Ethik & Werte

Die Lehre aus dem Ukraine-Krieg: Schluss mit dem moralischen Schlendrian!

Krisenzeiten machen uns moralisch. Wir fragen: Was ist gut und was ist böse?

Ralf Bräuer ist Leiter der Redaktion des EFO-Magazins. | Foto: Tamara Jung-König
Ralf Bräuer ist Leiter der Redaktion des EFO-Magazins. | Foto: Tamara Jung-König

Nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine ist klar: Putin ist böse! Wer die kriegerischen Handlungen Russlands nicht verurteilt, wird von uns als böse verurteilt, wie der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill oder auch Altbundeskanzler Gerhard Schröder.

Um die Bösen in die Knie zu zwingen, greifen wir zu Sanktionen: kein Erdgas, kein Öl mehr aus Russland. Die Politik versucht nun verzweifelt, die Energie-Löcher zu stopfen und „gutes“ Gas statt „böses“ Gas einzukaufen. Aber die Frage sei gestattet: Warum eigentlich erst jetzt? Es wird doch niemand behaupten, dass Putin seinen Schurkenstaat über Nacht errichtet hat. Er ist schon seit 1999 in politischer Verantwortung!

Nach biblischer Überlieferung ist der Mensch in der Lage, zwischen gut und böse zu unterscheiden, seit Adam und Eva die verbotene Frucht gekostet haben (1. Buch Mose, 3). Deshalb stehen wir in der Verantwortung vor Gott, uns für das Gute einzusetzen. Diese Aufgabe beschränkt sich nicht nur auf Kriegszeiten, sondern gehört zum täglichen Kerngeschäft. Deshalb plädiere ich für ein Ende des moralischen Schlendrians, nicht nur in der Politik, sondern bei uns allen. Man muss es doch gar nicht so weit kommen lassen!

Es muss Schluss sein mit der Maxime „Gut ist, was nützlich ist“, nach der wir bisher gelebt haben. Weil wir es halt gern billig und bequem haben. Wir kauften das Gas bei Herrn Putin, weil der uns einen guten Preis gemacht hat, und machen uns lieber nicht so viele Gedanken um Energiesparen und Energiewende. Solange das Unrecht nicht zum Himmel schrie, haben wir auch mal ein Auge zugedrückt, wenn auf dem Schild des T-Shirts „Made in Bangladesh“ steht. Obwohl wir doch wissen, da haben Kinder zu Hungerlöhnen dran gearbeitet.

Aber es gibt eine gute Nachricht zum Schluss: Wir können es anders machen. Und zwar ab sofort. Wir müssen nicht warten, bis zum Beispiel ein Krieg uns zwingt, uns für das Gute zu entscheiden und gegen Böses vorzugehen. Das wäre ein wichtiger Beitrag zum Frieden in der Welt.


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Ralf Bräuer 38 Artikel

Ralf Bräuer ist Leiter der Redaktion von "Evangelisches Frankfurt und Offenbach" und der Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche in Frankfurt und Offenbach

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