Ethik & Werte

Schwein, Rind und Huhn auf dem Speiseplan? Das muss drastisch reduziert werden.

Der Deutsche Ethikrat fordert, die gegenwärtige Praxis der Massentierhaltung zu beenden. Christinnen und Christen sollten diese Initiative aktiv unterstützen, meint unsere Redakteurin Angela Wolf.

Foto: Kyle Mackie / unsplash.com
Foto: Kyle Mackie / unsplash.com

Kennen Sie diese klebrigen Spiralen zum Fliegenfangen? Der Duft der Klebemasse lockt die Insekten an, sie verfangen sich und verenden elendig. Haben wir ein Recht, Tiere so qualvoll zu töten?

Einerseits hegen und pflegen wir unsere Haustiere. Statten den Hund mit Jäckchen aus. Richten der Katze eine tolle Höhle ein. Andererseits halten wir Nutztiere mies und ohne Rücksicht auf artgerechtes Leben.

In der Agrarwirtschaft werden Schwein, Rind und Co. nur als Güter betrachtet, die Profit bringen sollen. Die Politik räumt dem Tierwohl ebenfalls keine Priorität ein. Der Sau ein Sulbad gönnen, dem Huhn Freilauf, dem Rind die Hörner lassen? Dazu gibt es höchstens Lippenbekenntnisse.

Auch die Bio-Landwirtschaft erfüllt solche Standards in der Regel nicht. „Ich kenne kein einziges Rechtsgebiet, in dem so heuchlerisch vorgegangen wird wie im Tierschutzrecht“, brachte es kürzlich ein Sprecher des Deutschen Ethikrats auf den Punkt.

Warum lassen wir das zu? Albert Schweitzer, Mediziner, evangelischer Theologe und Philosoph, bemerkte schon vor hundert Jahren, dass die „Kreatur wehrlos der menschlichen Willkür ausgesetzt ist.“ Mit seiner Maxime der „Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben“ stellte er fest, dass wir Menschen Verantwortung tragen gegenüber allem, was lebt.

Der Deutsche Ethikrat hat jetzt konkrete Vorschläge gemacht, wie die gegenwärtige Praxis der Massentierhaltung beendet werden kann. Christinnen und Christen sollten diese Initiative aktiv unterstützen. Wir brauchen eine ehrliche Debatte darüber, wie wir ethisch und moralisch mit dem Tierwohl umgehen sollen.

Dabei ist klar: Ohne den Konsum tierischer Produkte zu reduzieren, wird es nicht gehen. Wenn Fleisch, dann nur noch vom guten Metzger. Es braucht einen gesetzlichen Rahmen, verbindlich und ohne Schlupflöcher, vielleicht sogar Regeln für den Konsum.

Für Bauern und Landwirte ist das starker Tobak, keine Frage. Aber eine Agrarwirtschaft, die den Ansprüchen einer humanistischen und christlichen Ethik genügen will, wird um ein gründliches Facelift nicht herumkommen.


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Angela Wolf 59 Artikel

Angela Wolf ist Mitglied der Redaktion von Evangelisches Frankfurt und Offenbach. Sie wurde 1978 in Aschaffenburg geboren. Heute lebt sie in Frankfurt am Main, wo sie Soziologie, Politikwissenschaften und Psychoanalyse studierte. Hauptberuflich ist als Referentin bei der LAG Soziale Brennpunkte Hessen e.V. unterwegs. Freiberuflich schreibt sie außerdem noch für ZEIT Online.

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