Gott & Glauben

Tradition und Brauchtum – das große Oster-ABC

Karfreitag und Ostern bilden gemeinsam die „Doppelspitze“ des christlichen Kirchenjahres. Aber was genau ist dabei eigentlich los? Warum werden Eier geworfen und was hat es mit dem Osterlamm auf sich? Unser Oster-ABC schlägt ein paar Schneisen in über Jahrhunderte gewachsene Tradition und Brauchtum.

Foto: Sebastian Staines on Unsplash
Foto: Sebastian Staines on Unsplash

Abendmahl

Jesus hat – nach den Erzählungen von Matthäus, Markus und Lukas – mit seinen Jüngern und Jüngerinnen am Gründonnerstag, also dem Abend vor seiner Hinrichtung, ein sehr besonderes Mahl gefeiert. In der Erinnerung daran und nach seinem Vorbild feiern christliche Gemeinden bis heute das Abendmahl (katholisch: die Eucharistie). Jesus wird dabei zugleich als Geber und Gabe betrachtet: In Brot und Wein schenkt er sich selbst. Das Abendmahl hat im christlichen Glauben den Rang eines Sakramentes: Wer daran glaubt und teilnimmt, begibt sich in die unmittelbare Gemeinschaft mit Jesus Christus. In der evangelischen Kirche gibt es nur zwei Sakramente, die einander ergänzen: die einmalige Taufe und das auf Wiederholung angelegte Abendmahl.

Aschermittwoch

An diesem Tag beginnt die 40-tägige vorösterliche Bußzeit im Katholizismus. Im Gottesdienst werden die Gläubigen mit einem Aschekreuz als dem Zeichen der Buße gezeichnet – im Sinne der Redensart „Asche auf mein Haupt“, die gleichbedeutend mit einem Schuldeingeständnis und dem Bereuen ist. Im evangelischen Bereich beginnt am Aschermittwoch die Passionszeit. Besondere evangelische Gottesdienste gibt es an diesem Tag selten.

Auferstehung Jesu

Am dritten Tag nach Jesu Hinrichtung (wobei der erste Tag mitgezählt wird, gemeint ist also der Sonntag) begegnen Maria von Magdala und andere ihm wieder. Aber er ist offenbar anders als zu Lebzeiten: körperlich sichtbar, aber nicht der Alte, vertraut, aber auch fremd. Unabhängig davon, ob man selbst an die Auferstehung glaubt, kommt man doch nicht daran vorbei, dass sie eine überaus nachhaltige Wirkung entfaltete. Die nach Jesu Tod erschütterten und verängstigten Jünger und Jüngerinnen fassen – ohne, dass es eine (andere) Erklärung dafür gäbe – neuen Mut, kehren nach Jerusalem zurück und entfalten eine enorme Außenwirkung. In der neutestamentlichen Forschung gibt es Autoren, die das biblische Zeugnis als ursprünglich ernstnehmen, kritische Stimmen nehmen allerdings an, dass die Ostergeschichten von einer Vision des Auferstandenen her bestimmt sind, während Jesus tatsächlich tot blieb. Der auferstandene Jesus existierte demnach nur in der Vorstellungskraft seiner Anhängerinnen und Anhänger. Der Neutestamentler Gerd Lüdemann zum Beispiel spricht von „Auferstehungswahn“. Natürlich ist das Wunder nicht beweisbar, aber so oder so muss es einen glaubwürdigen Anhalt für die Rede von der Auferstehung gegeben haben. Denn dass der Auferstehungsglaube die Jesusbewegung geprägt hat und Motor ihres Wachstums geworden ist, ist historisch eindeutig. Mit Ostern hat die Jesusbewegung eine neue Qualität erhalten. (mehr lesen)

