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"Schluss mit „Mahlzeit!“

Wenn man in der Mittagszeit sein Büro verlässt, schallt einem von allen Seiten ein freundliches „Mahlzeit!“

entgegen. Ich bin für eine grundlegende Reform des Mittagsgrußes.

Ralf Bräuer
Ralf Bräuer

Zwischen halb zwölf und halb zwei wird man im Dominikanerkloster mit „Mahlzeit!“ gegrüßt. Auch wenn man wie ich gar kein Mittagesser ist oder nachweislich zum nächsten Termin hastet. Ich weiß, es gibt wichtigere Dinge im Leben, als sich über das „Mahlzeit!“ Gedanken zu  machen, aber ich finde es irgendwie merkwürdig. Die Deutsche Knigge-Gesellschaft hält diesen Gruß übrigens auch für völlig unangebracht. Und es gibt sogar Firmen, die ihre Mitarbeitenden in den Leitlinien darauf hinweisen, von „Mahlzeit!“ abzusehen. Aber irgendwoher muss es ja kommen. Nun die Geschichte dieses Wortes geht so: Gaaanz früher hat man bei Tisch noch richtig gebetet, dann ist daraus die erste  Schrumpfform „Gesegnete Mahlzeit!“ und schließlich die bis heute tradierte Kurzform „Mahlzeit!“ geworden.

Da wir hier bei der Kirche arbeiten, plädiere ich für folgendes: Erstens den Mittagsgruß „Mahlzeit“ streichen. Wer es nicht lassen kann, sollte wenigstens auf der Toilette darauf verzichten. Stattdessen zweitens in der Kantine - wie es sich für Kirchens ziemt - „Gesegnete Mahlzeit!“ wünschen oder sogar ein Tischgebet sprechen. Und drittens würde ich auf dem Flur als Gruß zum Beispiel „Eine schöne Mittagszeit“  bevorzugen. Aber am Wichtigsten ist und bleibt, dass man sich überhaupt grüßt.


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Ralf Bräuer 29 Artikel

Ralf Bräuer ist Leiter der Redaktion von "Evangelisches Frankfurt und Offenbach" und der Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche in Frankfurt und Offenbach