Frankfurt lokal

Leichter lernen am eigenen Schreibtisch

Die Hannelore Krempa Stiftung hat für Frauen in Not- und Krisensituationen gespendet. Unterstützt wird die Arbeit im Zentrum für Frauen der Diakonie.

Renate Förster, Vorstandsvorsitzende der Hannelore Krempa Stiftung (links) überreicht einen Scheck in Höhe von 20.000 Euro für Frauen in prekären Lebenssituationen an Mehri Farzan, die Leiterin von „Lilith – Wohnen für Frauen“. Foto: Rolf Oeser.
Renate Förster, Vorstandsvorsitzende der Hannelore Krempa Stiftung (links) überreicht einen Scheck in Höhe von 20.000 Euro für Frauen in prekären Lebenssituationen an Mehri Farzan, die Leiterin von „Lilith – Wohnen für Frauen“. Foto: Rolf Oeser.

Mit 20.000 Euro unterstützt die Hannelore Krempa Stiftung das Zentrum für Frauen des Diakonischen Werkes für Frankfurt und Offenbach. In dem Haus am Alfred-Brehm-Platz ist „Lilith – Wohnen für Frauen“ beheimatet. Hier leben 28 Frauen in vier Wohngruppen. Sie erhalten neue Kühlschränke für Lebensmittel und Getränke, die direkt in ihren Zimmern stehen. Zuvor gab es private Fächer in den Gemeinschaftskühlschränken in den Küchen der Wohngruppen. „Der Platz in den Kühlschrankfächern reichte nicht aus“, sagt Mehri Farzan, die Leiterin von „Lilith –Wohnen für Frauen“ der Diakonie der Evangelischen Kirche in Frankfurt und Offenbach. Und: „Wenn die Bewohnerinnen jetzt mehr Lebensmittel, beispielsweise von den Tafeln, in ihren eigenen Kühlschränken lagern können, sind sie vielleicht auch eher motiviert, sich etwas zu kochen.“

Eine weitere Verbesserung für die Bewohnerinnen von „Lilith“: Dank der Spende wird nun jedes der 28 Zimmer mit einem kleinen Schreibtisch ausgestattet. Das ist wichtig für die Frauen, die häufig eine Ausbildung machen oder in Deutschkursen ihre Sprachkenntnisse verbessern. Sie erhalten nun einen Ort zum Lernen im eigenen Zimmer.

„Ich freue mich, mit dieser Spende das Leben von Frauen in prekären Situationen zu verbessern und ihre Bildung und ihre Eigenständigkeit zu fördern“, sagt Renate Förster, Vorstandsvorsitzende der in Frankfurt beheimateten Hannelore Krempa Stiftung. Für sie ist es ein Herzensanliegen, „dass die Lebenslage von wohnungslosen Frauen mehr in den gesellschaftlichen Mittelpunkt rückt“. Meist sei der Blick auf die Wohnungslosigkeit von Männern gerichtet, dabei leben nach Schätzungen des städtischen Sozialdezernats gut 1000 wohnungslose Frauen in Frankfurt am Main. „Wohnungslose Frauen schämen sich häufig, deshalb fallen sie in der Öffentlichkeit weniger auf“, sagt Renate Förster.

„Für viele Frauen, die in Not- und Krisensituationen zu uns kamen, bedeutet ‚Lilith‘ einen Wendepunkt in ihrem Leben“, sagt Mehri Farzan. Sie freut sich über die Spende der Stiftung. Sie kommt Frauen zugute, die meist Erfahrung mit verdeckter Wohnungslosigkeit haben, das heißt, sie schliefen zuvor bei Bekannten oder Verwandten oder pflegten in Privathaushalten alte Menschen und übernachteten dort. „Manche Frauen haben Gewalt erfahren, aber sie blieben eher bei ihrem gewalttätigen Partner, als sich dem Risiko auszusetzen, Gewalt von allen auf der Straße zu erfahren“, sagt Mehri Farzan. Viele Bewohnerinnen sind zudem verschuldet. „Lilith – Wohnen für Frauen“ ist für sie ein Ort, an dem sie „ihr Leben neu ordnen und wieder auf die Beine kommen können“.

Mit den Spendenmitteln kauft das Zentrum für Frauen auch Kaffeemaschinen und Mikrowellen für die vier Gemeinschaftsküchen und für jede der vier Wohngruppen einen neuen Staubsauger sowie neue Waschmaschinen und Trockner.

Im Erdgeschoss des Zentrums für Frauen liegt der Tagestreff 17-Ost für wohnungslose Frauen. An manchen Tagen kommen bis zu 60 Besucherinnen. Manche verbringen die Nächte im Auto oder am Flughafen, schlafen bei Freunden auf der Couch. Im Tagestreff 17-Ost können sie sich ausruhen und ihre Sachen in einem Schließfach lagern, duschen, Essen kochen und PCs nutzen. Sozialarbeiterinnen stehen für Gespräche zur Verfügung, es gibt psychologische Beratung, Yoga und Feldenkrais. Auch Deutschunterricht für Migrantinnen steht auf dem Programm. Dank der Spende der Hannelore Krempa Stiftung werden nun auch die vielgenutzte Waschmaschine und der Trockner im Untergeschoss des Tagestreffs erneuert.


Autorin

Susanne Schmidt-Lüer ist Pressesprecherin des Diakonischen Werkes für Frankfurt und Offenbach. Sie schreibt auch als freie Autorin vor allem über Sozialpolitik, Kirche, Alter und wirtschaftspolitische Themen.