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Bewegung und Begegnung für Über-80-Jährige

Im Seniorenzentrum Biazza in der Frankfurter Nordweststadt treffen sich Menschen über Achtzig einmal pro Woche zur Gymnastik.

Beweglich bleiben - dafür kann man in jedem Alter etwas tun. | Foto: Anne Lemhöfer
Beweglich bleiben - dafür kann man in jedem Alter etwas tun. | Foto: Anne Lemhöfer

„Ein kleiner Matrose umsegelte die Welt. Er liebte ein Mädchen, das hatte gar kein Geld. Das Mädchen musste sterben, und wer war schuld daran? Ein kleiner Matrose in seinem Liebeswahn…“ Zwölf Frauen sitzen in einem Stuhlkreis, sie alle scheinen das Lied zu kennen. Pantomimisch und mit viel Gestik stellen sie die Dramatik der sehr kompakt erzählten Liebestragödie dar, das alles passiert im Sitzen. Auch Sandra Erb macht mit. Sie leitet den Gymnastikkurs für ältere Menschen jenseits der 80, „Hochaltrige“ genannt.

„Wir laufen zur Musik, machen Sitztänze, Fingerübungen und auch Bewegungen aus dem Qigong“, erzählt sie. „Auch so etwas wie das bekannte Ein-Hut-ein-Stock-ein-Regenschirm integriere ich, im Sommer können wir das auch draußen machen.“ Das Angebot ist im Herbst 2019 angelaufen und gehört zu den beliebtesten im Begegnungszentrum Biazza in der Nordweststadt, das die Diakonie betreibt.

Überwiegend seien es Frauen, die montags von 14.30 bis 15.30 Uhr vorbeikommen, sagt Sandra Erb. „Es gibt immer mehr hochaltrige Menschen, und viele sind alleinstehend. Neben der Bewegung geht es auch darum, Kontakte in der Nachbarschaft zu knüpfen, und nach dem Kurs vielleicht gemeinsam einen Kaffee zu trinken.“ Dafür gibt es im Tituscorso mitten im Nordwestzentrum reichlich Möglichkeiten.

Das Biazza befindet sich mitten im Leben. Eine der regelmäßigen Besucherinnen ist Ernestine Leidinger. Sie ist 83 Jahre alt und bewegt sich gerne. „Seit 60 Jahren bin ich aktives Mitglied in meinem Ginnheimer Turnverein“, sagt die 83-Jährige aus Heddernheim. Zwar leide sie unter Bluthochdruck, „aber dazu will ich mir keine Vorträge anhören, lieber mache ich Gymnastik oder fahre Fahrrad.“

Um die Gymnastik für Hochaltrige anzubieten, hat Sandra Erb bei AGIL teilgenommen, einem gemeinsamen Projekt der Bildungsakademie des Landessportbundes Hessen und der Diakonie. Es wird vom Hessischen Sozialministerium und den Pflegekassen in Hessen finanziert. Neben dem Erlernen von Maßnahmen zur Kurzaktivierung für Körper und Geist liegt ein weiterer Schwerpunkt in der Region Offenbach auf dem Thema der Interkulturalität und Kultursensibilität. Dem zunehmenden Anteil an älteren Migrantinnen und Migranten wird auf diese Weise ebenfalls Rechnung getragen.

Im Biazza können Seniorinnen und Senioren sich treffen, sie kochen gemeinsam oder verabreden sich auch mal zum Kino. Denn der Weg nach Hause mit vollbepackten Einkaufstaschen, die frisch gewaschene Wäsche aufhängen, der Weg zum Arzt – viele Dinge werden einfach schwieriger, wenn man alt wird. Was früher mit Leichtigkeit ging, fällt oft schwer. Biazza-NordWest, Titiscorso 2B, möchte Menschen aus der Nachbarschaft und aus ganz Frankfurt dabei unterstützen, eigene Gewohnheiten und Aktivitäten so lange wie möglich wahrzunehmen.

Weitere Infos bekommen Interessierte telefonisch unter 069 2475149-6920 oder per Mail bei Sandra Erb: sandra.erb@diakonie-frankfurt-offenbach.de.

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Anne Lemhöfer interessiert sich als Journalistin und Autorin vor allem für die Themen Kultur, Freizeit und Gesellschaft: www.annelemhoefer.de

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