Ethik & Werte

Organspende: Man kann aus guten ethischen Gründen dafür sein – aber auch dagegen

Gibt es eine moralische Verpflichtung, in die Verwendung der eigenen Organe nach dem Tod einzuwilligen, um anderen zu helfen? Nein, meint Kurt-Helmuth Eimuth. Obwohl er selbst einen Organspendeausweis hat.

Kurt-Helmuth Eimuth ist Redakteur von Evangelisches Frankfurt.  |  Foto: Tamara Jung
Kurt-Helmuth Eimuth ist Redakteur von Evangelisches Frankfurt. | Foto: Tamara Jung

Meinen Organspende-Ausweis trage ich schon seit Jahrzehnten im Portemonnaie bei mir. Wenn schon der Tod anklopft, sollen doch wenigstens andere profitieren, das ist doch auch Christenpflicht. Meine Frau als Theologin sieht es anders. Nach langer Beschäftigung mit dem Thema hat sie für sich entschieden, keine Organspende zu leisten.

Unsere beiden Positionen könnten unterschiedlicher nicht sein, und doch sind beide ethisch begründbar. Zu diesem Ergebnis kommt auch der Arbeitskreis Medizinethik in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau: „Christen können grundsätzlich einer Organspende zustimmen oder diese ablehnen“, schreibt er in einer Stellungnahme, „eine christliche Verpflichtung zur Organspende besteht nicht“.

Wenn Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm nicht mehr arbeiten, gilt der Mensch laut Transplantationsgesetz als gestorben, auch wenn der Körper mit Hilfe von Apparaten noch funktioniert: Das Herz schlägt, die Organe werden versorgt. Von außen sieht es aus, als ob man schläft. Ob man einen Menschen in diesem Fall als lebend ohne Hirnfunktion betrachtet oder als tot, ist Ansichtssache. Auch der Deutsche Ethikrat hat darüber kontrovers abgestimmt: 7 von 25 Mitgliedern sprachen sich dagegen aus, den Hirntod als sicheres Zeichen für den Tod des Menschen zu verstehen.

Unstrittig ist, dass Sterben ein Prozess ist, der erst dann ganz beendet ist, wenn sowohl Hirn als auch Organe nicht mehr arbeiten. Eine Widerspruchslösung, wie sie die Regierung derzeit plant, ist deshalb fragwürdig. Denn dann könnten Organe von allen entnommen werden, bei denen der Hirntod festgestellt wurde, außer sie hätten ausdrücklich widersprochen. Pragmatisch ist das zwar nachvollziehbar, ethisch aber bedenklich.

Denn es kommt eben auf das Menschenbild an. Beim Sterben gibt es nicht die eine Wahrheit. Sowohl die Bereitschaft, Organe zu spenden, als auch die Ablehnung von Organspenden müssen als ethisch vertretbar anerkannt werden. Wir werden das in der Familie jedenfalls so halten und die jeweilige Position im Fall des Falles respektieren.


Autor

Kurt-Helmuth Eimuth ist Mitglied in der Redaktion von "Evangelisches Frankfurt und Offenbach". Mehr über den Publizisten und Erziehungswissenschaftler ist auf www.eimuth.de zu erfahren.

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