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Christlich-muslimischer Austausch in Hausen und Rödelheim

Nicht überall ist CIA die Abkürzung für den amerikanischen Geheimdienst. In Hausen und Rödelheim steht das Kürzel für den "Christlich-Islamischen Arbeitskreis". Dabei gibt es nicht nur regelmäßigen Austausch zwischen offiziellen Vertreterinnen und Vertretern von Gemeinden, sondern auch Besuche, die allen Interessierten offenstehen, so wie kürzlich im „Zentrum der Islamischen Kultur“.

Besuch im "Zentrum der Islamischen Kultur" in Rödelheim. Vorne Pfarrer Holger Wilhelm von der Kirchengemeinde Hausen. | Foto: Doris Stickler
Besuch im "Zentrum der Islamischen Kultur" in Rödelheim. Vorne Pfarrer Holger Wilhelm von der Kirchengemeinde Hausen. | Foto: Doris Stickler

Es gibt Dinge auf Erden, bei denen selbst Gott oder Allah nicht weiterhelfen können. Wie zum Beispiel bei der deutschen Brandschutzordnung. Vor einigen Jahren musste die evangelische Gemeinde Frankfurt-Hausen den Jugendkeller schließen, weil die Fenster plötzlich nicht mehr als Fluchtweg akzeptabel waren. Jetzt schlägt sich auch das „Zentrum der Islamischen Kultur“ mit Brandschutzauflagen herum: Seit 2015 nutzt der Verein sein neues Domizil in Rödelheim, aber der hallenartige Moscheeraum sowie ein Unterrichtsraum sind wegen der Brandschutzvorgaben immer noch nicht in Betrieb.

Imam Hassan Mokhber hat die Zuversicht noch nicht verloren und hofft, dass in dieser Sache bald die letzten Hürden überwunden sind. Nach einem Besuch, den der Christlich-Islamische Arbeitskreis (CIA) zum besseren Kennenlernen organisierte, dürften ihm jetzt etliche Leute die Daumen drücken. Als er bei der Führung durch das Kulturzentrum von den Widrigkeiten berichtete, erntete er vor allem von den Hausener Protestantinnen und Protestanten große Anteilnahme. Geteiltes Leid bringt Menschen eben einander näher.

Natürlich wurde sich nicht nur über Brandschutzprobleme ausgetauscht. Die mehr als 40 Gäste aus den evangelischen Gemeinden Hausen, Rödelheim und Praunheim sowie der katholischen Gemeinde Sankt Marien haben an dem Nachmittag umfassenden Einblick in die Aktivitäten und Denkweisen des schiitischen Kulturzentrums erhalten.

Elfy Müller zum Beispiel fand es „ganz toll, wie freundlich und offen die Leute sind“. Außerdem habe sie „Dinge gelernt, die sie sonst nie erfahren hätte“. Die Übersetzerin weiß jetzt etwa, dass der Verein vor 30 Jahren von Iranern und Iranerinnen gegründet wurde und rund 500 Mitglieder zählt. Und dass es hier neben Gebeten und religiösen Feiern auch Bildung und soziales Engagement gibt.

Das Kulturzentrum unterhält mehrere Kinder und Jugendgruppen. Auf den Zuzug von Flüchtlingen reagierte es mit der Gründung einer arabischen Abteilung, die Beratung und Beistand bietet. Außerdem kooperiert es mit Universitäten und verfügt über eine riesige Bibliothek und hat selbst eine Koranlesehilfe für Kinder sowie das reich illustrierte Buch „Geschichten der Propheten aus dem Quran“ herausgegeben.

Letzteres sei auch für Erwachsene gedacht, erklärt Hassan Mokhber, der mit zwei weiteren Geistlichen das Zentrum leitet. Wie er in der Gesprächsrunde auf Nachfragen versicherte, verstehe man sich als liberal gesinnt. „Wir sind offen für alle Glaubensrichtungen und trennen nicht zwischen Schiiten und Sunniten.“ Zudem erfolge die Finanzierung „nicht wie in türkischen Gemeinden durch Regierungsgelder, sondern durch Mitgliedsbeiträge und Spenden“.

Neben dem Brandschutz sei allerdings auch dies ein Grund für die schleppende Fertigstellung. „Wir können immer nur weiterbauen, wenn genug Geld vorhanden ist.“ Die Eröffnung des geplanten Cafés wird deshalb wohl noch eine Weile dauern. Dem ästhetisch ansprechend gestalteten Moscheeraum fehlen aber inzwischen fast nur noch die Teppiche. Die den umlaufenden Kachelfries zierenden Koranverse sind sowohl in arabischen Schriftzeichen wie deutschen Lettern zu lesen. Denn wenngleich sich im Kulturzentrum viele Nationalitäten versammelten, sei die vorherrschende Sprache Deutsch, erklärt der Imam. Ab und zu gebe es auch Veranstaltungen auf Persisch oder Arabisch, die würden aber immer übersetzt.

Die aufgeschlossene Haltung des Zentrums ist Pfarrer Holger Wilhelm von der Gemeinde Hausen bereits seit mehr als einem Jahrzehnt vertraut. Er ist Mitinitiator des ursprünglich nur in Hausen ansässigen Arbeitskreises, an dem sich das vormals dort verortete Kulturzentrum von Anfang an beteiligt. Bei drei bis vier Treffen offiziell entsandter Gemeindevertreterinnen und –vertreter im Jahr habe sich inzwischen ein „sehr vertrauensvoller Austausch über die Grenzen der Religionen und Kulturen hinweg“ entwickelt, sagt Wilhelm. „Sie sind in unseren Stadtteilen ein wertvolles Instrument des sozialen Friedens.“

Wichtig sind dafür auch die gegenseitigen Besuche. Als Hertha Stenzel die Ankündigung für den Moscheebesuch in der Hausener Gemeindezeitung entdeckte, war sie sofort angetan. Wie die 66-Jährige einräumt sei sie „nicht besonders fromm“, finde es aber „spannend zu erfahren, was andere Religionen denken und tun“. Außerdem gefielen ihr Moscheen, die „wie Kirchen Orte der Stille und Ruhe“ seien. „Ich war schon allein in der Abu Bakr Moschee in Hausen.“ Ins „Zentrum der Islamischen Kultur“ werde sie mit Sicherheit auch wieder gehen.


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Doris Stickler 41 Artikel

Doris Stickler ist freie Journalistin in Frankfurt.

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