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Dreikönigskirche: Das Geheimnis der Turmkapsel ist gelüftet

Im Rahmen der Turmsanierung der Dreikönigskirche am Sachsenhäuser Ufer wurde auch die Turmkugel geöffnet, die das Kreuz trägt. Darin waren bei der Errichtung des 1881 eingeweihten Gotteshauses Gegenstände deponiert worden. Jetzt präsentierte Restauratorin Melanie Kubitza ihre Erkenntnisse.

Restauratorin Melanie Kubitza vom Institut für Stadtgeschichte präsentiert ihre Funde. Mit dabei der scheidende Kämmerer Uwe Becker und Baudezernent Jan Schneider. | Foto: Doris Stickler
Restauratorin Melanie Kubitza vom Institut für Stadtgeschichte präsentiert ihre Funde. Mit dabei der scheidende Kämmerer Uwe Becker und Baudezernent Jan Schneider. | Foto: Doris Stickler

Neben drei Münzen, die vermutlich von Bauarbeitern stammen, kamen ein kleines Fläschchen sowie zwei verschlossene Kassetten ans Licht. Der gelblichen Flüssigkeit im Fläschchen misst Melanie Kubitza, Leiterin der Restaurierungswerkstatt im Institut für Stadtgeschichte, eher wenig Bedeutung bei. Ihrer Einschätzung nach könnte es sich um Mainwasser oder wegen des Standorts Sachsenhausen vielleicht auch um Apfelwein handeln. Da das Fläschchen versiegelt sei und beim Öffnen zerstört würde, versuche man noch, den Inhalt auf anderen Wegen zu analysieren.

Was die beiden Zeitkapseln 140 Jahre lang verwahrten, ist dagegen enträtselt. Wurden dank einer kleinen Ritze bereits bei der Bergung alte Pergamentdokumente und eine Zeitung erspäht, liegt jetzt alles zutage. Gemeinsam mit dem scheidenden Bürgermeister Uwe Becker und Baudezernent Jan Schneider präsentierte Melanie Kubitza unlängst die historischen Zeugnisse in der Dreikönigskirche. Zu ihrer Freude sind die Bauzeichnung der 1340 errichteten und baufällig gewordenen Vorgängerkirche, der Grundriss und der Querschnitt der Dreikönigskirche, das Verzeichnis der amtierenden Stadtoberen und die Listen der Stadtverordnetenversammlung der Jahre 1875 und 1880 gut erhalten.

Nur die Pergamenturkunde vom Abschluss der Bauarbeiten, die in einer verrosteten Eisenkassette steckte, musste die Restauratorin von Schimmel befreien. In Zeitungspapier eingeschlagen, lag zudem eine Liste der beteiligten Handwerker samt Visitenkarten bei. In witterungssichere Kassetten verpackt, kehren die Schriftstücke nach Ende der Sanierung wieder in die Kugel des 81 Meter hohen Turms zurück – ergänzt mit Dokumenten der aktuellen Baumaßnahmen.

Die inzwischen digitalisierten historischen Belege werden bald im Institut für Stadtgeschichte für die Öffentlichkeit einzusehen sein.

Rund 3,2 Millionen Euro hat die Stadt Frankfurt, die im Besitz der historischen Innenstadtkirchen ist, in die Anfang des Jahres begonnene Sanierung der Dreikönigskirche investiert. Nach dem Turm werden auch noch die Fassade und das Dach der Dreikönigskirche renoviert. Voraussichtlich 2023 wird das neugotische Gotteshaus wieder in altem beziehungsweise neuem Glanz erstrahlen.


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Doris Stickler 62 Artikel

Doris Stickler ist freie Journalistin in Frankfurt.

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