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Juwele der Kirchengeschichte, Teil 13: die Peterskirche im Nordend

Die Peterskirche im Nordend, heute als Jugendkulturkirche bekannt, wurde Ende des 19. Jahrhunderts erbaut. Allerdings stand an dieser Stelle unmittelbar innerhalb des heutigen Cityrings bereits im 14. Jahrhundert eine Kirche. Wir stellen die Peterskirche im Rahmen unserer Serie über historische Frankfurter Kirchen vor.

Ungewöhnliche Perspektive: Blick von der Alten Gasse auf den Peterskirchturm. | Foto: Antje Schrupp
Ungewöhnliche Perspektive: Blick von der Alten Gasse auf den Peterskirchturm. | Foto: Antje Schrupp

Das hätte sich die ehrwürdige Peterskirche wohl nie träumen lassen: Dass ihr großes Kirchenschiff einmal den Rahmen für Partys abgeben, bei denen 700 bis 900 Konfirmanden und Konfirmandinnen aus ganz Hessen die Tanzfläche stürmen. In der Jugendkulturkirche Sankt Peter gibt es heute auch Theater- und Gesangs-Coachings, Poetry-Slams, Studierendenchöre, Konzerte mit Nachwuchsbands und überkonfessionelle Gottesdienste.

Der erste Vorgängerbau der Peterskirche entstand bereits im 14. Jahrhundert. Im Zuge einer Stadterweiterung wurde 1382 für die damalige Neustadt eine gotische Kapelle errichtet. Diese wurde zwischen 1417 und 1419 großzügig umgebaut und zu einer spätgotischen Hallenkirche erweitert. Erster evangelischer Pfarrer war 1532 Matthias Limberger.

Der Peterskirchhof ist der älteste noch erhaltene christliche Friedhof in Frankfurt, von 1418 bis 1828 wurde darauf bestattet. Hier liegen die Grabstätten von Goethes Eltern, der Familie Textor, Merian und vieler weiterer bekannter Frankfurter Familien. Seit Juni 1828 finden dort keine Bestattungen mehr statt. Die damalige völlige Überbelegung und die damit verbundenen Probleme machten eine Schließung unumgänglich. Heute, nach mehrfacher Umgestaltung ist der Peterskirchhof als schöner, kleinräumiger Ruhegarten erschlossen. (www.peterskirchhof.de)

Was die Kirche betrifft, so entschied man sich Ende des 19. Jahrhunderts für einen großen Neubau im Stil des Eklektizismus – eine Kombination verschiedener historischer Stilarten zwischen Neoromatik, Neorenaissance und Neogotik. Diese Kirche wurde in den Bombennächten um den 20. März 1944 zerstört, der Wiederaufbau nach dem Krieg konnte aus finanziellen Gründen erst 1965 fertiggestellt werden.

Bis 2002 war die Peterskirche Gemeindekirche. Zwei Jahre später begann der Umbau zur Jugendkulturkirche, der bis 2007 dauerte. „Wir machen Angebote für Jugendliche zwischen 14 und 25 Jahren, die sie bei ihrer persönlichen Entwicklung unterstützen“, sagt Geschäftsführer Eberhard Klein. Während innen jetzt alles da ist, was man für einen modernen Veranstaltungsraum braucht, ist die Peterskirche beim Umbau von außen nicht verändert.

Als eine von acht Dotationskirchen in Frankfurt wird das Gebäude von der Stadt Frankfurt unterhalten und steht unter Denkmalschutz. Die vier Glocken sind auf das Frankfurter Stadtgeläut abgestimmt. Für die Jugendkulturkirche wurde das Hauptportal von Westen, wohin es 1965 beim Wiederaufbau nach dem Krieg gesetzt worden war, nach Süden verlegt. Das auf dem Portal zu sehende Bronzerelief von Bildhauer Heinz Bube zeigt Szenen aus dem Leben des Jüngers Petrus, dem Namensgeber der Kirche.