Auferstehung der Toten

Weil Christus auferstanden ist, erwarten Christen und Christinnen die Auferstehung aller Toten. Christus ist der Erste, und sein neues Leben ist ein Vor-Bild. Der Zeitpunkt der Toten-Auferstehung bleibt bewusst unbestimmt, aber das Leben heute geschieht immer in der Spannung zwischen schon geschehener Auferstehung Jesu und noch ausstehender Auferstehung aller. Das einzelne Leben ebenso wie das der Menschheit insgesamt gelangt bei Christi Wiederkunft schlussendlich zur Einheit, zur Ganzheit. Dabei geht es nicht um eine billige Vertröstung aufs Jenseits. Die Gewissheit, dass die Welt an ihr Ziel kommen wird, ist vielmehr ein echter Trost: Weil dann keine Krankheit, kein Hunger, kein Leid und kein Tod mehr sein werden, entstehen Maßstäbe für das Leben heute. Da sich am Ende Nächstenliebe, Frieden und bedingungsloser Einsatz für das Leben durchsetzen werden, bestimmen sie heute schon die Ethik, auch wenn die reale Welt nach ganz anderen Gesetzen funktioniert. Wie die Auferstehung vor sich gehen wird, darüber wird im Neuen Testament – wie bei Jesu Auferstehung selbst – höchstens in Andeutungen gesprochen und auch nicht einheitlich.

Auferweckung Jesu

Im Neuen Testament spricht insbesondere Lukas in der Apostelgeschichte von der „Auferweckung“ Jesu, Paulus gebraucht „Auferstehung“ und „Auferweckung“ nebeneinander. Beide Begriffe meinen dasselbe, die „Auferweckung“ legt jedoch den Akzent darauf, dass Gott derjenige ist, der Jesus in die Welt gesandt hat und ihn dann am Ende seines Erdendaseins eben auch wieder auferweckt, um ihn zu sich zu holen: Mission erfüllt.

Eiersuche

Der Brauch, am Ostermorgen Ostereier zu verstecken und die Kinder danach suchen zu lassen, nimmt die Suche nach dem nicht mehr im Grab befindlichen Jesus spielerisch auf: Wie einige Jüngerinnen am Ostermorgen nach Jesu Leichnam suchten, so suchen die Kinder nach Ostereiern. Die Freude des Findens entspricht dabei der Freude über die unerwartete Begegnung mit dem Auferstandenen: Was auf Nimmerwiedersehen weg und verloren schien (das Ei steht für Freude, Zuversicht, Lebenssinn), ist dennoch da und lässt sich finden. Suchen und Finden stehen zugleich für eine Vergewisserung im Osterglauben: Die Auferstehung liegt nicht beweisbar und nachvollziehbar zutage, sie erschließt sich aber, wenn man hinter und unter das Offensichtliche schaut. Auf den ersten Blick ist in der Welt von Auferstehung nichts zu sehen, auf den zweiten jedoch werden Hoffnung und eine neue Perspektive sichtbar.

Eierwerfen

Insbesondere auf dem Land gibt es den Brauch, auf einer Wiese Ostereier möglichst weit zu werfen. Gewonnen hat, wessen Ei nach dem Wurf am wenigsten demoliert ist. Nach dem gesunden Menschenverstand müssen die geradezu mutwillig traktierten Eier am Ende kaputt und ungenießbar sein, überraschend viele überstehen jedoch die Prozedur und bleiben essbar. Ebenso bewährt sich der Auferstehungsglaube – gegen die Vernunft – auch in scheinbar aussichtslosen Situationen. Auch hier geht es spielerisch um eine Ermutigung im Osterglauben, der selbst in der härtesten Lebenslage und gegen den Augenschein brauchbar bleibt und hilft. Das Eierwerfen ist daher eine Art fröhlicher Glaubensprobe.

Fastenzeit

Für die mentale Vorbereitung auf das Osterfest hat die Kirche eine Fastenzeit etabliert, die von Aschermittwoch bis Karsamstag insgesamt 46 Tage umfasst. Wenn man die vom Fasten ausgenommenen Sonntage abzieht, kommt man auf 40 Fastentage – genauso lang hat einst Jesus in der Wüste gefastet. Die katholische Kirche verbindet mit der inneren Vorbereitung auf Ostern ein Fasten, also den Verzicht zum Beispiel auf Fleisch. Nach protestantischer Auffassung kann man allerdings durch eigene Werke seinen Punktestand bei Gott nicht verbessern, sondern ist auf dessen Gnade angewiesen. Deshalb werden die Wochen vor Ostern im Protestantismus als „Passionszeit“ bezeichnet – dabei wird der Passion Jesu, also seines Leidens und Sterbens gedacht.

