Ethik & Werte

Fußball-WM mitten im Advent? Finden nicht alle gut.

Bald beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar – und sie fällt mitten in die Adventszeit. Das finden viele nur so mittelgut, und selbst der fußballbegeisterte Frankfurter Stadionpfarrer Eugen Eckert will eher nicht zuschauen.

Eugen Eckert ist Stadionpfarrer in Frankfurt und damit schon von Berufs wegen Fußballfan. | Foto: Rui Camilo
Eugen Eckert ist Stadionpfarrer in Frankfurt und damit schon von Berufs wegen Fußballfan. | Foto: Rui Camilo

Als 2015 der Beschluss gefasst wurde, die Fußball-WM vom Sommer in den Winter zu verlegen, nahm sich der Frankfurter Stadionpfarrer Eugen Eckert vor, kein WM-Spiel anzuschauen, obgleich er nicht nur berufsbedingt Fußballfan ist. „Der Anpfiff zur WM ist der Ewigkeitssonntag, im Volksmund Totensonntag genannt, ein stiller Tag. Da gucke ich sowieso kein Fußball.“ Und dann beginne für ihn der Advent. „Da gehe ich in Konzerte oder gebe Konzerte und backe Plätzchen und genieße die Adventsstimmung. Also ich lass mir vom Fußball mein Leben nicht bestimmen.“

Aber natürlich geht es Eugen Eckert in der Auseinandersetzung mit der WM auch um den Austragungsort. Er ist Mitautor einer Broschüre der Evangelischen Kirche in Deutschland, die zum Thema Argumentationshilfen und Anregungen für die Gottesdienste an den vier Adventssonntagen bietet. Sportliche Großereignisse sind auch oft für Kirchengemeinden Anlass für eigene Events. Die Verbindung von Kirche und Sport ist vielfältig.

Aber diesmal drängen sich weitere Themen auf, sagt Eckert: „Wie sieht es denn aus mit den Menschenrechten, und zwar nicht nur in Katar, sondern auch in unseren Bundesligavereinen? Wir fragen nach Lieferketten, wir fragen nach fairem Umgang miteinander, wir fragen nach dem Schutz von Menschen, die zu einer sexuellen Minderheit gehören und die diskriminiert werden.“

In der Broschüre wird auch beschrieben, dass sich in Katar in den vergangenen Jahren bereits einiges verbessert hat. Die Leibeigenschaft von Menschen ist abgeschafft worden. „Das sehen wir“, sagt Eckert, auch wenn es eine große Skepsis gibt, ob dies von Dauer ist. „Wir treten auch nicht als Spielverderber auf oder empfehlen, die WM grundsätzlich zu boykottieren. Das ist eine Frage, die jeder einzelne, jede einzelne für sich beantworten muss.“ Wichtig ist Eckert, den Blick auch auf die Europameisterschaft 2024 in Deutschland zu richten. „Da müssen wir die gleiche Folie anlegen.“

Ob er seinen persönlichen Vorsatz der WM-Abstinenz durchhält? Kirchenpräsident Volker Jung scherzte schon: „Na warte mal, bis die Deutschen nahe am Endspiel sind.“

Die Broschüre „Macht hoch die Tür, die Tooor macht weit“ kann über https://www.ekhn.de/katar runtergeladen werden.


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Autor

Kurt-Helmuth Eimuth ist Mitglied in der Redaktion von "Evangelisches Frankfurt und Offenbach". Mehr über den Publizisten und Erziehungswissenschaftler ist auf www.eimuth.de zu erfahren.

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