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Juwele der Kirchengeschichte, Teil 13: die Dietrich-Bonhoeffer-Kirche in der Nordweststadt

Mit diesem Artikel erweitern wir unsere Reihe über historische Frankfurter Kirchen auf die Gebäude der 1960er Jahre, und beginnen mit der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche in der Nordweststadt. Sie gehört zu einer neuen Generation von Kirchengebäuden, die bewusst andere Akzente setzten und sich vor allem durch viel Beton auszeichneten.

Fast wie eine Kathedrale: der Innenraum der der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche beeindruckt durch klare Formen. | Foto: Rolf Oeser
Fast wie eine Kathedrale: der Innenraum der der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche beeindruckt durch klare Formen. | Foto: Rolf Oeser

Licht: Das ist der erste Eindruck beim Betreten der 1969 eingeweihten Dietrich-Bonhoeffer-Kirche in der Nordweststadt: So wollte es ihr Architekt Werner W. Neumann. Über dem Altar fällt das Licht von oben durch eine Glaskuppel auf unterschiedlich lange Metallstreifen, die in der Sonne leuchten oder sogar funkeln: Die Verbindung zwischen oben und unten ist perfekt. Etwas gedämpfter scheint das Tageslicht durch zahlreiche bunte Glassteine in den vertikalen Legierungsstreifen, die das rotbraune Backsteinmauerwerk des Innenraums durchziehen.

Die Bonhoeffer-Kirche ist ein Beton-Würfel; ihre Außenwände sind durch vertikale, unterschiedliche breite und tiefe Betonelemente gegliedert. Auch Altar, Kanzel und Taufbecken im Innenraum sind aus betonähnlichem Kunststein gefertigt, ebenso wie die sechs Stelen, die hinter dem Altar als würdevolle Kerzenständer fungieren.

Sowohl Beton als auch die quadratische Kubusform waren in den 1960ern im Kirchenbau en vogue. Nach dem Ende des Krieges 1945 sollte eine neue Zeit beginnen, zu der nichts Romantisierendes, Überkommenes mehr passte. Ein nüchterner, sparsamer Stil schien das Gebot der Stunde. Kirchen sollten keine Prestigeobjekte sein, sondern der inneren Sammlung dienen.

„Manchmal erinnert mich dieser großartige Kirchraum an eine Kathedrale“, sagt Pfarrer Ulrich Schaffert, der seit 1995 Pfarrer vor Ort ist. „Es war sehr schön, dass wir dieses Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiern konnten.“

In diesen 50 Jahren ist nicht alles gleichgeblieben. Die Nordweststadt ist zwischen 1962 und 1968 entstanden. Anfangs gab es zunächst statt einer Kirche nur einen Kapellenwagen, in dem der damalige Pfarrer Klaus Ritzkopf aber immerhin 80 Plätze anbieten konnte. Gemeindezentrum und Kirche sind dann zwischen 1966 und 1969 entstanden.

Der Theologe Dietrich Bonhoeffer wurde zum Namensgeber, weil er ein Gewährsmann für den Neuanfang nach dem Krieg war: Er hatte sich als Christ gegen das Hitler-Regime zur Wehr gesetzt und war im Konzentrationslager gestorben.

Der graue Beton im gesamten Neubaugebiet der Nordweststadt wurde in den 1980er Jahren aber dann zunehmend als unangenehm empfunden. Auch die Kirche sollte nun mehr ausgeschmückt werden. Langsam überwucherten wilder Wein und Efeu den strengen Betonklotz von außen.

Kanzel und Taufbecken wurden mit Beton-Reliefs von Thomas Zach ausgestattet. Sie zeigen biblische Szenen, die in Bezug zu Bonhoeffer stehen. In dieser Zeit beschäftigte sich die Gemeinde intensiv mit Bonhoeffer und wählte einen seiner zentralen Gedanken zum Leitmotiv. „Unser Christsein wird heute nur in zweierlei bestehen: im Beten und Tun des Gerechten unter den Menschen“, schreibt Bonhoeffer in einem Brief. „Beten und Tun des Gerechten“ wurde als Schriftzug auf die Brüstung der Empore gesetzt.

Pfarrer Ulrich Schaffert arbeitet jetzt nur noch mit halber Stelle in der Bonhoeffer-Gemeinde und mit halber Stelle in Cantate Domino, der Nachbargemeinde. Bald werden beide Gemeinden mit den evangelischen Gemeinden in Niederursel und Heddernheim fusioniert, dann soll es für die nächsten acht Jahre drei Pfarrstellen für die vier Kirchenstandorte geben.

Da die Bonhoeffer Kirche aber nicht auf der Liste der erhaltenswerten Kirchen des Evangelischen Regionalverbandes steht, muss die Gemeinde immer mehr Kosten selbst tragen. Einen Teil davon übernimmt inzwischen die koreanische Gemeinde, die hier sonntags nachmittags Gottesdienst feiert.

Möglicherweise kann in Zukunft eine ökumenische Lösung den Erhalt der Kirche sichern. Die in unmittelbarer Nachbarschaft gelegene katholische St. Matthiaskirche wird nämlich vom Bistum Limburg aufgegeben. Das Bistum hat aber signalisiert, dass ihm auch weiterhin an einem Standort in der Nordweststadt gelegen ist.

Dietrich-Bonhoeffer-Kirche, Thomas-Mann-Straße 10, 60439 Frankfurt. Die Kirche ist jeden Tag zwischen 17 und 18 Uhr geöffnet, Gemeindemitglied Andreas Grimm ist anwesend.

Gottesdienste finden am 2., 4. und gegebenenfalls 5. Sonntag im Monat um 10 Uhr statt, danach gibt es ein Kirchen-Café. Die

koreanische Gemeinde feiert jeden Sonntag um 14 Uhr Gottesdienst. Außerdem probt die Interkulturelle Werkstatt, bei der Menschen aus verschiedenen Ländern und Geflüchtete mitmachen können, in der Kirche und präsentiert jedes Jahr im November dort eine Theater-Aufführung.

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Autorin

Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt und Offenbach".

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