Fastnacht/Fasching

Die Wochen der Passionszeit sind in der katholischen Kirche eine Fastenzeit, in der insbesondere auf Fleisch verzichtet wird. Bevor diese in vieler Hinsicht karge und ernste Zeit beginnt, wird gerne noch einmal ausschweifend das Leben in vollen Zügen genossen. Fasching, Fastnacht oder Karneval wird daher hauptsächlich in traditionell katholischen Gegenden als Brauchtum gefeiert. (Mehr dazu: Frankfurt Helau: Die Ursprünge der „Nacht vor dem Fasten“)

Frauen

Die Evangelien erzählen übereinstimmend, dass es Frauen waren, die am Ostersonntag den Toten besuchen wollten und Jesu Grab leer fanden. Selbst wenn man annimmt, dass in der damaligen Zeit einige Totenbräuche wesentlich von Frauen ausgeübt wurden, darf nicht unterschätzt werden, was es bedeutet, dass gerade sie als Erste die Botschaft von der Auferstehung Jesu verbreiten. In der Antike waren Frauen üblicherweise im öffentlichen Leben in einer eher passiven Position und mit minderen Rechten ausgestattet. Ihr Zeugnis galt als nicht vertrauenswürdig. Trotzdem werden sie hier als treibende Kraft geschildert. Vielleicht deutet sich darin schon an, dass das österlich geprägte neue Leben tiefgreifende Folgen auch im gesellschaftlichen Miteinander nach sich zieht. Frauen wie Maria von Magdala hatten bereits in den erweiterten Kreis der Jüngerinnen und Jünger Jesu gehört und waren – wie Lydia – später auch in der Mission aktiv. Man muss allerdings zugeben, dass auch christliche Männer dies lange über das biblische Zeitalter hinaus nicht realisiert haben.

Fußwaschung

In seiner Version der Geschichte vom letzten Abendmahl schildert der vierte Evangelist, Johannes, eine symbolhafte Handlung Jesu, die eine Art Vermächtnis darstellt und das Verstehen der Leidensgeschichte erleichtern will: Jesus wäscht den Jüngern die Füße. Er sagt: „Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander liebhabt. Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.” Die Liebe wird hier dargestellt als eine verbindende Macht über alle Grenzen und Gräben hinweg, der es nicht um die eigenen Ambitionen, den Ehrgeiz, den eigenen Nutzen und Gewinn geht. Die Liebe verzichtet auf alles Haben- und Behaltenwollen, auf alle eigenen Ansprüche und Eitelkeiten. In der Liebe ist man sich für nichts zu schade. Wo Liebe ist, hat das, was uns auseinanderbringt und zwischen uns steht, keine Bedeutung und Macht.

Grab

Jesus wurde in einem Felsengrab beigesetzt, einer Art Höhle, deren Eingang durch einen Rollstein verschlossen war. Am Ostermorgen fanden seine Anhängerinnen es offen und leer: Der Stein war weggerollt, und da, wo der Leichnam gelegen hatte, waren nur noch ein paar Tücher. Ein Engel erklärt ihnen, Jesus sei auferstanden. Dieses Szenario spricht dafür, dass Jesus die Höhle lebendig verlassen hat: Einen Toten hätte man wohl nicht aus den Tüchern gewickelt, denn am dritten Tag nach der Grablegung war der Verwesungsprozess bereits voll im Gang. Maria von Magdala und andere vermuten zunächst einen Leichendiebstahl; das ist nicht ganz abwegig, denn die Oberen wollten nach der Beseitigung des Störenfriedes Jesus sicherlich keinen Wallfahrtsort etablieren und hätten wohl nichts dagegen gehabt, dass der Leichnam verschwindet.

Gründonnerstag

Der Tag vor Karfreitag, dem Tag der Kreuzigung. Jesus hat am Abend mit seinen Jüngern und Jüngerinnen ein gemeinsames Mahl gehalten, das die christliche Gemeinde seitdem als Abendmahl (in der katholischen Kirche als Eucharistie) feiert. Anschließend geht er mit seinen Leuten in den nicht weit entfernten Garten Gethsemane, wo Jesus in Kenntnis der bevorstehenden Ereignisse betet. Nach einer Zeit kommt Judas mit einer Schar Bewaffneter und begrüßt Jesus mit einem Kuss, was den Soldaten des Hohepriesters zeigt, wen sie verhaften müssen.

