Gott & Glauben

Durcheinander am Weihnachtshimmel

Ein Rummel ist das wieder! Wie immer in der Vorweihnachtszeit. Nein, nicht in den Straßen und Geschäften. Über unseren Köpfen treten sich die Geschenkebringer gehörig auf die Füße. Adventsengel und Weihnachtsmann, Christkind und Nikolaus, zwischendrin schnauben die Rentieren. Und Mäxchen fragt seiner Mutter Löcher in den Bauch: „Warum gibt es so viele Weihnachtsmänner?", „warum hat Sankt Martin nicht seinen ganzen Mantel hergegeben?", „warum hat das Rentier Rudolf eine rote Nase?" und „wo wohnt eigentlich das Christkind?" – höchste Zeit also, ein wenig Ordnung in das himmlische Tohuwabohu zu bringen.

Foto: by-studio/Fotolia.com
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Nikolaus allein im Wald

Am Anfang war die Adventszeit noch beschaulich. Nur der Nikolaus stiefelte mutterseelenallein durch den Schnee. Der gabenbringende alte Mann verdankt seine Existenz dem Bischof Nikolaus, der im 4. Jahrhundert im türkischen Myra lebte und bekannt war für seine guten Werke. Er soll einer armen Familie heimlich Geldgeschenke durch den Kamin in aufgehängte Socken geworfen und damit verhindert haben, dass der Vater seine drei Töchter zur Prostitution bewegen musste.

Seine Erfolgsgeschichte führte den Nikolaus über Griechenland und die slawischen Länder nach Mittel- und Südeuropa. In Deutschland richtig kultig wurde der Mann im 10. Jahrhundert. Seitdem stellen Kinder am 6. Dezember, seinem Namenstag, ihre Schuhe vor die Tür oder hängen an Heiligabend ihre Strümpfe an den Kamin. Nikolaus belohnte also die lieben Kinder. Was aber machte man mit den ungezogenen

Knecht Ruprecht kommt zu Hilfe

Knecht Ruprecht, Nickel, Pelznickel, Pelzmäntel, Hans Muff, Hans Trab oder Krampus, eine ruppige Brauchgestalt der Mittwinterzeit, stapft seit dem 17. Jahrhundert hinter Nikolaus her, oder besser, geht mit ihm eine Symbiose ein. Als Knecht und Nikolaus ziehen sie in der Folgezeit in pelzbesetzter Kleidung, einem Sack voller Geschenke über der Schulter und nun auch einer Rute in der Hand von Tür zu Tür. Doch bevor der Nikolaus und Knecht Ruprecht Jahrhunderte später gemeinsam zum Weihnachtsmann mutierten, stahl ihnen ein anderes Wesen die Schau.

Das Christkind macht Karriere

Martin Luther hatte um 1535 genug von den vielen Heiligen, vor allem vom populären Nikolaus. Und erfand kurzerhand das „Christkind" als Gabenbringer. Mit dem Jesuskind hat das Christkind wenig zu tun. Es kommt mit Engelsflügen geflogen, und eigentlich weiß niemand so recht, ob es nun weiblich oder männlich ist. Klar ist: Es kommt heimlich und in der Nacht auf den 25. Dezember, dem Tag der Wintersonnenwende, dem Festtag des heiligen Stephan und des bethlehemischen Kindermordes.

Der Weihnachtsmann wird geboren

Rot ist der Weihnachtsmann übrigens erst seit 1931. Und das hat einen ganz einfachen Grund: Für eine Werbekampagne der Firma Coca Cola zeichnete Haddon Sundblom den Weihnachtsmann – in Rot und Weiß, den Firmenfarben.

Tierische Begleitung

Auch seinen treuen Gefährten Rudolf, the red-nosed reindeer, das rotnasige Rentier, erhielt der Weihnachtsmann erst in unserem Jahrhundert. Rudolf mit seiner riesengroßen roten Nase leuchtet den Rentieren den Weg, wenn sie Santa Claus' Schlitten mit den Geschenken alljährlich vom Nordpol in die Welt ziehen. Deshalb schauen die Kinder in Amerika zur Weihnachtszeit in den Himmel. Wenn sie einen roten Punkt sehen, wissen sie, dass Santa Claus nicht mehr weit sein kann.

Und dann gibt es noch...

Weihnachtsmann und Christkind sind die unbestrittenen Stars im Dezember und teilen sich heute einträchtig die weihnachtlichen Aufgaben: Kinder zu beschenken und als Werbeträger für ein florierendes Weihnachtsgeschäft zu sorgen.

Daneben tummeln sich aber noch einige andere Gabenbringer. Sankt Martin zum Beispiel, im 4. Jahrhundert Bischof von Tours, der im bitterkalten Winter sein einziges Kleidungsstück mit einem frierenden Mann teilte. Oder die Heilige Luzia, die vor 1600 Jahren in Sizilien für ihren Glauben starb. Der Legende nach brachte sie ihren Glaubensgenossen Lebensmittel in die Verstecke. Damit sie beide Hände frei hatte zum Tragen der Speisen und den Weg finden konnte, setzte sie sich einen Lichterkranz auf. Vor allem in Schweden, aber auch bei uns feiern Pfarrgemeinden die Heilige Luzia mit einem besonderen Gottesdienst.

Ach ja, Mäxchens letzte Frage soll auch nicht unbeantwortet bleiben. Der Weihnachtsmann lebt, wie gesagt am Nordpol, das Christkind aber in Christkindl in Oberösterreich. Also, falls der immer beliebtere Weihnachtsmann dieses Jahr nicht so recht weiß, wo ihm vor lauter Rummel der Kopf steht: Den Wunschzettel einfach in einen Briefumschlag stecken und abschicken an das Postamt A-4411 Christkindl. 

Das Christkind zog nach und nach in fast alle guten Stuben ein. Doch Nikolaus und Knecht Ruprecht gaben sich nicht so leicht geschlagen. Sie bildeten eine Koalition und tauchten Jahrhunderte später gemeinsam als Weihnachtsmann wieder auf.

Die bürgerlichen Familien hatten im 19. Jahrhundert nämlich keine so rechte Lust mehr auf den Nikolaustag und verschoben die Bescherung immer weiter Richtung Weihnachten. Für den gütigen, helfenden Bischof und seinen strengen, strafenden Begleiter kein Problem. Sie mixten ihre Attribute und wurden zum Weihnachtsmann, bekleidet mit Kapuzenmantel, Stiefeln, Rute und Sack. Den wallenden Glitzerbart liehen sie sich von den kindlichen Gottvater-Vorstellungen. Und wie ursprünglich Nikolaus, kommen sie in vielen Ländern noch heute durch den Kamin und deponieren ihre Geschenke in aufgehängte Strümpfe. Ob der Weihnachtsbaum nur deshalb erfunden wurde, weil die kleinen Strümpfe dem Konsumrausch irgendwann nicht mehr standhielten?

Doch bleiben wir bei Nikolaus und Knecht Ruprecht. Denn ihre Strategie war erfolgreich. Bereits im Grimmschen „Deutschen Wörterbuch" von 1820 ist „Weihnachtsmann" als Synonym für „Christkind" genannt. Und Heinrich Hoffmann von Fallersleben schrieb 1835 das später so populäre Lied „Morgen kommt der Weihnachtsmann".


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