Gott & Glauben

Lacht doch mal! Wer fromm ist, sollte auch Spaß verstehen

Religionen sind ernste Angelegenheiten. Und genau deswegen ist der Humor aus ihnen nicht wegzudenken – nicht nur in der Faschingszeit.

Engelchen oder Teufelchen? Lachen und Religion passen gut zusammen. | Foto: Colourbox
Engelchen oder Teufelchen? Lachen und Religion passen gut zusammen. | Foto: Colourbox

Im Fasching darf man noch einmal mit kirchlichem Segen vor der Fastenzeit über die Stränge schlagen, wenigstens in Jahren, in denen kein Virus aus dem griechischen Alphabet grassiert. Karneval, Fastnacht, Fasching sind fester Bestandteil des Kirchenjahres.

Zumindest des katholischen. Denn Martin Luther hat mit der offiziellen Fastenzeit den Karneval gleich mit abgeschafft – weshalb Karneval, Fastnacht oder Fasching bis heute besonders ausschweifend in ehemals katholischen Regionen gefeiert wird. Doch auch bei Protestant:innen wird es im Februar oft lustig. Aber hat der Humor auch sonst in Religionen seinen Platz?

Ganz klar: Ja! Denn Humor braucht Fallhöhe, also ein Thema, das wichtig ist und die Menschen umtreibt. Sonst bleibt jeder Witz banal. „Treffen sich ein Pfarrer, ein Rabbi und ein Imam...“ funktioniert mindestens so gut wie „Kommt ein Mann zum Arzt...“ Gleichzeitig wird Religionen und religiösen Menschen oft nachgesagt, wenig Spaß zu verstehen. Obwohl viele Menschen die Lebensklugheit, Schlagfertigkeit und Selbstironie des jüdischen Humors und – dank diverser Blockbuster – auch den nordischen Gott des Schabernacks Loki kennen. Aber warum reagierten Muslim:innen so extrem auf die Mohammed-Karikaturen? Warum gerät der Vatikan wegen eines Titelbilds der Satirezeitschrift Titanic in helle Aufregung?

Der Glaube (in jeglichen Religionen), seine sehr speziellen Denkschablonen, aber auch seine Schrullen und sein Pathos sind immer schon Gegenstand von Spötteleien gewesen, und religiöse Autoritäten und Institutionen erst recht. Lachen hat seinen festen Platz auch in frommen Gesichtern.

Hat Jesus viel gelacht? Das wissen wir nicht, vielleicht ist es auch nicht wichtig. Den Dalai Lama hingegen kennen wir fast nur lachend. Kann der auch mal ernst sein? Und genauso hat der goldene Buddha im China-Restaurant offensichtlich großen Spaß beim Anblick von Europäer:innen, die versuchen, mit Stäbchen Reis zu essen. So singen auch Christinnen und Christen gerne mit, wenn es am Schluss des Monty-Python-Klassikers „Das Leben des Brian“ heißt: „Always look on the bright side of life...“


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Anne Lemhöfer 110 Artikel

Anne Lemhöfer interessiert sich als Journalistin und Autorin vor allem für die Themen Kultur, Freizeit und Gesellschaft: www.annelemhoefer.de

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