Gott & Glauben

Warum wir Pfingsten heute nicht mehr als „Geburtstag der Kirche“ bezeichnen sollten

Im Allgemeinen gilt Pfingsten als „Geburtstag der Kirche“. Allerdings denken heutzutage die meisten beim Stichwort „Kirche“ entweder an ein Gebäude oder an eine Institution - und das ist mit Pfingsten gerade nicht gemeint. Um die Bedeutung des Fests zu erklären, sollte man  deshalb andere Bilder finden.

Antje Schrupp ist Chefredakteurin des EFO-Magazins.  |  Foto: Tamara Jung
Antje Schrupp ist Chefredakteurin des EFO-Magazins. | Foto: Tamara Jung

In der christlichen Dogmatik gilt Pfingsten auch als „Geburtstag der Kirche“. Gemeint ist damit, dass mit der „Begeisterung“ der Jüngerinnen und Jünger, die sie an diesem Tag erlebten, und ihrer vom „Heiligen Geist“ inspirierten Fähigkeit, sich anderen verständlich zu machen quasi der Startschuss dafür gegeben wurde, dass sich das Christentum in aller Welt ausbreiten konnte.

Allerdings ist die Bezeichnung „Geburtstag der Kirche“ etwas unglücklich gewählt. Denn heute, zweitausend Jahre später, sehen die meisten Menschen bei dem Wort „Kirche“ wohl etwas anderes vor ihrem inneren Auge als eine Glaubensbewegung.

Heute denkt man bei dem Begriff „Kirche“ zunächst einmal an eine Institution mit festen Regularien und Hierarchien. Oder sogar nur an ein Gebäude. „Die Kirche“ ist im Alltagsverständnis der meisten eine große Organisation, in der viel Geld verwaltet wird, deren Interessensvertreterinnen und -vertreter für ihre Anliegen Lobbyarbeit machen, und wo Macht ausgeübt wird.

Das Feuer des Heiligen Geistes, der ja bekanntlich „weht, wo er will“, ist dort nicht öfter anzutreffen als anderswo. Vermutlich ist das einer der Gründe, warum Pfingsten nicht so wirklich ein populäres Fest ist. Viele fragen sich: Gibt es denn beim „Geburtstag der Kirche“ überhaupt etwas zu feiern? Oder ist mit der Institutionalisierung des Glaubens nicht auch viel von dem Charisma der frühen Christinnen und Christen verloren gegangen?

Sicher, eine Religion, eine Glaubensüberzeugung, die schon seit so langer Zeit Bestand hat und die so viele Menschen umfasst wie das Christentum, braucht eine gewisse Institutionalisierung. Die Kirche hat auch als feste Organisation ihren Sinn. Ob man ihr aber eines der höchsten christlichen Feste widmen muss, ist doch fraglich.

Die Formulierung „Geburtstag der Kirche“ ist ja kein Glaubensdogma, sondern nur der Versuch, die Bedeutung von Pfingsten griffig auf den Punkt zu bringen. „Fest der Geistesgegenwart Gottes“ wäre vielleicht eine bessere Formel.


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Antje Schrupp 110 Artikel

Dr. Antje Schrupp ist Chefredakteurin von Evangelisches Frankfurt und Offenbach. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com

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