Höllenfahrt Christi

In der Zeit zwischen dem Tod und der Auferstehung liegt die Höllenfahrt oder der „Abstieg in das Reich des Todes“, wie es im Glaubensbekenntnis heißt. Die Formulierung will das Missverständnis abwehren, Jesus sei womöglich gar nicht tot gewesen. In der Kunst ist die Höllenfahrt ein gängiges Motiv: Christus kommt am Ostermorgen mit der Fahne des Siegers in der Hand, bricht das Tor zum Totenreich auf, tritt den Teufel, der es bewacht, nieder, streckt die Hand aus und holt die Menschen, die dort gefangen sind, heraus.

INRI

Die Inschrift auf dem Kreuz in römischen Buchstaben bezeichnet die Schuld des Hingerichteten: „Jesus von Nazareth, König der Juden“. Die zeitgenössische jüdisch-christliche Auseinandersetzung, ob Jesus Gottes Sohn ist oder ein Gotteslästerer, hat ihren Niederschlag gefunden in der Auseinandersetzung um den Wahrheitsgehalt dieser Aufschrift. Pilatus, der römische Statthalter, hatte die Inschrift zweifellos als bitteren Sarkasmus gedacht: „Seht, da hängt der König der Juden machtlos am Kreuz! Er ist nur die lächerliche Karikatur eines Königs!“ Viele Menschen, die vorübergingen, haben jedoch die Worte als Tatsachenbehauptung verstanden. Der Kreuzestitel ist jedenfalls in der christlichen Wahrnehmung ein Ehrentitel geworden.

Judas

Der Jünger Judas Iskariot hat Jesus am Gründonnerstag mit einem Kuss den Soldaten des Hohepriesters verraten, die ihn festnehmen wollen. Anschließend beging er Suizid. In der Tradition gilt Judas als verachteter Verräter, der Name „Judas“ ist zum Schimpfwort geworden für einen, der einen ihm nahestehenden Menschen ans Messer liefert. Die 30 Silberlinge, die er für seine Verabredung zur Festnahme durch die Tempelwache erhielt, werden als „Judaslohn“ bezeichnet. Allerdings kann es auch sein, dass Judas vielleicht nur Jesus zum Handeln, zum finalen Coup gegen die Römischen Besatzer provozieren wollte. Spätestens seit dem Einzug nach Jerusalem hofften viele Menschen, Jesus würde nach all den Wundern nun endlich „Nägel mit Köpfen“ machen und seine übermenschlichen Möglichkeiten gegen die verhassten Besatzer einsetzen. Judas ging es also womöglich gar nicht um das Geld, sondern auf eine irregeleitete Weise um „die Sache“. Diese Erklärung ist zumindest einleuchtender als die Vorstellung, Jesus habe Jahre lang ein schwarzes Schaf oder eine tickende Bombe unter seinen engsten Vertrauten gehabt.

Karfreitag

Am Karfreitag vergegenwärtigt sich die christliche Gemeinde das Sterben des Jesus von Nazareth. Sie betrachtet einerseits das menschliche Leid der Hinrichtung und die Trauer um Jesus, andererseits den Schmerz Gottes, der seinen Sohn in den Tod gibt, damit die Seinen leben können. Die Gottesdienste des Tages laufen oft nach einer besonderen Liturgie, in der die Klage eine wichtige Rolle einnimmt. Oft werden um 15 Uhr Gottesdienste oder Konzerte zur Sterbestunde Christi angeboten. Der Karfreitag ist ein stiller und gesetzlich geschützter Feiertag, an dem es von Staats wegen keine öffentlichen Vergnügungen geben darf („Tanzverbot“). Die restriktive Ahndung von Verstößen erscheint vielen heute nicht mehr angemessen. Trotzdem sollte ein Maß an Rücksicht möglich sein, wie man sie auch Menschen entgegenbringt, die gerade einen Angehörigen verloren haben. (mehr lesen)

