albrecht um 1480 per Brief den Papst um Erlaubnis gebeten haben, Butter verwenden zu dürfen. Und Ruckzuck kam schon 1491 (es gab noch kein WhatsApp) die Antwort: Papst Innozenz VIII. erlaubte das im „Dresdner Butterbrief“ und machte damit den Stollen zur Kalorienbombe.

Wer „Butter bei die Stollen“ haben wollte, musste aber den Butterpfennig zahlen, quasi einen Ablass für das Umgehen der Fastenregeln. Und da kommen wir zu Luther, der für den  Ablasshandel so gar nicht zu begeistern war. Von daher hat sich der Reformator den Stollen bestimmt mit dick Butter schmecken lassen. Für ihn war das keine Sünde, für die man Ablass zahlen musste, sondern höchstens mit Gewichtszunahme. Und dasist ja schon Strafe genug, finde ich.


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Ralf Bräuer 29 Artikel

Ralf Bräuer ist Leiter der Redaktion von "Evangelisches Frankfurt und Offenbach" und der Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche in Frankfurt und Offenbach