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Die Beständige: Marlene Erle ist Woche für Woche eine Anlaufstelle für Bedürftige

Seit 30 Jahren gibt Marlene Erle in der Kirchengemeinde Frankfurt-Griesheim Woche für Woche Lebensmittelgutscheine an bedürftige Menschen aus.

Einmal die Woche findet man Marlene Erle im Gemeindehaus an der Segenskirche in Frankfurt-Griesheim. | Foto: Rolf Oeser
Einmal die Woche findet man Marlene Erle im Gemeindehaus an der Segenskirche in Frankfurt-Griesheim. | Foto: Rolf Oeser

Zum Abschied schenkt sie mir eine Handvoll Schokolade und strahlt. Marlene Erle teilt offensichtlich gerne. Privat, aber auch stellvertretend für ihre Gemeinde. Seit dreißig Jahren gibt die heute 81-Jährige Lebensmittelgutscheine zu je 8 Euro in der Gemeinde Griesheim aus. Jeden Mittwoch von 15.30 Uhr bis 17 Uhr im Gemeindehaus an der Segenskirche, Alte Falterstraße 6.

Wer bedürftig ist, darf das Angebot einmal im Monat in Anspruch nehmen.

Rund 130 Menschen machen davon Gebrauch, sagt Erle: alte Frauen mit geringer Rente, Hartz IV-Empfänger:innen, Arbeitslose, rumänische Männer aus einem nahe gelegenen Wohnheim, gelegentlich auch Wohnungslose. Das Geld für die Gutscheine, gut tausend Euro im Monat, bestreitet die Gemeinde aus Spenden und Rücklagen. „Es ist doch wichtig, dass die Kirche ein freundliches Gesicht hat“, sagt Erle. „Ich freue mich, dass ich das in unserer Gemeinde sein darf.“

Viele der Bedürftigen kennt Erle persönlich. Wer zum ersten Mal erscheint, muss den Frankfurt-Pass vorlegen. „An der Nase herumführen lasse ich mich nicht“, sagt Erle. „Aber wenn es Ende des Monats knapp wird, gebe ich auch schonmal zwei Scheine an eine Person aus.“

Wenn man wenig Geld hat, machen acht Euro im Monat einen Unterschied. „Da kann man vielleicht noch Brot und Käse kaufen, Kartoffeln oder auch Nudeln und Tomaten.“ Gültig sind die Gutscheine im Supermarkt gegenüber der Kirche. „Das hat die Gemeinde vor Jahren einmal ausgehandelt.

Nicht immer geht es beim Ausgeben der Gutscheine nur ums Geld. „Einmal“, erzählt Erle, „kam ein etwa 60-jähriger Mann zu mir. Er wollte sich umbringen, weil seine Frau gestorben war. Er brauchte gar keinen Lebensmittelgutschein, sondern jemanden, der ihm gut zuredet.“

So viel Seelsorge ist für gewöhnlich nicht nötig. Nicht alle möchten gleich ihr Herz ausschütten. Den meisten genügt es, dass da jede Woche verlässlich ein Mensch sitzt, an den man sich wenden kann. Der den Alltag ein wenig erträglicher macht.


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Stephanie von Selchow ist Redakteurin des EFO-Magazins.

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