Gott & Glauben

Warum die Osterfeuer lodern

In der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag lodern wieder die Osterfeuer. Sie schicken ihre Flammen und ihren Funkenflug in den dunklen Nachthimmel. Ursprünglich ist das eine alte, vorchristliche Tradition. Später wurden die Feuer mit Blick auf die Auferstehung christlich umgedeutet: An Ostern ist es mit der Dunkelheit vorbei, das Licht kommt zurück in die Welt.

So hoch groß wie hier auf einer Wiese in Bad Homburg sind die Osterfeuer in Frankfurt und Offenbach normalerweise nicht. Aber die symbolische Bedeutung ist dieselbe. | Foto: Rolf Oeser
So hoch groß wie hier auf einer Wiese in Bad Homburg sind die Osterfeuer in Frankfurt und Offenbach normalerweise nicht. Aber die symbolische Bedeutung ist dieselbe. | Foto: Rolf Oeser

Wochenlang werden Holz- und Brennvorräte gesammelt und gestapelt, bis am Ende ein riesiger Holzstoß entzündet wird. Vor allem auf dem Land wetteifern die Dörfer um das größte und schönste Osterfeuer. Häufig ist die Feuerwehr des Ortes für das Osterfeuer zuständig. Mancherorts wird der Holzstapel sogar nächtelang bewacht, um Sabotage durch Konkurrenten aus dem Nachbardorf auszuschließen. Aber auch in Städten wie Frankfurt und Offenbach gibt vielerorts Osterfeuer.

Wenn sie dann entzündet werden, versammeln sich viele Schaulustige und erfreuen sich an dem Spektakel. Es ist ein Spaß für Kinder, aber auch für die Erwachsenen, die mit einem Bier oder einem Glühwein in der Hand die erste Bratwurst des Jahres genießen. Die Kinder tollen um die Feuer herum, braten Stockbrot oder Marshmallows.

Eine alte vorchristliche Tradition

Die Feuer haben eine uralte vorchristliche Tradition. Sie sind germanisch heidnischen Ursprungs. Ihr Licht und ihre Wärme sollten an der Schwelle zum Frühling den Winter endgültig zum Schmelzen bringen. Die Menschen feierten das Wiedererwachen der Natur nach der langen Kälte.

Viel Aberglaube verband sich früher mit diesem Brauch: Je höher die Flammen loderten und je weiter ihr Schein reichte, desto fruchtbarer sollten die Felder und desto größer der Ertrag der Ernte sein. Häuser, die vom Schein des Feuers beleuchtet wurden, waren im kommenden Jahr vor Unheil bewahrt und die Bewohnerinnen und Bewohner vor Krankheit gefeit. Die Asche aus den Feuern wurde mit dem Trinkwasser des Viehs vermischt, so versuchte man die Tiere vor Seuchen zu schützen.

Im Lauf der Jahrhunderte haben christliche Gemeinden die Tradition der Frühlingsfeuer übernommen und auf Ostern hin umgedeutet: Im christlichen Kontext symbolisieren das Feuer und seine Wärme die Auferstehung Jesu Christi. Mit der Finsternis des Todes ist es vorbei, das Licht kommt zurück in die Welt.

Von Gründonnerstag bis Ostern

Der Sinn des Osterfeuers erschließt sich am Besten im inhaltlichen und dramaturgischen Zusammenspiel der Feiertage Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag mit der sich anschließenden Osternacht.

Der Fest-Reigen beginnt am Gründonnerstagabend mit dem Abendmahlsgottesdienst. Hier erinnert man sich an das letzte Abendmahl, das Jesus mit seinen Freunden und Freundinnen feierte. Das gemeinsame Essen und Trinken symbolisiert die Verbundenheit untereinander und mit Christus und bereitet auf den Todestag Jesu vor.

Im Gottesdienst an Karfreitag erinnert man sich an das Leiden und Sterben Jesu am Kreuz und welche Bedeutung sein Tod für die christliche Gemeinde und das Leben jedes einzelnen Christen, jeder einzelnen Christin hat. Dann herrscht Stille bis zum Karsamstag, dem Tag der Grabesruhe Jesu.

Doch gegen Samstagabend ändert sich die Stimmung. Es geht auf Ostern zu. In vielen Kirchengemeinden werden mit Einbruch der Dämmerung oder im Laufe der Nacht Osterfeuer vor den Kirchen entzündet. Die Gemeinde versammelt sich. Beleuchtet von den Flammen werden Lieder gesungen, bevor dann der Pfarrer oder die Pfarrerin feierlich die Osterkerze am Osterfeuer entzündet.

Christus als „Licht der Welt“

Das Licht der Osterkerze steht für Christus, von dem im Neuen Testament gesagt wird, er sei das Licht der Welt, das die Finsternis überwindet. Singend zieht die Gemeinde hinter dieser Kerze her in die dunkle Kirche ein, oftmals begleitet von dem Ruf: „Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja!“

Nach und nach zündet die Gemeinde im Gottesdienst immer mehr kleine Kerzen an der Osterkerze an, bis das Innere der Kirche im Schein des Kerzenlichtes strahlt. Je nach Gemeinde und Tradition weichen die Abläufe ein wenig voneinander ab. Für viele ist die Osternachtfeier mit dem Osterfeuer der Höhepunkt des Osterfestes.

Und was ist mit dem Feinstaub?

Es gibt aber auch kritische Stimmen. Die vielen Osterfeuer bedeuten auch eine hohe Feinstaubbelastung, zumal neben Holz und Reisig oftmals auch Gartenabfälle oder Müll verbrannt werden. Naturschutzverbände weisen jedes Jahr darauf hin, dass die Holzstapel für die Osterfeuer möglichst erst am selben Tag errichtet werden sollen, oder dass man sie vor dem Anzünden noch einmal vorsichtig umschichtet. So soll verhindert werden, dass kleine Tiere wie Holzbienen, Igel oder Vögel, die Schutz im Holzstapel gesucht haben, zu Tode kommen.

Grundsätzlich aber gilt: Die Osterfeuer erfreuen sich sowohl im kirchlichen als auch im privaten Bereich großer Beliebtheit und werden auch dieses Jahr wieder brennen.

Weiterlesen: Der Meister des Osterfeuers.
Hausmeister Nenad Tasic sorgt jedes Jahr dafür, dass in Bockenheim das Osterfeuer brennt.


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Pia Baumann 1 Artikel

Pia Baumann ist Pfarrerin in der Gemeinde Frankfurt-Bockenheim und Autorin des EFO-Magazins.

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