Karwoche

Die Karwoche, mitunter auch „stille Woche“ genannt, umfasst den Leidensweg Jesu vom Einzug in Jerusalem (Palmsonntag) über das letzte Abendmahl (Gründonnerstag), die Erhebung der Anklage durch die jüdischen Behörden, den Prozess vor dem römischen Präfekten, schließlich die Hinrichtung am Kreuz durch die Römer (Karfreitag) mit der unmittelbar anschließenden Grablegung bis zum Ruhen im Grab (Karsamstag). Am Gründonnerstag ist die Farbe der Paramente in den Kirchen (etwa das Altartuch) wegen der Einsetzung des Abendmahls in der Christusfarbe Weiß. Am Karfreitag ist die Altarbekleidung schwarz oder sie fehlt ganz. Der Altar selbst bleibt in vielen Gemeinden bis auf die Heilige Schrift leer. Die Glocken schweigen, oft bleibt auch die Orgel stumm bis zur Einholung des Christuslichts in der Osternacht oder am Ostermorgen.

Kreuzigung

Die in Palästina stationierten römischen Besatzungstruppen benutzten das Kreuz als ein besonders abschreckendes Hinrichtungsinstrument, das sehr oft auch in größeren Zahlen Anwendung fand. Die Strafe der Kreuzigung gilt als die ehrloseste aller Todesarten und wurde nur vollzogen, wenn dem Delinquenten alle Bürgerrechte aberkannt waren. Jesus war kein römischer Bürger, daher gab es keinen prinzipiellen Hinderungsgrund, ihn zu verurteilen. Die Hinrichtungsmethode war dazu angetan, jeden Gedanken im Keim zu ersticken, dass der Delinquent einen glorreichen Märtyrertod stirbt. Systematisch wird ihm auch der letzte Rest Würde genommen. Die Henker tun ihr Werk etwas außerhalb von Jerusalem an der sogenannten Schädelstätte vor einer gaffenden Menge. Viele Augen wollen sehen, wie die Arme des Delinquenten an den Querbalken gelegt und mit durch die Handwurzelknochen getriebenen Nägeln daran befestigt werden. Wenn noch nicht geschehen, werden ihm alle Kleider vom Leib gerissen. Dann wird das Querholz mit dem Verurteilten in den eingerammten Pfahl eingepasst, und das Kreuz wird aufgerichtet. Die Füße des Opfers werden seitlich übereinandergelegt und ebenfalls mit einem Nagel am Kreuz befestigt. Die Grausamkeit der Soldaten kennt hier kaum Grenzen. Es gibt Berichte, dass in verschiedenen Körperstellungen gekreuzigt wurde, zum Teil auch mit dem Kopf nach unten. Eine Art Bänkchen am Pfahl stützt den Körper ab, stellt aber in Wahrheit eine teuflische Erleichterung dar, denn sie verzögert nur den Eintritt des Todes und verlängert das Leid.

Osterei

Das Osterei steht gleichermaßen für Tod und Auferstehung. Die geschlossene Schale symbolisiert das Eingeschlossensein Jesu im Grab. Am Ostermorgen wird die Schale durchbrochen, wie ein Küken schlüpft – Jesus ist auferstanden.

Osterhase

Wie sich eine Hasenpopulation in einer Art Schneeballsystem sehr schnell ausbreitet, so spricht sich auch der Osterglaube rasch herum: Einer erzählt es der anderen. Der Osterhase symbolisiert somit die Unaufhaltsamkeit, mit der die Botschaft von der Auferstehung jeden Winkel der Welt erfassen wird. Eine freudige Nachricht breitet sich aus.

Osterkerze

In vielen Gemeinden wird an Ostern die Osterkerze entzündet, die der zum Gottesdienst versammelten Gemeinde das Licht der Auferstehung und des neuen Lebens sichtbar in Erinnerung bringt, mancherorts nur an den Sonntagen der österlichen Freudenzeit bis zum Tag Christi Himmelfahrt, öfters das ganze Jahr über. Wo der Brauch besteht, Taufkindern eine Kerze zu schenken, wird diese üblicherweise an der Osterkerze entzündet, verbunden mit dem Wunsch, dass das Licht des neuen Lebens im Taufkind Gestalt gewinnt.

