Ethik & Werte

Armut muss im Frieden bekämpft werden

Die Energiepreise steigen, Essen wird teurer: Als Gesellschaft müssen wir soziale Härten abfedern – und zwar nicht erst in Kriegszeiten.

Vor allem Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs sind wegen Krieg und Embargo teurer geworden. | Foto: AdobeStock/Minerva Studio.jpeg
Vor allem Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs sind wegen Krieg und Embargo teurer geworden. | Foto: AdobeStock/Minerva Studio.jpeg

Der Gang zum Briefkasten ist eigentlich Routine, doch in den vergangenen Wochen führte er für viele Menschen in eine echte Sorgenspirale. Ja, man kann vor einer Stromrechnung Angst haben! Nämlich dann, wenn die Preise für Energie wie derzeit in ungekannte Hohen steigen. Manche mögen es kaum bemerkt haben, andere müssen lediglich seufzend ihre monatliche Sparquote heruntersetzen. Aber viele Familien sind in ihrer Existenz bedroht.

Der furchtbare Krieg in der Ukraine hat mit seinen wirtschaftlichen Folgen erneut offengelegt, was Kirchen und soziale Organisationen seit vielen Jahren kritisieren: Die soziale Schere in Deutschland öffnet sich immer weiter. Diese soziale Ungleichheit ist ein großes gesellschaftliches Problem. Schon die Corona-Pandemie hat dazu beigetragen, dass ungerechte Strukturen noch weiter verstärkt worden sind. Jetzt wirken der Krieg und die Wirtschaftssanktionen gegen Russland nochmal wie ein Brandbeschleuniger.

Expert:innen rechnen mit einer Teuerungsrate von mehr als fünf Prozent allein in diesem Jahr. Benzin, Strom, Heizkosten, aber auch Lebensmittel und viele andere Güter werden immer teurer. Das gilt besonders bei den Grundnahrungsmitteln, bei Brot, Mehl, Nudeln, Obst und Gemüse. Also ausgerechnet bei den Dingen, die gerade Familien mit Kindern für eine ausgewogene Ernährung brauchen. Löhne und Sozialleistungen halten mit der Verteuerung nicht Schritt. Wer am Existenzminimum lebt, wird jetzt von Tag zu Tag unruhiger. Und das sollte uns alle alarmieren.

Ganz klar: Putins Krieg macht die Armen noch ärmer, und zwar überall in Europa. Was können wir dagegen tun? Die Bundesregierung muss die sozialen Folgen finanziell abfedern, am besten mit deutlich höheren Zuschüssen für Energie, als bislang geplant. Die eigentliche Frage aber lautet: Hätten wir etwas dagegen tun können? Ja, das hätten wir!

Jetzt bekommen wir die Quittung dafür, dass soziale Belange in Friedenszeiten nicht genügend im Blick waren. Soziale Ungleichheit gefährdet die Demokratie, denn sie fördert rechtsextreme Tendenzen und macht Gesellschaften verwundbar. Auch die Kirchen hätten noch vehementer Gerechtigkeit einfordern müssen. Sie hatten sich starker für Ideen, wie das bedingungslose Grundeinkommen einsetzen sollen.

Denn wer im Frieden gegen die Armut kämpft und eine menschenwürdige Gesellschaft für alle etabliert, schafft auch bessere Bedingungen für härtere Zeiten. Niemand weiß, wie lange der erbarmungslose Krieg mitten in Europa noch dauern, wie viele Menschenleben er fordern, wie viele Familien er in die Flucht treiben wird. Wir brauchen einander, dafür müssen wir in Friedenszeiten vorsorgen. Auch, wenn wir es da leider ganz gerne vergessen.


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Anne Lemhöfer 110 Artikel

Anne Lemhöfer interessiert sich als Journalistin und Autorin vor allem für die Themen Kultur, Freizeit und Gesellschaft: www.annelemhoefer.de

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