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Oskar Schindler soll der Platz vor dem Bahnhof gewidmet werden - regt Trautwein an

Der Hollywoodregisseur Steven Spielberg hat Oskar Schindler, den Retter vieler Juden und Jüdinnen, weltweit bekannt gemacht. Lange lebte Schindler unbemerkt an der Frankfurter Kaiserstraße, bis Propst Dieter Trautwein und seine Frau auf ihn aufmerksam wurden und den Kontakt suchten. Im Ortsbeirat 1 warb Ursula Trautwein dafür, den Bahnhofsvorplatz nach ihm zu benennen. Die Parlamentarier*innen warten erst einmal ab.

Ursula Trautwein - mal wieder im Römer  I Foto: Rolf Oeser
Ursula Trautwein - mal wieder im Römer I Foto: Rolf Oeser

Die Stühle im Frankfurter Stadtparlament sind Ursula Trautwein nicht unbekannt. Von 1989 an hat die vielfach Engagierte die SPD im Stadtparlament vertreten. Gestern Abend nahm die 88-Jährige auf Einladung des Ortsbeirats 1 auf dem Podium Platz, der als Tagesordnungspunkt den „Themenkomplex Lebenswerk von Oskar Schindler" ausgeschrieben hatte. Gehört werden sollte „die letzte noch lebende Zeitzeugin, die Oskar Schindler – Retter von mehr als 1000 Juden vor dem Tod im Konzentrationslager – noch bis zum Ende seines Lebens persönlich gekannt hat". Hintergrund des TOPs war der Vorschlag, den Frankfurter Bahnhofsvorplatz nach Oskar Schindler zu benennen.

Von sich macht Ursula Trautwein, Witwe des früheren Propstes Dieter Trautwein, wenig Aufhebens, „ich kenn das ja hier", lacht sie, und zerrt den Mundschutz nach unten, um von Schindler und dem Kontakt zu ihm berichten. Vielfach, in Schulen und bei anderen Gelegenheiten, hat sie über den 1974 Verstorbenen berichtet. Nüchtern, mit Humor schildert sie ihn. An diesem Abend im Ortsbeirat fasst sie es so: „Er war ein Mensch im vollen Sinn des Wortes." Bestechung, andere unter den Tisch trinken, all das und ähnliches habe er sich zunutze gemacht, um Menschen vor dem Abtransport ins KZ zu bewahren.

1963 seien sie in Israel auf den Namen Oskar Schindler gestoßen, als einer „der Gerechten" sei er benannt worden. Außer dem Hinweis „Germany" habe da nichts weiter gestanden. Ihr Mann und sie fanden dann heraus, dass er an der Frankfurter Kaiserstraße wohnte, verarmt. Evangelische und katholische Kirche setzten sich dafür ein, dass Schindler ein Salär vom Staat bekam, aber nicht nur das, Trautweins und Schindler freundeten sich an.

Lachend erzählt sie die Geschichte, dass er bei einem seiner Besuche dem Sohn empfohlen habe, ein Brot unter die Zunge zu legen „dann kannst du trinken". Ein Menschenfreund und Lebemann. Oftmals kam Schindler vorbei, bis er „viel zu früh" mit 66 nach einer Herz-OP verstarb. In den Jahren davor ergaben sich viele Gespräche, oftmals am Esstisch der Trautweins, nicht nur über die Vergangenheit. Ein Ergebnis ist das Buch „Oskar Schindler ...immer neue Geschichten". Im Ortsbeirat hielt sie ein Exemplar hoch.

„Ich würde mich freuen", wenn es dazu käme, äußerte Trautwein mit Blick auf die Benennung. Der Bahnhofsvorplatz sei nicht nur wegen Schindlers in der Nähe gelegenem Frankfurter Wohnort passend. „Er war auch ein Mensch des Bahnhofsviertels".

Aus dem Publikum kam der Hinweis, gerade hier, wo Reisende, Migrant*innen mit ungewisser Zukunft die Stadt betreten, wo Menschen in elendem Zustand oft vertrieben werden, sei ein passender Ort, um Oskar Schindler zu würdigen.

Parteiübergreifend applaudierten die Parlamentar*ierinnen Trautwein nach ihrem Beitrag. Der scheidende Ortsbeiratsvorsitzende Oliver Strank sprach von „einem besonderen Moment".

Und dennoch wurde an dem Abend nach längerer Debatte erst einmal beschlossen, eine eventuelle Benennung des Platzes nach Schindler auf die nächste Wahlperiode zu verschieben. Es gibt im Norden der Stadt einen Straßenzug, der ihm gewidmet ist, der Einwand, Frauen müssten stärker berücksichtigt werden, wurde genannt.


Autorin

Bettina Behler 148 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach