Gott & Glauben

Ein Ritterorden in Erinnerung an den Heiligen Lazarus

Warum heißt es eigentlich „Lazarett“ und warum sind Apothekenkreuze grün? Beides geht auf den Sankt Lazarus Orden zurück, dessen hessen-nassauische Mitglieder sich neuerdings in der Epiphaniaskirche im Frankfurter Nordend treffen.

Das Wappen des Lazarus-Ordens. Die Sektion von Hessen und Nassau trifft sich seit kurzem in Frankfurt.
Das Wappen des Lazarus-Ordens. Die Sektion von Hessen und Nassau trifft sich seit kurzem in Frankfurt.

Bernd Rauch hat viele Gründe, warum er sich schon seit 15 Jahren im Sankt Lazarus Orden engagiert: Er schätzt „aktiv gelebtes Christentum“ und „in Gemeinschaft praktizierte Nächstenliebe“. Außerdem sei Sankt Lazarus der einzige christliche Orden, der sich der Ökumene und der Gleichstellung von Frauen und Männern verschrieben hat – „der liberalste aller Orden“, sagt der Unternehmensberater, der die „Kommende“ Hessen-Nassau leitet, eine von sechs regionalen Niederlassungen in Deutschland.

Der Orden des Heiligen Lazarus wurde, wie die meisten christlichen Ritterorden, im 12. Jahrhundert zur Zeit der Kreuzzüge in Jerusalem gegründet. Damals konzentrierte er sich vor allem auf die Pflege der Leprakranken, wofür er schon bald in vielen Ländern Europas eigene Hospitäler unterhielt. Der Begriff „Lazarett“ ist auf den Namen des Ordens zurückzuführen, der sich nach der biblischen Figur des Lazarus benannt hat, den Jesus von den Toten auferweckt hat. Auch das grüne Kreuz der Apotheken verdankt seine Farbe den Rittern von Sankt Lazarus, denn die trugen früher ein grünes Kreuz auf ihren Mänteln.

Die Kommende Hessen-Nassau war eine der ersten Niederlassungen des Ordens im deutschsprachigen Raum, inzwischen gibt es sechs in Deutschland, eine siebte soll bald in Thüringen entstehen. International hat der Lazarus-Orden nach eigenen Angaben rund 6000 aktive Mitglieder und ist auf allen fünf Kontinenten vertreten. Zweimal im Jahr, im Frühjahr und Herbst, kann man sich bei internationalen Treffen begegnen. Auch Bernd Rauch war schon oft dabei, dort entstehe immer „ein besonderer Geist“, wie er sagt.

In Hessen engagieren sich die Mitglieder des Ordens ehrenamtlich zum Beispiel in der Frankfurter Bahnhofsmission, in der Diakonie und im karitativen Stiftungswesen. Außerdem werden mit Veranstaltungen Spendengelder generiert, um nationale und internationale Hilfsprojekte zu unterstützen.

Dass der Lazarus-Orden schon 1830 ökumenisch wurde und sich für Frauen öffnete, ist eine Besonderheit – die meisten christlichen Orden sind bis heute konfessionell ausgerichtet und nehmen nur Männer auf. Wie Bernd Rauch und seine Frau Katharina gehören dem Lazarus-Orden deshalb viele Ehepaare an. Zwar können nur getaufte Christinnen und Christen Mitglieder werden, doch gebe es auch jüdische und muslimische „Freunde des Ordens“, sagt Rauch. Ein Herzensanliegen des Ordens sei es daher gewesen, in Jerusalem das Krankenhaus für Juden, Christen und Muslime mit Geldspenden vor der Schließung zu bewahren.

Durch die Internationalität gebe es „in allen Regionen der Welt Leute, denen man vertrauen“ kann. Rauch erzählt ein Beispiel: Einem Ordensbruder war der Mangel an Rollstühlen in einem indischen Lazarus-Hilfsprojekt bekannt, und als er hörte, dass ein hiesiges Krankenhaus Rollstühle ausmustern will, vereinbarte er die Übergabe. Ein anderer Ordensbruder kannte wiederum einen Spediteur, der ohnehin nach Indien fuhr und die Rollstühle mitnehmen konnte. Auch bei akuten Notsituationen helfe der Orden, etwa nach dem verheerenden Tsunami von 2004 oder bei kriegsbedingten Verwüstungen. Nachdem etwa ein Bruder der melkitischen Kirche in Syrien von einer zerbombten Schule berichtete, habe man Geld für den Wiederaufbau gesammelt. Gegenwärtig kümmerten sich Ordensmitglieder in mehreren Ländern um Menschen, die durch Corona ihre Jobs verloren und deshalb nichts mehr zu essen haben.

„Der Lazarus-Orden vereint Menschen aus 43 Ländern mit den unterschiedlichsten Kulturen und christlichen Kirchen“, sagt Rauch, Rassismus und religiöse Engstirnigkeit habe da keinen Platz. Das war auch ein Grund, warum Pfarrer Andreas Hoffmann von der Petersgemeinde sich bereit erklärt hat, als geistlicher Berater des Ordens zu fungieren: Ein Gemeindemitglied und langjähriger Ordensbruder hatte mitbekommen, dass der Theologe vor kurzem eine entsprechende Ausbildung bei den Jesuiten abgeschlossen hat, und kurzerhand gefragt. Viel erzählen kann Pfarrer Hoffmann über sein neues Amt allerdings noch nicht: „Es ist alles ganz frisch, das muss sich noch entwickeln.“


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Doris Stickler 54 Artikel

Doris Stickler ist freie Journalistin in Frankfurt.

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