Frankfurt lokal

„Die Kirche der Zukunft ist feministisch, divers und digital“

Braucht die Kirche noch ein Frauenpfarramt? Im Evangelischen Frauenbegegnungszentrum EVA in Frankfurt lautet die Antwort: „Ja, klar!“

Die Frauenpfarrerinnen Ute Seibert (links) und Anne Daur-Lyrhammer (3. von links) mit dem „EVA“-Team.
Die Frauenpfarrerinnen Ute Seibert (links) und Anne Daur-Lyrhammer (3. von links) mit dem „EVA“-Team.

Das 1950 eingerichtete Frankfurter Frauenpfarramt war die erste Pfarrstelle in Hessen, die mit einer Frau besetzt wurde. Bald könnte mit dieser Institution Schluss sein: Laut Synodenbeschluss der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau soll die heute im Evangelischen Frauenbegegnungszentrum angesiedelte Stelle ab 2025 eingespart werden.

Für Ulrike Seibert und Anne Daur-Lyrhammer, die sich derzeit die Stelle teilen, ist das wenig plausibel. „Es gibt Frauen, die haben schlechte Erfahrungen mit der Kirche gemacht“, sagt Daur-Lyrhammer. „Aber wenn sie ins EVA kommen, möchten manche dann nach Gesprächen mit mir gesegnet werden oder die nahe gelegene Alte Nikolaikirche besuchen.“ Gerade für Frauen, die sich der Kirche vorsichtig wieder annähern, sei es wichtig, mit einer Pfarrerin zu sprechen und nicht mit einer Pädagogin oder Referentin, sagt Daur-Lyrhammer. Auch beim Kontakt mit muslimischen, jüdischen und andersgläubigen Frauen spiele ihr Beruf eine Rolle.

„Für viele Frauen ist das EVA ihre Gemeinde“, bestätigt ihre Kollegin Ute Seibert. Deshalb gibt es auch jeden Monat einen Gottesdienst in der Alten Nikolaikirche am Römerberg. Ute Seibert geht Ende Juni in den Ruhestand, dann ist Daur-Lyrhammer mit ihrer halben Stelle die einzige Pfarrerin im Zentrum. 2019 hat sich das EVA-Team aus Theologinnen, Bildungsreferentinnen und Verwaltungsmitarbeiterinnen einer Organisations- und Diversitätsberatung gebildet und auf dieser Basis ein neues Bildungskonzept entwickelt, das mehr digitale Formen enthält. Demnächst wird ein Relaunch der Webseite online gehen, der soziale Medien stärker einbindet. Die digitalen Gruppen sollen moderiert und jeweils von einer Mitarbeiterin gepflegt werden. Schon in den vergangenen Jahren hat das Zentrum mit Angeboten für Studentinnen, Auszubildende und Berufsanfängerinnen gezielt Formate für jüngere Frauen entwickelt.

Sie treffen sich zum Beispiel im „Café Wolllust“ oder zu feministischen Diskussionsveranstaltungen auf dem „Lila Sofa“. Ein Lesezirkel bringt ältere und jüngere Frauen ins Gespräch, Kochabende oder Sprachkurse sind Angebote für Frauen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen. Die Dependance des EVA am Frankfurter Berg bietet ebenfalls Angebote und Treffs für Frauen aus verschiedenen Herkunftsländern.

Auch lesbischen, queeren und trans Frauen bietet das EVA Raum. „Jede, die sich als Frau definiert, ist hier willkommen“, sagt Daur-Lyrhammer. Im Frühjahr 2023 soll das Thema Frauenpfarrstelle erneut auf der Tagesordnung der Synode stehen. Bis dahin will das EVA zeigen, wie eine zeitgemäße evangelische Bildungsarbeit aussehen kann. „Die Kirche der Zukunft“, so die Pfarrerin, „ist feministisch, divers und digital.“

Webseite: www.eva-frauenzentrum.de


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Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt und Offenbach".

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