Die Symbole der vier Evangelisten – Löwe, Stier, Adler und Mensch – sind als große Flachreliefs in die Wand eingelassen, die vom Eingangsbereich zum Kirchenschiff führt. Petrus und die vier Evangelisten sind aber auch als figürliche Darstellungen auf der Peterskirche zu finden: Auf der Fassade Richtung Bleichstraße, wo im 19. Jahrhundert der Haupteingang war.

Eines der großen runden, von Charles Crodel gestalteten Fenster der Peterskirche. Viele weitere sind im Keller gelagert, sie wurden beim Umbau zur Jugendkulturkirche 2007 entfernt. |Foto: Antje Schrupp
Eines der großen runden, von Charles Crodel gestalteten Fenster der Peterskirche. Viele weitere sind im Keller gelagert, sie wurden beim Umbau zur Jugendkulturkirche 2007 entfernt. |Foto: Antje Schrupp

Hauptschmuck der Kirche sind die großen Fenster von Charles Crodel aus den 1970er Jahren. Das rechteckige Fenster an der Nordseite zeigt das himmlische Jerusalem. Die drei großen Rundfenster im Westen stellen Bergpredigt, Geburt Jesu und Moses mit den Gesetzestafeln dar. Auf den drei Fenstern der östlichen Seite sind Schöpfung, Auferstehung und Pfingsten abgebildet. Während Nord- und Westfenster dem großen Veranstaltungsraum ihr besonderes Gepräge geben, sind die östlichen Fenster mit dem östlichen Teil der Kirche abgetrennt und können auf Augenhöhe in den drei kleinen Workshopräumen im zweiten Stock betrachtet werden: ein Überraschungseffekt. Rund 60 weitere Crodel-Fenster lagern noch fachgerecht im Keller der Kirche. Damit mehr Tageslicht in den großen Veranstaltungsraum kommt, sind etwa die Crodelfenster über den Rundbogenfenstern im Westen durch Glasfenster ersetzt worden.

Die Funktionsräume sind im östlichen Teil der Kirche gewissermaßen „gestapelt“. Eine durchsichtige Lichtwand trennt sie vom Hauptschiff ab, auf sie können statische und bewegte Bilder projiziert werden – ein Effekt der bei Partys sehr beliebt ist. Hinter der Wand liegt im Erdgeschoss ein gemütliches Café, in dem etwa die Poetry-Slams stattfinden. Im ersten Stock sind einige Büros untergebracht sowie eine Küche, im zweiten liegen die Worskhop/Seminarräume: Optimale Platzausnutzung auf kleinem Raum. Der Entwurf und die bauliche Umsetzung stammen vom „Architekturbüro 54f“ aus Darmstadt.

Auf der Südempore ist nach einem Entwurf des Künstlers Bernd Fischer aus Offenbach eine moderne Kapelle entstanden. Darin stehen keine Stühle, stattdessen laden drei breite treppenähnliche Stufen zum Sitzen oder Liegen ein – ähnlich wie in antiken Amphitheatern, wenn auch nicht halbrund. An der Wand gegenüber entfaltet ein Kreuz in Negativform seine Wirkung: Es ist aus einer grünlichen Fläche herausgeschnitten. Der Altar aus dunklem Holz und verschiebbar. Besonders sind die beiden rechteckigen Lichtwände an den Seitenwänden oberhalb der Treppen. Werden sie beleuchtet, kann man auf der einen das Vaterunser in weißer Schrift lesen, auf der Anderen das Gebot zur Nächstenliebe

Das hessische Ministerium der Finanzen und die Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen verliehen 2008 den Preis für vorbildliches Bauen im Bereich „ressourcenschonendes und engegiebewusstes Bauen“. Im gleichen Jahr erhielt der Bau die Martin-Elsäßer-Plakette vom Bund Deutscher Architekten


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Autorin

Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt und Offenbach".

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