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Der Meister des Osterfeuers

Holz kaufen musste Nenad Tasic für das Osterfeuer vor der Jakobskirche noch nie. Auch in diesem Jahr wird es am Abend des Karsamstags wieder auf dem Kirchplatz entzündet.

Hausmeister Nenad Tasic sorgt seit 28 Jahren dafür, dass in Bockenheim das Osterfeuer brennt. | Foto: Rolf Oeser
Hausmeister Nenad Tasic sorgt seit 28 Jahren dafür, dass in Bockenheim das Osterfeuer brennt. | Foto: Rolf Oeser

Seit 28 Jahren arbeitet Nenad Tasic schon als Hausmeister in der Gemeinde Bockenheim. Damals ging sein Sohn dort in den Kindergarten. In all diesen Jahren gab es immer einen abgestorbenen oder kranken Baum im Kirchgarten, der gefällt werden konnte. Zuletzt eine Birke und vor einigen Jahren vier dicke, morsche Kastanienbäume.

„Ein Baum reicht für das Osterfeuer von drei, vier Jahren“, sagt Tasic. Zur Not verfeuert er dabei auch den Weihnachtsbaum, aber das nur ungern, denn das Tannenholz knackt und schlägt Funken. „Das kann gefährlich werden.“

Die zu Holzscheiten verarbeiteten Bäume werden in einem Keller unter der Kirche gelagert. Dort steht auch die über ein Meter Durchmesser große schwere Feuerschale für das Osterfeuer. Am Samstag vor Ostern wuchtet Tasic sie gegen 18 Uhr mit zwei Helfern auf den Platz vor der Kirche, trägt Körbe mit Holzscheiten heraus und schichtet das Feuer auf: die dicksten Hölzer in die Mitte, nach außen immer dünnere, spitz zulaufend wie eine Pyramide. Ihm gefällt diese Aufgabe: „Eine schöne Abwechslung von der üblichen Routine, und die Leute freuen sich.“

Die Osternachtsfeier beginnt abends um halb neun, viele kommen aber schon früher zum Kirchplatz, auch viele Familien mit Kindern. Ein Kind darf auch das Feuer anzünden, „wenn sich eins traut“, sagt Tasic.

Wenn alle da sind, wird gesungen. Dann entzündet der Kirchenvorstandsvorsitzende die Osterkerze am Osterfeuer, die Gemeinde zieht von hinten in die stockdunkle Kirche ein. „Das ist immer ein sehr feierlicher Moment“, erzählt Tasic. „Sogar die Kinder werden still.“

Die Pfarrerin oder der Pfarrer entzündet dann eine Kerze an der Osterkerze und gibt das Licht weiter – alle haben beim Einzug eine Kerze erhalten. Das Licht der Osterkerze wandert so von Reihe zu Reihe, bis die ganze Kirche mit Kerzenschein erhellt ist.

In vorchristlicher Zeit wurden mit dem Osterfeuer Frühling und Fruchtbarkeit begrüßt und gefeiert. Nach christlichem Verständnis symbolisiert das Osterfeuer, dass Dunkelheit und Finsternis nicht das letzte Wort in unserem Leben haben, weil Christus den Tod überwunden hat.

„Das Osterfeuer und die Osterkerze machen die Bedeutung von Ostern sinnlich erfahrbar“, sagt Pfarrerin Pia Baumann. „Deshalb gefällt mir diese Tradition so gut.“ Im Laufe des meditativen Gottesdienstes wird auch das Osterfenster über dem Altar in der Jakobskirche angestrahlt. Darauf ist zu sehen, wie Christus aus seinem Sarg steigt.

Während des Gottesdienstes hütet und löscht Nenad Tasic das Osterfeuer und kippt ein wenig Asche zur Düngung ins Gebüsch. Dann bereitet er die abschließende Osternachts-Party vor: Gleich wird es im gläsernen Foyer vor dem Kirchraum Sekt und Ostereier geben. Der Ostersonntag in Bockenheim hat begonnen.

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Autorin

Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt und Offenbach".