Gott & Glauben

Sicher, Religionen sind oft patriarchal. Aber dafür kann der liebe Gott nichts.

Wenn man die öffentlichen Debatten zum Verhältnis von Religion und Feminismus verfolgt, könnte man meinen, beides würde sich gegenseitig ausschließen. Religionen seien prinzipiell frauenunterdrückerisch, heißt es oft. Das ist zu kurz gedacht.

Antje Schrupp ist Chefredakteurin des EFO-Magazins.  |  Foto: Tamara Jung
Antje Schrupp ist Chefredakteurin des EFO-Magazins. | Foto: Tamara Jung

Manche geben immerhin zu, dass die Religion der Geschlechtergleichheit nicht zwingend im Weg stehen muss. Was aber, wenn es noch ganz anders wäre? Wenn Religion die Freiheit von Frauen nicht nur nicht einschränkt, sondern sogar aktiv befördert?

Das ist jedenfalls die Ansicht vieler großer Theologinnen durch sämtliche Jahrhunderte gewesen. Ob Hildegard von Bingen, Margarete Porete, Teresa von Avila, Simone Weil oder Dorothee Sölle (um nur ein paar der bekanntesten zu nennen): Sie alle bezogen aus dem Glauben an Gott die Stärke, die man braucht, um sich gegen die herrschende Ordnung, gegen autoritäre Strukturen, gegen Ungerechtigkeit und, ja, wenn notwendig auch gegen die Männer zu stellen.

Nicht auf ihre eigene Stärke und Autonomie beriefen sie sich, sondern auf die „höheren Gesetze“, über die Menschen nicht verfügen können.

Christliche Feministinnen können dabei viele Bibelstellen anführen, vor allem aber zwei: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ heißt es in der Apostelge-schichte (Kapitel 5, Vers 29), und im Galaterbrief wird über die christliche Gemeinde gesagt, da sei „kein Jude noch Grieche, kein Knecht noch Freier, kein Mann und Frau, denn ihr seid alle eins in Christus Jesus“ (Kapitel 3, Vers 28). Hierarchien aufgrund von ethnischer Herkunft, sozialem Status oder Geschlecht sind also inakzeptabel. Nicht, wer Feministin ist, muss das vor Gott begründen, sondern wer es nicht ist.

Sicher stimmt, dass alle Religionen patriarchal geprägt sind. Aber dafür kann der liebe Gott nichts. Die weltlichen Dynamiken von Herrschaft, Ehrgeiz und Arroganz sind eben auch hier am Werk: Wer einmal an der Macht ist, gibt sie nicht gerne wieder ab.

Gegen Männerdominanz muss man überall vorgehen, innerhalb der Kirche wie außerhalb. Auf Gott zu vertrauen, hilft dabei.

Weiterlesen: Das Comeback des Feminismus: Jung und Alt gemeinsam für eine gerechtere Welt.


Schlagwörter

Autorin

Antje Schrupp 151 Artikel

Dr. Antje Schrupp ist Chefredakteurin von Evangelisches Frankfurt und Offenbach. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com