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Jeffrey Myers will das Diakonissenhaus als Ort des Pilgerns und der Spiritualität profilieren

In seinem Ruhestand ist Pfarrer Jeffrey Myers wieder nach Frankfurt zurückgekehrt. Der frühere Stadtkirchenpfarrer an der Alten Nikolaikirche, der zwischenzeitlich in Wiesbaden und Darmstadt im Einsatz war, entwickelt nun Konzepte für das Pilgern in der Stadt und schmiedet Zukunftspläne für das Frankfurter Diakonissenhaus.

Jeffrey Myers will das Pilgern nach Frankfurt holen. |Foto: Doris Stickler
Jeffrey Myers will das Pilgern nach Frankfurt holen. |Foto: Doris Stickler

Das Pfarrerdienstgesetz ließ ihm keine Wahl, voriges Jahr musste Jeffrey Myers aus Altersgründen sein Pfarramt aufgeben. Das bedeutet aber nicht, dass er nun nichts mehr täte. „Ich habe Ideen für den Rest meines Lebens“, stellt der Theologe klar. Einige davon kann er im Auftrag des Evangelischen Vereins für Innere Mission realisieren, der ihn mit einer halben Stelle angestellt hat.

Seit Herbst 2018 kümmert sich Myers um die Konzeption von Pilgerwegen und Pilgerprojekten für die Einrichtungen der Inneren Mission in Hessen, ein Thema, das ihn schon länger interessiert, da er bereits ehrenamtlich im Vorstand des Lutherwegvereins mitarbeitet. Im Februar kam dieses Jahr noch ein Projekt im Frankfurter Diakonissenhaus dazu, dessen Träger ebenfalls die Innere Mission ist. „Ich helfe den Diakonissen, die Felder für die Zukunft zu bestellen“, beschreibt Myers seine Aufgabe.

Das Frankfurter Diakonissenhaus verfügt über ein großzügiges Areal mit unterschiedlichen Räumlichkeiten und einer schönen kleinen Kirche mitten im Holzhausenviertel. Myers will den Ort mit geistlichen Impulsen in der Diakonissenkirche und Einblicken in die Geschichte der Reformation und des Pilgerns profilieren, „als Ort zum Anhalten und Innehalten, zum Segnen wie auch als Pilgerherberge“.

Denn im Diakonissenhaus kann man auch übernachten, ein Angebot, das aber noch wenig bekannt ist. Neben Pilgerandachten und Gottesdiensten in der frisch renovierten Kirche hat Myers dort bereits eine Pilgerecke installiert, in der eine Pilgerwegtafel, Pilgerstempel und Informationsmaterial sowie Sitzgelegenheiten und Erfrischungen warten.

Das parkähnliche Außengelände hat Jeffrey Myers als idealen Ort zum „Minipilgern“ für Menschen mit Gehbehinderungen entdeckt. Gut vorstellen könne er sich hier auch ein Gartenlabyrinth. Das Diakonissenhaus mit seinem großen Saal biete sich für Vorträge, Buchvorstellungen oder Nachmittagsprogramme rund ums Thema Pilgern an. Zumal das besinnliche Unterwegssein, das im Mittelalter als Instrument der Buße fungierte und heute dem Zu-sich-kommen und der Abkehr vom Alltag dient, einen wahren Boom erfahre. Das zeige sich auch beim Pilger-Blog der Inneren Mission, für den Myers regelmäßig schreibt.

Bei der Veranstaltungsplanung will Myers zukünftig verstärkt an aktuelle Ereignisse anknüpfen. Mit Norwegen als Gastland der diesjährigen Buchmesse liege zum Beispiel ein Vortrag über die norwegische Pilgerroute „Olavsweg“ nahe. In Zusammenarbeit mit der Evangelischen Studierendengemeinde will er Angebote der Stille und Meditation machen, die von Studierenden des nahe gelegenen Campus Westend der Goethe-Universität genutzt werden können.

An Ideen mangelt es Jeffrey Myers also nicht, zumal weitere Großereignisse anstehen, an die sich anknüpfen lässt. 2020 feiert das Frankfurter Diakonissenhaus sein 150. Jubiläum, im Jahr darauf findet in Frankfurt der Ökumenischen Kirchentag statt, bei dem Myers das Diakonissenhaus als Anlaufstelle für Veranstaltungen und Mittagsgebete profilieren will. Im selben Jahr steht auch der 500. Jahrestag des Wormser Reichstags an, bei dem sich Martin Luther weigerte, seine Thesen zu widerrufen und die Reichsacht über ihn verhängt wurde. Auf dem Weg von Wittenberg nach Worms (und zurück) kam Luther durch Frankfurt – ein idealer Anlass, erneut das Thema Pilgern, Reformation und Frankfurt historisch zu verbinden.

Zu Myers‘ Aufgaben gehört es schließlich auch, „gemeinsam mit den Schwestern und Mitarbeitenden auf vielfältige Weise die Diakonissenkirche mit Leben und Glauben zu füllen“, wie er sagt. Regelmäßig hält er auf dem Gelände beheimateten Pflegeeinrichtung Nellinistift Andachten und betreut die Bewohnerinnen und Bewohner seelsorglich.


Autorin

Doris Stickler 34 Artikel

Doris Stickler ist freie Journalistin in Frankfurt.

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