Osterlamm

Die Figur des Osterlamms, das auch als Lamm Gottes bezeichnet wird, wird als österliches Backwerk wie auch als Fleischgericht geschätzt. In der Kunst erscheint es häufig als ein Lamm, aus dessen Brust Blut in einen Kelch fließt (als Zeichen für das Sterben Jesu in Verbindung mit dem Abendmahl), und das zugleich eine Siegesfahne (zum Zeichen für die Überwindung des Todes) hält. Zwei Traditionsstränge führen auf das Osterlamm zu. Einmal wird Jesus mit dem geschlachteten Pessach-Lamm gleichgesetzt, dessen Blut beim Auszug aus Ägypten die Häuser der Israeliten kenntlich machte, damit sie verschont wurden. Zugleich zieht das Bild vom Lamm eine Brücke zum Jesajabuch und identifiziert Jesus als den in Kapitel 52 Verse 13ff beschriebenen „Gottesknecht” und „leidenden Gerechten”, der – selbst ganz unschuldig – das Gottwidrige der Menschen auf sich nimmt und durch seinen Tod sühnt. Das Osterlamm steht also für das stellvertretende Leiden und Sterben Jesu, der den Weg ins Reich Gottes ebnet.

Oster-Termin

Ostern wird immer am Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling gefeiert. Der Termin schwankt damit zwischen dem 22. März und dem 25. April. Auf jeden Fall passt das Fest der Auferstehung Jesu von den Toten wunderbar zum Wiedererwachen der Natur: Nach der kalten und dunklen Jahreszeit mit ihren Todes-Assoziationen grünt und blüht es wieder, und neues Leben bricht überall hervor. Das Licht wird intensiver und begünstigt die Ausschüttung von Serotonin und Dopamin, was eine gewisse Euphorie bewirken kann. Mit „Frühlingsgefühlen“ geht man auf Partnersuche. Auch im übertragenen Sinn steht der Frühling dafür, dass Altes und Erstarrtes zurückbleibt und Neues, Frisches, Zukunftsweisendes beginnt.

Osternacht

Wie bereits an Heiligabend das Weihnachtsfest seinen Anfang nimmt, so beginnen in der Osternacht die Feierlichkeiten zur Auferstehung. Am späten Abend des Karsamstags oder sehr früh am Ostermorgen wird die Auferstehung in einem Gottesdienst gefeiert. In der Liturgie spielen Dunkel und Licht eine bedeutende Rolle, sie beginnt oft in der noch unbeleuchteten Kirche. Die Kernbotschaft lautet: Das Licht der Auferstehung vertreibt die Finsternis. Der festlichste Moment ist der Einzug des Christuslichtes in Gestalt der Osterkerze, die zuvor am Osterfeuer entzündet worden ist.

Osterwoche

Umgangssprachlich wird häufig die Karwoche mit dem Ausblick auf den Ostersonntag als Osterwoche bezeichnet. Dadurch wird die Karwoche ausgeblendet. Nach christlicher Auffassung beginnt die Woche nicht am Montag, sondern am Sonntag. Daher ist die Osterwoche die Woche, die mit dem Ostersonntag beginnt.

Osterzeit

Nach der Passionszeit beginnt mit dem Ostermorgen die 50-tägige Osterzeit, die bis Pfingsten dauert. Im Mittelpunkt steht die Freude über die durch Jesus Christus geschenkte neue Lebensperspektive. Darauf weisen auch die Namen der Sonntage in den Wochen nach Ostern hin: Quasimodogeniti („Wie die neugeborenen Kinder“, so fühlen wir uns im neuen Leben mit Christus), Misericordias Domini („Die Barmherzigkeit des Herrn“, stellt den Guten Hirten heraus), Jubilate („Jauchzet“), Kantate („Singet“), Rogate („Betet“). Danach schließt der Tag von Christi Himmelfahrt den Osterfestkreis ab: Der Auferstandene ist jetzt nicht mehr da. Er sitzt zwar wieder im Zentrum der himmlischen Macht, ist damit aber auch weiter weg, und seine Gegenwart ist noch nicht spürbar. Dann kommt noch der Sonntag Exaudi („Höre meine Stimme“) und schließlich Pfingsten: Der Heilige Geist wird ausgegossen, ein Beistand, ein Tröster, ein Mutmacher, ein Vermittler von Erkenntnis.

