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Matthäuskirche: Der Kirchturm bleibt – drumherum entsteht ein Bau mit stadtweiter Ausstrahlung

Zwischen Hauptbahnhof und Messegelände soll eine „Neue Matthäuskirche“ gebaut werden.

Bauabteilungsleiterin Friederike Rahn-Steinacker erläutert die Pläne für die Neue Matthäuskirche. | Foto: Rolf Oeser
Bauabteilungsleiterin Friederike Rahn-Steinacker erläutert die Pläne für die Neue Matthäuskirche. | Foto: Rolf Oeser

Im Rahmen einer Gemeindeversammlung haben gestern Abend Vertreterinnen und Vertreter des Kirchenvorstandes der Hoffnungsgemeinde und Stadtdekan Achim Knecht sowie die Leiterin der Bauabteilung des Evangelischen Regionalverbandes Friederike Rahn-Steinacker das Konzept für eine „Neue Matthäuskirche“ vorgestellt. Entstehen soll ein kirchlicher Standort, der dank flexibler Raumkonzepte sowohl für Gruppen von 20 als auch für 300 Personen einen passenden Veranstaltungsrahmen bietet. Der Turm der Matthäuskirche mit seinem goldenen Kreuz obenauf, weithin sichtbares Zeichen zwischen Messe und Hauptbahnhof, soll erhalten bleiben. Vorgesehen sei eine „Kirche und kein Gemeindehaus“, so der Stadtdekan, der zugleich auch Vorsitzender des Vorstandes des Evangelischen Regionalverbandes ist, der für die baulichen Veränderungen zuständig ist. Gemeindepfarrerin Jutta Jekel nannte das Konzept eine Chance, für zukünftige Generationen zu bauen. Sie sprach bei der Versammlung im Gemeindehaus an der Hafenstraße von einer „tollen Herausforderung“ und lobte den „sehr wertschätzenden Umgang“ bei der Entwicklung der Pläne für die Umgestaltung des Matthäusareals in den vergangenen Monaten.

 

Die lila gefärbten Flächen zeigen, welches Volumen der Bau der Neuen Matthäuskirche haben kann. Wie die Kirche dann aussehen wird - dazu wird der Evangelische Regionalverband einen Architektenwettbewerb ausschreiben.
Die lila gefärbten Flächen zeigen, welches Volumen der Bau der Neuen Matthäuskirche haben kann. Wie die Kirche dann aussehen wird - dazu wird der Evangelische Regionalverband einen Architektenwettbewerb ausschreiben.

Entwickeln des Areals neben dem alten Polizeipräsidium

Im Zuge der Entwicklung des Gesamtareals rund um das alte Polizeipräsidium will auch die evangelische Kirche in Frankfurt das Grundstück der Matthäuskirche weiterentwickeln. Gedacht ist an ein Gebäude, das Kirche in der Großstadt repräsentiert. Die Neue Matthäuskirche soll um den Turm der alten Kirche herum gebaut werden, der verbleibende Teil des Geländes soll an einen Investor verkauft werden. Es ist beabsichtigt, mit den Einnahmen das Kirchengebäude zu finanzieren und baulich zu unterhalten. Das Areal umfasst 3.100 Quadratmeter, für die Neue Matthäuskirche ist eine Grundfläche von 450 Quadratmetern vorgesehen. Bauabteilungsleiterin Rahn-Steinacker wies darauf hin, dass erst nach dem Verkauf ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben werden könne, anschließend sei ein etwa anderthalb Jahre währender Planungsprozess zu erwarten, sodass frühestens in drei Jahren mit dem Neubau zu rechnen sei.

Früher war das fragliche Areal mit Pfarr- und Gemeindehaus, Kindertagesstätte und Kirche belegt, wie Horst Michaelis, Mitglied des Kirchenvorstandes, erläuterte. Heute ist nur noch die Kirche in Benutzung. Verwendet werde das zwischen Messe, Europaviertel, Hauptbahnhof und Westend gelegene Gebäude aktuell für Gottesdienste, als ökumenisches Zentrum für verschiedene Gastgemeinden sowie als Veranstaltungsort für Foren und andere Veranstaltungen mit politischen, künstlerischem und sozialem Charakter. Zudem übten Schülerinnen und Schüler der Frankfurter Bläserschule hier.

„Der Turm der Matthäuskirche mit dem goldenen Kreuz in der Hochhauslandschaft von Frankfurt ist zu einem Symbol für Kirche in der modernen Gesellschaft geworden, für die kritische Kraft des Evangeliums gegenüber den Kräften, die sonst in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik bestimmend sind“, sagte Stadtdekan Achim Knecht. Er setze sich dafür ein, eine Neue Matthäuskirche zu entwickeln, die sowohl die zurückgehenden Mitgliedszahlen berücksichtigt, aber auch die geänderten Interessen der Menschen, die die Kirche besuchen und nutzen. Geplant sei, das Thema in die Stadtsynode am 12. September einzubringen. Danach könne in konkrete Verhandlungen mit Kaufinteressenten getreten werden.

 

Eine Chance – auch mit Blick auf jüngere Generationen

Der emeritierte Theologieprofessor Wolfgang Nethöfel, der sich in der Hoffnungsgemeinde engagiert und in den vergangenen Jahren in der Matthäuskirche an der Friedrich-Ebert-Anlage Veranstaltungsreihen mit gesellschaftspolitischem oder auch kulturellem Bezug aufgelegt hat, sprach sich bei der Gemeindeversammlung für die das Projekt Neue Matthäuskirche aus. Zum einen könne der Bau Hauptgottesdienstort der Gemeinde sein, zum anderen könnten hier neue Formen des Planens, der Kooperation und der Bürgerbeteiligung entwickelt werden. Nethöfel nannte die Pläne eine „Riesenchance, kirchliche Zukunft zu gestalten“. In Einklang mit Stadtdekan Knecht geht er davon aus, dass hier ein Ort entsteht, der Ausstrahlung besitzt für die gesamte evangelische Kirche in Frankfurt am Main.

Die bauliche Zukunft der Matthäuskirche ist seit mehr als 15 Jahren in der Diskussion. Zum Teil wurden die Diskussionen zwischen Evangelischem Regionalverband und Gemeinde hitzig geführt. Einzelne Stimmen erinnerten auch bei der Gemeindeversammlung daran. In mehreren Fällen wurde das jedoch mit der Äußerung verbunden, dass das neue Konzept etwas anderes bedeute als frühere Pläne. Gemeindepfarrerin Jutta Jekel, die seit acht Jahren in der Gemeinde tätig ist, meinte, ihr sei in ihren Anfangszeiten von Kränkungen berichtet worden, heute erlebe sie ein „Heilen der Wunden und wertschätzenden Umgang“. Gisela Brackert, Kirchenvorstandsmitglied und seit neun Jahren in der Nachbarschaft ansässig, erhielt Beifall von den Anwesenden der Versammlung für ihre Äußerung: „Ist nicht Wandel auch immer eine Aufgabe der Kirche gewesen?“

 


Autorin

Bettina Behler 220 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach

1 Kommentar

15. August 2018 21:00 Karl Weg

Ein erbärmliches Vorhaben, nur noch einen Torso der Kirche stehen zu lassen und den Rest an ein Investor zu verkaufen. Ich hoffe das die Bürger und Initiativen in Frankfurt (Freunde Frankfurt, Ortsverband Stadtbild Frankfurt) den Abriss verhindern.

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