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Ich kaufe ein E

Die Seckbacher Mariengemeinde muss ihre Orgel sanieren lassen. Was die Finanierung betrifft, so ist die Gemeinde kreativ und vergibt für jede Orgelpfeife eine Patenschaft.

Warum nicht mal Patin für eine Orgelpfeife werden? | Foto: Josh Applegate, Unsplash
Warum nicht mal Patin für eine Orgelpfeife werden? | Foto: Josh Applegate, Unsplash

Wenn Weihnachten näher rückt, fragen wir uns: Was schenken wir all den lieben und wichtigen Menschen in unserem Leben? Und wie schaffen wir es, dass dabei so wenig klimaschädlicher Müll wie möglich entsteht?

Für Musikfreundinnen und -freunde gäbe es da eine Antwort: Schenken Sie doch die Patenschaft für eine Orgelpfeife in der Marienkirche in Frankfurt-Seckbach. Und stellen Sie sich vor, dass bei „Macht hoch die Tür“ im späten Gottesdienst nach der Bescherung das ganz persönliche E von Tante Gertrud erklingt, für das sie soeben eine Urkunde erhalten hat. Und stellen Sie sich auch vor, dass Sie einen Beitrag geleistet haben, um eine traditionsreiche Frankfurter Orgel wieder wunderbar zum Klingen zu bringen.

Die „Königin der Instrumente“ tut schon seit 40 Jahren in der Seckbacher Barockkirche ihren Dienst. Eine Grundreinigung und Neuintonierung der 1396 Orgelpfeifen aus Holz und Eisen ist dringend nötig, aber sehr kostspielig, was auch in anderen Kirchengemeinden ein Problem ist: 40 000 Euro muss die Gemeinde dafür zusammentragen. „Die Orgelbaufirmen haben gut zu tun“, hat Pfarrerin Ute Pietsch bereits Anfang des Jahres in Erfahrung gebracht. Es werde frühestens Ende 2020, eher 2021 losgehen können. Bis dahin sei also Zeit.

Die evangelische Kirche in dem östlichen Frankfurter Stadtteil wird schon mit der dritten Orgel bespielt. Den handschriftlichen Kaufvertrag des ersten Instruments von 1868 bewahrt Ute Pietsch in einem Ordner auf – es ist im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Weil die folgende „Notorgel“ von minderer Qualität war, wurde 1979 die renommierte Orgelbaufirma Karl Schuke aus Berlin beauftragt, eine neue Orgel anzufertigen.

Seckbacher Orgelpfeifen können natürlich auch vor und nach Weihnachten gekauft werden, zur Konfirmation oder Taufe verschenkt oder als besonderes Präsent zum runden Geburtstag. Ganz ohne Anlass Pfeifen in finanzielle Obhut zu nehmen, seien es Octavbass, Principal oder Nachthorn, ist natürlich auch erlaubt.

In einer Übersicht auf der Homepage www.mariengemeinde-frankfurt.de sind die zu vergebenden Pfeifenpatenschaften dargestellt. Dunkelgelb sind die Pfeifen markiert, deren Patenschaft 100 Euro kostet, die hellgelben gibt es für die Hälfte, die dunkelblauen für 20 Euro und die hellblauen für 10. Jeder Pate wird eine schön gestaltete Urkunde und eine Spendenquittung erhalten. In der Kirche wird ein großes Plaket aufgehängt. Dort und im Internet können sich Interessierte (monatlich aktualisiert) informieren, welche Patenschaften bereits vergeben und welche noch frei sind. Wer eine Patenschaft erwerben möchte, kann sich per Mail ans Seckbacher Gemeindebüro (orgel@mariengemeinde-frankfurt.de) wenden. Wer will, kann auch ganz konkret bestimmte Töne auswählen. Zum Beispiel vom Register Spitzflöte 4´ die Töne D und E für jeweils 50 Euro – oder einfach eine Preiskategorie nennen. Es sind ja nicht nur versierte Musikkennerinnen zum Spenden aufgerufen.

Spenden können auf das Konto der evangelischen Mariengemeinde überwiesen werden: DE 69 5005 0201 0000 4054 26. Betreff: Orgel.


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Anne Lemhöfer 54 Artikel

Anne Lemhöfer interessiert sich als Journalistin und Autorin vor allem für die Themen Kultur, Freizeit und Gesellschaft: www.annelemhoefer.de

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