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Laptops und Mentoring für Jugendliche in Preungesheim

In einem digitalen Lernprojekt in Frankfurt-Preungesheim unterstützen ehrenamtliche Mentorinnen und Mentoren Jugendliche beim digitalen Lernen.

Foto: Priscilla Du Preez / unsplash.com
Foto: Priscilla Du Preez / unsplash.com

Was Home-Schooling bedeutet, weiß Christiane Moser-Eggs inzwischen genau. Da ihre Tochter und die beiden Söhne noch in der Grundschule sind, mussten sie während der Schulschließung zwar keine digitalen Hürden bewältigen, doch auch die schriftlichen Hausaufgaben waren eine echte Herausforderung.

„Die Kinder haben einen Berg an Papieren bekommen und wurden damit völlig alleine gelassen. Ohne Beistand hätten sie das nie geschafft“, sagt die 42-jährige PR-Beraterin. Diese Erfahrung gab ihr den Anstoß, sich in einem neuen Pilotprojekt zu engagieren: dem "Online-Mentoring für digitale Lernzugänge", das vom Quartiersmanagement in Trägerschaft des Diakonischen Werkes für Frankfurt und Offenbach und der Carlo Mierendorff-Schule in Frankfurt-Preungesheim ins Leben gerufen wurde.

Als Direktorin Carla Leesker nach dem Lockdown mit den Lehrkräften digitale Unterrichtsformate konzipierte, stellte sich heraus, dass rund 50 Schülerinnen und Schüler nur ein Smartphone besaßen, aber keinen Computer. „Einige hatten überhaupt keine Geräte und waren vollkommen abgehängt.“ Die Pädagogin wandte sich deshalb an Quartiersmanagerin Angela Freiberg, der solche Missstände bereits von anderer Seite zu Ohren gekommen waren.

Über die Hotline des Quartiersmanagements hätten ihr Eltern die Nöte geschildert, die sie wegen mangelnder technischer Ausstattung plagten, sagt Freiberg. In Absprache mit der Schule habe sie dann das Pilotprojekt entwickelt. Als Unterstützer konnte sie die Crespo Foundation gewinnen, die junge Menschen in ihrer persönlichen, schulischen und beruflichen Entwicklung unterstützt.

Zum anderen holte sie Antje Grimberg vom Diakonischen Werk Offenbach Dreieich-Rodgau mit ins Boot. Die Pädagogin koordiniert dort das Projekt „Jugend ohne Schulden“, das jungen Menschen Finanzkompetenzen vermittelt. Sechs der daran beteiligten Ehrenamtlichen engagieren sich nun auch in Preungesheim.

Im September ging das „Online-Mentoring“ mit einem Treffen in der Turnhalle der Carlo Mierendorff-Schule schließlich an den Start. Dort lernten sich die Schüler*innen und die Ehrenamtlichen kennen, am Ende hatten sich 13 Tandems formiert, die sich nun drei Monate lang regelmäßig online begegnen.

Wie Angela Freiberg erklärte, geht es nicht darum, schulischen Lernstoff oder Hausaufgaben zu verrichten. Im Vordergrund stehe vielmehr, die zwischen zwölf und 16 Jahre alten Jugendlichen im Umgang mit digitalen Medien zu befähigen, ihnen zu zeigen, wie sie Prioritäten beim Lernen setzen, schulische Probleme lösen und Hilfen erhalten können.

So versteht sich Christiane Moser-Eggs vor allem als Begleiterin, die ihrer 14-jährigen Mentee im Lernalltag den Rücken stärkt. Hierfür tauscht sie sich nun jede Woche rund eineinhalb Stunden mit Melat per Video aus. Wie das funktioniert, haben sie gleich in der Turnhalle geübt. Die Laptops, die die Schüler*innen bekamen, dürfen sie nach dem Projekt behalten.

Die strahlenden Gesichter haben Christiane Moser-Eggs sehr berührt. „Die Jugendlichen waren total glücklich, fühlten sich nach dem Motto ‚Man traut mir etwas zu’ aufgewertet und sind mit dem Laptop unterm Arm richtig stolz nach Hause gegangen.“ Die überlassenen Geräte gleichen zumindest ein wenig die sozialen Ungerechtigkeiten aus, denn wenn Eltern die finanziellen Mittel für solche Gerätschaften nicht aufbringen können, geraten ihre Kinder ins Hintertreffen, sagt Moser-Eggs.

Angela Freiberg ist froh, dass der Verein für Kultur und Bildung, „Kubi“, an der Carlo Mierendorff-Schule vier Sozialarbeiterstellen unterhält und die Projektteilnehmenden betreut. Die Jugendlichen könnten sich bei Bedienungsfragen jederzeit an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wenden. Abgesehen von der Förderung benachteiligter Kinder sieht die Quartiersmanagerin im Online-Mentoring einen weiteren nutzbringenden Aspekt. Ihres Wissens nach ist hier „das erste Online-Ehrenamt“ entstanden, das überdies eine neue Zielgruppe angesprochen hat. „Es haben sich viele Berufstätige gemeldet, das ist im Ehrenamt sonst selten der Fall.“


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Doris Stickler 54 Artikel

Doris Stickler ist freie Journalistin in Frankfurt.

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