Palmsonntag

Der Sonntag genau eine Woche vor Ostern hat traditionell den Einzug Jesu in Jerusalem zum Thema. Zur jubelnden Begrüßung legen Leute ihre Kleider auf die Straße, um Jesus sozusagen einen roten Teppich auszurollen, und wedeln mit Palmzweigen. Seine Wunder sind bekannt, daher wird er begeistert als neuer Messias empfangen in der Erwartung, dass er das Leiden des Volkes unter der römischen Besatzung beenden wird. Hat man eben noch „Hosianna“ gerufen, heißt es allerdings am Karfreitag bereits „Kreuzige ihn!“, als klar wird, dass Jesus nicht als neuer Gewalthaber gekommen ist. Ähnlichkeiten zur Überhöhung und dem anschließenden tiefen Fall von Führungspersönlichkeiten heute sind nicht zufällig. Die Anhängerschaft Jesu hat eine gute Weile gebraucht, um das Geschehen als spirituell zu verstehen und fruchtbar zu machen.

Passionszeit

Die Zeit des „Leidens“ dauert vom Aschermittwoch bis zum Karsamstag. Im Mittelpunkt steht die Erinnerung an die Verurteilung, den Verrat und die Kreuzigung Jesu, verbunden mit der Bemühung, diese Leidensgeschichte für die eigene Lebensführung fruchtbar werden zu lassen. Entsprechend ist die Passionszeit eine Reflexions- und Bußzeit, in der die eigene Lebenspraxis am Maßstab von Jesus Christus hinterfragt wird, in der aber auch auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam gemacht wird. Die Namen der Passions-Sonntage greifen programmatische Bibelstellen in lateinischer Sprache auf: Invocavit („Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören, ich bin bei ihm in der Not; ich will ihn herausreißen und zu Ehren bringen“, Psalm 91,15), Reminiscere („Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind“, Psalm 25,6), Oculi („Meine Augen sehen stets auf den Herrn, denn der Herr wird meine Füße aus dem Netz ziehen“, Psalm 25,15), Laetare („Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über sie alle, die ihr sie liebhabt! Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom“, Jesaja 66,10-12), Judica („Gott, schaffe mir Recht und führe meine Sache wider das unheilige Volk und errette mich von den falschen und bösen Leuten!“, Psalm 43,1) und Palmarum (Hier steht kein Bibelvers im Hintergrund, der Name nimmt vielmehr Bezug auf die Palmzweige, die von den Jerusalemern und Jerusalemerinnen im Jubel zur Begrüßung Jesu geschwungen werden).

Pessach

Pessach ist ein jüdisches Fest, bei dem das Wunder der Befreiung aus der Knechtschaft in Ägypten gefeiert wird. Weil der Pharao die billigen israelitischen Arbeitskräfte nicht ziehen lassen wollte, hat Gott Plagen über das Land geschickt – unter anderem Frösche, Heuschrecken, ein in Blut verwandelter Nil. Der Pharao blieb aber stur. Zuletzt als zehnte Plage kam ein Engel, der alle Erstgeborenen der Ägypter getötet hat, und zwar in allen Familien, die nicht die Türpfosten ihres Hauses mit dem Blut kultisch reiner Lämmer gekennzeichnet hatten. An denen ging der Engel in jener Nacht vorüber und verschonte sie. Jesus nun wurde unmittelbar vor Beginn des jüdischen Pessachfestes gekreuzigt, zu der Zeit, als die Lämmer für das Pessach-Mahl geschlachtet wurden. Durch die Gleichsetzung mit dem Pessach-Lamm wird Jesus als das sündlose Opfer interpretiert, dessen vergossenes Blut dafür sorgt, dass die sündigen Menschen von Gott vor dem Verlorensein verschont werden. Während beim jüdischen Pessach jedes Jahr Lämmer geschlachtet werden müssen, versteht sich Jesu Selbsthingabe als einmaliges und für alle Zeiten gültiges Opfer: Jesus war nach christlicher Auffassung das ultimative Pessach-Lamm.

