Frankfurt lokal

Wechsel der Generationen

Rasmus Bertram, früher Pfarrer in der Jugendkulturkirche Sankt Peter, hat den evangelischen Part im ökumenischen Zentrum „Pax & People" im Frankfurter Europaviertel übernommen.

Rasmus Bertram I Foto: Karsten Fink
Rasmus Bertram I Foto: Karsten Fink

In den Gründungsjahren, Anfang der Zweitausender, war Rasmus Bertram Pfarrer in der Jugendkulturkirche Sankt Peter in der Frankfurter Innenstadt, unlängst ist der evangelische Theologe zumindest zum Teil beruflich nach Frankfurt zurückgekehrt – als evangelischer Part des ökumenischen Zentrums „Pax & People" im Europaviertel folgt er Katja Föhrenbach nach.

Zusammen mit dem katholischen Pastoralreferenten Harald Stuntebeck betreibt Bertram in dem rasant wachsenden Neubaugebiet nun eine etwas andere Form von kirchlichem Angebot: Kurze Impulse am Morgen zum Espresso, offene Gesprächsrunden über Gott und die Welt, Spieleabend, Kochevents, Ausstellungen, Picknicks – und nicht zuletzt ein allen offenstehender Raum, der auch gut als Lounge durchginge, in einem, Quartier „in dem es kaum Kneipen gibt und der Rewe der zentrale Treffpunkt ist".

Die Jugendkulturkirche im Zentrum Frankfurts hat die Zielgruppe 14- bis 25-Jährige – „hierher kommen die 28- bis 45-Jährigen, die ich in Sankt Peter getroffen habe", scherzt Bertram und fügt gleich hinzu, so ganz stimme das nicht. Ins Europaviertel ziehen viele, die neu in Frankfurt sind, oftmals kommen sie des Jobs zuliebe hierher. Die früheren Adressen liegen nicht selten im Ausland. „Was ist dir wichtig, was ist mir wichtig", das ist ein Gesprächsansatz, der Rasmus Bertram gefällt. Zuhören, voneinander etwas erfahren, neu denken, das passt zu ihm.

Nur mit halber Stelle arbeitet der Pfarrer im Europaviertel, die andere halbe übt er in Kriftel im Taunus in einer Gemeinde aus. Online-Gottesdienste machten in den vergangenen Jahren seinen halben Berufsalltag aus. In Sankt Peter noch hob Rasmus Bertram die Sublan-Gottesdienste aus der Taufe, die Gemeinden ins Netz bringt. Auch jetzt führt er „ehrenamtlich" Sublan fort und war in den vergangenen Monaten der Gottesdienstdigitalisierung angesichts von Corona ein gefragter Ratgeber. Über zwei Standbeine zu verfügen, auf zweierlei Feldern unterwegs zu sein, das prägt den Werdegang von Bertram. Schon als Vikar in Sangerhausen bei Leipzig spielte er parallel Theater. Damals war vieles improvisiert, inzwischen „ist eine Ordnung doch ganz wichtig". Bertram ist montags und mittwochs in Pax & People anzutreffen, dienstags und donnerstags im Pfarramt im Kriftel, freitags wechseln er und der katholische Theologe sich an der Pariser Straße ab. Und am Wochenende gilt „je nachdem".

Mit viel Elan hat er mit Stuntebeck Sommerprogramm gemacht. Ein Ergebnis ist die Ausstellung, die am kommenden Wochenende in Pax & People eröffnet wird. In anderen Jahren legte das ökumenische Zentrum im Sommer schon mal eine Verschnaufpause ein. Jetzt, wo die Menschen Abstand halten, der Newsletter und die Homepage für Verbindung sorgen, war es den beiden wichtig, die Türen offenzuhalten – für Begegnungen auf physische Distanz aber direkt gegenüber.

Wie Frankfurt „tickt", das muss Rasmus Bertram nicht neu lernen. Er ist nur beruflich zurückgekehrt. Seit 14 Jahren lebt er am Westhafen, „da möchte ich auch nicht weg”.


Autorin

Bettina Behler 122 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach