Neulich ... - Die Kolumnen aus EFOI

„Keine Missionare in Frankfurt gefunden“

Bevor geheiratet werden kann, müssen Paare so manche Hürde nehmen. Aber, im Namen der Liebe ist kein Opfer zu groß.

Ralf Bräuer
Ralf Bräuer
Wenn man in die Kirche eintreten will, um sich anschließend kirchlich trauen zu lassen, dann muss man „die Missionare“ aufsuchen.
Aber die sind offenbar in Frankfurt ganz schlecht zu finden. Neulich kam ein Mann zu mir in die Eintrittsstelle, um wieder Mitglied
der evangelischen Kirche zu werden. Grund: „Meine Frau und ich wollen heiraten“. Und weil er in Norddeutschland getraut werde,
habe ihm der dort ansässige Pfarrer gesagt, er brauche dafür noch „Die Missionare“. Im Internet habe er schon geforscht, aber in Frankfurt
„keine Missionare der evangelischen Kirche gefunden“. Ob ich ihm vielleicht die Adresse geben könne.

Wer von Ihnen in einer  Kirchengemeinde arbeitet, weiß natürlich, dass dies ein wunderbarer, weil lustiger Verhörer ist. Er meinte ein „Dimissioriale“, alsodie Erlaubnis seines Pfarramtes in Frankfurt, dass die kirchliche Trauung woanders gemacht werden darf. Also, ich erkläre, was es mit diesem Schein auf sich hat und wo er diesen bekommt, nämlich in seiner Kirchengemeinde. „Ach so“, sagte der Mann erleichtert und musste über sich selbst schmunzeln. Er mache das alles ja sowieso nur, weil seine Frau das so wolle. Und er hatte schon gedacht, er müsse sich von einem kirchlichen Gremium missionieren lassen, um getraut werden zu können. Das wiederum fand ich keinen so abwegigen Gedanken. Dann habe ich ihm die Adresse seiner „Missionarin“ gegeben, nämlich seiner Gemeindepfarrerin,die ihm das Dimissoriale ausstellt.