Schächer

Zusammen mit Jesus werden zwei weitere Männer gekreuzigt, einer rechts und einer links von ihm, die beiden „Schächer“, Verbrecher also. Für die Evangelisten Matthäus und Lukas ist das nur relevant, insofern sich darin ein Wort der hebräischen Bibel erfüllt: „Er ist zu den Übeltätern gerechnet worden“. Nach dem Evangelisten Lukas jedoch repräsentieren die beiden unterschiedliche Möglichkeiten, das Kreuzesgeschehen zu verstehen. Die kirchliche Tradition weiß sogar ihre Namen: Dismas wurde bezeichnenderweise auf der „rechten“ Seite gekreuzigt und Gestas auf der „linken“. Letzterer stimmt ein in den Spott vieler Umstehender und fordert Jesu Absprung vom Kreuz, wenn er denn wirklich Gottes Sohn zu sein behauptet. Dismas hingegen bekennt sich selbst schuldig und empfindet seine Strafe als gerecht. In Jesus sieht er den unschuldig Leidenden, der sich freiwillig in sein Geschick verstricken lässt, um anderer willen. So erkennt Dismas – die Einsicht des Lesers vorwegnehmend – Jesus als den zu Gott gehenden Heiland und bittet ihn, in seinem Reich seiner zu gedenken. Indem Jesus zu ihm sagt: „Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein“, erweist er sich also tatsächlich als sein Erlöser, der in der ihm von Gott verliehenen Vollmacht spricht.

Sieben Wochen ohne

Der Protestantismus kennt keine Speisegebote, es gibt daher auch keine Fastenzeiten. Dennoch kann eine bewusst eingeschränkte Lebensweise auf freiwilliger Basis – zum Beispiel mit dem Verzicht auf Fleisch – dabei helfen, sich besser auf geistliche Aspekte des Lebens zu konzentrieren. Die evangelische Fastenaktion „Sieben Wochen ohne“ will in der Passionszeit zu einer Reflexion der eigenen Lebensgewohnheiten und einer bewussten Neuorientierung („Umkehr“) anleiten. Sieben Wochen zum Beispiel ohne Lügen, Kneifen, Sofort, Enge, Runtermachen, falsche Gewissheiten, Vorsicht, falschen Ehrgeiz, Ausreden – und in diesem Jahr ohne Pessimismus – üben christliches Denken und Handeln ein.

Sieben Worte am Kreuz

Insgesamt sieben letzte Worte Jesu am Kreuz sind in den Evangelien überliefert. Sie greifen wesentliche Aspekte seiner Verkündigung auf und verdichten sie:

  1. Um die neunte Stunde schrie Jesus laut: „Eli, Eli, lama asabtani?“ Das heißt: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Matthäus 27,46 und Markus 15,34)
  2. Während seine Schinder unten sitzen und seine Kleider untereinander verteilen, sagt der am Kreuz Hängende: „Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“ (Lukas 23,34)
  3. Zu einem der beiden Verbrecher, die mit ihm gekreuzigt werden, sagt Jesus: „Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ (Lukas 23,43), weil dieser in ihm den Messias erkannt hat.
  4. Und Jesus rief laut: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!“ (Lukas 23,46) Jesus lebt und stirbt also in inniger Gemeinschaft mit Gott.
  5. Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebhatte, sagt er: „Frau, siehe, das ist dein Sohn! Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter!“ (Johannes 19,26-27)
  6. Danach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: „Mich dürstet.“ (Johannes 19,28) Das ist ein Zitat aus Psalm 69. Dort wird ein Beter zu Unrecht verfolgt und ohne Grund gehasst, und er sagt über seine Verfolger: „Sie geben mir Galle zu essen und Essig zu trinken für meinen Durst.“ So wird eine deutliche Linie gezogen zwischen jenem leidenden Gerechten und Jesus am Kreuz.
  7. Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: „Es ist vollbracht!“, und neigte das Haupt und verschied. (Johannes 19,30)

Mehr lesen zum Stichwort Ostern

Mehr lesen zum Stichwort Auferstehung

Mehr lesen zum Stichwort Karfreitag


Schlagwörter

Autor

Wilfried Steller 48 Artikel

Wilfried Steller ist Theologischer Redakteur von "Evangelisches Frankfurt und Offenbach" und Pfarrer in Frankfurt-Fechenheim.

0 Kommentare

Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare verfasst. Schreiben Sie doch den ersten.

Artikel kommentieren

Lebhafte Diskussionen sind interessant, können aber manchmal die Gemüter erhitzen. Bitte achten Sie auf einen angenehmen Umgangston und vermeiden Sie verbale Angriffe auf andere Kommentatoren. Die Redaktion behält sich vor, unangebrachte Kommentare nicht zu veröffentlichen.

Mit * markierte Felder sind Pflichtfelder.