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Juwele der Kirchengeschichte, Teil 10: die Marienkirche in Seckbach

Die barocke Marienkirche in Seckbach wurde Anfang des 18. Jahrhunderts erbaut, allerdings im Zweiten Weltkrieg ziemlich zerstört, sodass die heutige Kirche größtenteils ein Wiederaufbau ist. Wir stellen die Kirche hier im Rahmen unsere Serie über historische Frankfurter Dorfkirchen vor.

Die Marienkirche in Seckbach. | Foto: Rolf Oeser
Die Marienkirche in Seckbach. | Foto: Rolf Oeser

Die barocke Marienkirche wurde 1708 bis 1710 von den Seckbacher Lutheranern erbaut. Sie stellte ursprünglich einen Saalbau mit dreiseitigem Chorschluss, hohem Westturm mit Haubenhelm im fränkischen Barock, Spiegeldecke, dreiseitigen Emporen und Chorempore dar.

Nach der fast vollständigen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche wiederaufgebaut und am 1. Advent 1952 neu eingeweiht. Sie erhielt eine Glockenstube und einen neuen Turmhelm an Stelle des früheren Turmes im fränkischen Barock.

Die nunmehr spitz aufragende Turmspitze sollte nach Ansicht des früheren Gemeindepfarrers und späteren Propstes für Frankfurt, Karl Goebels, einen „Fingerzeig zu Gottes Welt“ darstellen.

Bei der umfassenden Innensanierung der Marienkirche 2012/2013 wurden eine neue Heizung eingebaut, Fußboden, Bestuhlung und Beleuchtung erneuert und der Altarraum umgestaltet. Die Empore erhielt eine neue Brüstung. Anstelle des alten Sakristeianbaus entstand ein neuer Anbau, der neben dem Sakristeiraum eine Teeküche, behindertengerechte Sanitäranlagen und einen Technikraum umfasst. Im Außenbereich der Kirche entstand ein rollstuhlgeeigneter Zuweg zum Turmeingang.

Der Darmstädter Architekt Joachim Gottstein, der die Sanierung plante und leitete, entwarf auch den Altar und das Kanzelpult. Schreinermeister Peter Lüchau aus Fechenheim fertigte sie an. Das Altarkreuz aus Kataloxholz schufen 2016 die Frankfurter Künstler Marc Hilgenfeld und Charlotte Gehrig.

Die Taufschale aus gehämmertem Messing wurde 1951 in den Offenbacher Kunstwerkstätten geschaffen. Sie trägt die Inschrift „Niemand kann sie aus meines Vaters Hand reißen“. Die Taufschale ruht auf einem schmiedeeisernen Gestell, das Schmiedemeister Wenz aus Heddernheim 1951 hergestellt hat.

Das zentrale Chorfenster war seit 1951 zugemauert. Die Wand zierte eine überlebensgroße Kreuzigungsgruppe als Sgraffito. Es wurde 2012/2013 abgenommen, um das Chorfenster wieder zu eröffnen. Hauptanliegen der Gemeinde war es, mehr Licht in den Kirchenraum einzulassen und einen neuen farblichen und inhaltlichen Akzent zu setzen.

Für die Gestaltung des Chorfensters ließ sich der Kirchenvorstand vom Wesentlichen des christlichen Glaubens leiten: dass Gott den Weg eines Menschen geht, leidet und stirbt und durch den Tod hindurch Leben gewinnt. Dieses unerklärliche, nicht darstellbare Geschehen zum Ausdruck zu bringen – Licht im Dunkel, Hoffnung im Leid, Leben im Tod – und künstlerisch umzusetzen, war die Bitte an den Künstler Thomas Kuzio. Es sollte kein dogmatisch-starres, sondern ein bewegtes, deutungsoffenes Kunstwerk sein, das den Betrachter zu eigenen Gedanken anregt und ihn die Botschaft selber suchen und entdecken lässt.

Die beiden farbigen Fenster im Kirchenschiff wurden 1951 vom Künstlerehepaar Gerhard Dreher (1924-2008) und Gisela Dreher-Richels (*1924) geschaffen und symbolisieren die beiden Sakramente Abendmahl und Taufe.

Das Sgraffito mit dem Gekreuzigten und Maria und Joseph hängt jetzt gut sichtbar im Turmaufgang der Kirche. Als Sgraffito bezeichnet man ein Wandbild, das durch Aufbringen verschiedenfarbiger Putzschichten entsteht, bei dem die Motive in den frischen Putz gekratzt werden. Das Kunstwerk wurde 1951 von dem Frankfurter Architekten und Bildhauer Gustav Friedrich Scheinpflug (1894-1984) geschaffen.

Im Turm der Marienkirche hängen vier Glocken. Die beiden kleineren Glocken wurden 1951 geweiht, die beiden größeren 1961.

Adresse: Zentgrafenstraße 23, 60389 Frankfurt. Sonntagsgottesdienst: 10 Uhr Abendmahlsgottesdienst

Besichtigung: Interessierte können den Schlüssel für die Kirche im Gemeindebüro, Zentgrafenstraße 23, ausleihen. In der Regel ist das Büro Di, Do und Fr von 11-13 Uhr sowie Mi von 16-19 Uhr geöffnet.

Hier finden Sie alle Artikel unserer Reihe "Juwele der Kirchengeschichte"


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Autorin

Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt und Offenbach".

1 Kommentar

5. Dezember 2018 20:25 Lore Mills aka Hannelore Mills

Ich bedanke mich sehr fuer den aufschlussreichen Artikel ueber die Evangelische Mariengemeinde in Frankfurt Seckbach, meinem Geburtsort. Ich lebe seit 1967 gluecklich in Californien, habe aber vor im Maerz 2019, wahrscheinlich das letzte mal, mit meinen erwachsenen Kindern Seckbach zu besuchen und werde mir den Schluessel im Bureau, zur Besichtigung der Kirche, abholen. Danke sehr fuer den Hinweis! Gruesse, Lore Mills, frueher Hannelore Schmidt

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