Gott & Glauben

Was predigt man an Ostern? Fragen an Pfarrer Thomas Diemer.

Gründonnerstag, Karfreitag, Ostern  den Zyklus von Kreuzigung und Auferstehung begehen Gemeinden jedes Jahr aufs Neue. Wie findet man als Pfarrer da immer wieder andere Aspekte, über die man predigen kann? Wir fragten Thomas Diemer aus der Wartburggemeinde in Bornheim

Pfarrer Thomas Diemer in der Wartburgkirche. Foto: Rolf Oeser
Pfarrer Thomas Diemer in der Wartburgkirche. Foto: Rolf Oeser

Herr Diemer, als Pfarrer müssen Sie jedes Jahr zu Karfreitag und Ostern Gottesdienste halten. Fällt Ihnen denn immer etwas Neues für die Predigt ein?

Ja, das ist kein Problem. Vor zwei Jahren habe ich an Ostern über den Roman „Unterwerfung“ von Michel Houellebecq gepredigt. Da steht gleich zu Anfang: „Wie alle anderen, so hatte auch ich gehofft, dass meine Welt erst untergeht, wenn ich einmal tot bin.“ Solche Anknüpfungspunkte für die Osterbotschaft gibt es viele.

Und worum geht es bei Ihnen dieses Jahr am Ostersonntag?

Die Predigt habe ich noch nicht geschrieben, aber sie wird sicher an aktuellen Themen orientiert sein: Was lässt uns an der Welt zweifeln oder verzweifeln? Was gibt uns Hoffnung? Ist zum Beispiel Trump eine Gefahr für den Weltfrieden, und wie gehen wir mit den Erwartungen und Befürchtungen um, die damit einhergehen? Und: Suchen wir denn nicht alle nach einer Hoffnung oder Verheißung, die über die Tagespolitik hinausgeht?

An Heilig Abend sind die Kirchen meist voll, wie ist es an Ostern?

Bei uns ist der Gottesdienst in der Regel gut besucht, auch weil in den letzten Jahren immer eine oder mehrere Taufen hinzu kamen. Was uns eher beschäftigt, ist der Karfreitag. Das war lange der protestantische Feiertag schlechthin, wo auch viele in die Kirche kamen, die sich sonst selten blicken ließen. Aber der Gottesdienstbesuch am Karfreitag war ihnen eine Verpflichtung und ein Bedürfnis. Diese Generation gibt es nun aber bald nicht mehr, und jüngeren Menschen ist die Karfreitagsbotschaft nur schwer zu vermitteln. In der Wartburggemeinde denken wir deshalb darüber nach, ob man den Karfreitagsgottesdienst anders gestalten sollte. Aber das werden wir erst 2019 umsetzen.

Was ist in der Wartburggemeinde dieses Jahr für die Feiertage geplant?

Los geht es bei uns immer am Gründonnerstag um 10 Uhr mit einem Gottesdienst für die beiden Kindertagesstätten. Da in den beiden Einrichtungen insgesamt 100 Kinder betreut werden und auch etliche Eltern diesen Gottesdienst besuchen, erwarten wir rund 120 Besucherinnen und Besucher, zumal der katholische Kindergarten St. Michael, der in unmittelbarer Nachbarschaft liegt, auch mit einigen Kindern und Erzieherinnen dabei ist. So haben wir jedes Jahr schon einmal einen lebendigen und fröhlichen Einstieg in die Osterzeit, wobei im Kindergartengottesdienst auch das Thema Tod und Auferstehung angesprochen wird. Um 18 Uhr am Gründonnerstag findet dann im Gemeindehaus ein Tischabendmahl statt. Wir alle sitzen dabei an Tischen, singen und beten miteinander, es folgt eine Andacht und schließlich das Abendmahl, das wir uns gegenseitig weiterreichen. Dann wird gemeinsam ein kleines Abendessen eingenommen mit Kartoffeln und Grüner Soße. Am Karfreitag und an Ostersonntag gibt es traditionell um 10 Uhr Abendmahlsgottesdienste. Beim Ostergottesdienst dürfen die Kinder während der Predigt auf dem Kirchenvorplatz Ostereier suchen und einen kleinen Kindergottesdienst feiern.

Wie feiern Sie persönlich Ostern?

Angesichts der vielen Vorbereitungen und Durchführungen bleibt mir für „privates“ Ostern nicht allzu viel Zeit. Allerdings schmücken wir auch das Pfarrhaus mit Zweigen und anderem österlichem Schmuck.


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Antje Schrupp 118 Artikel

Dr. Antje Schrupp ist Chefredakteurin von Evangelisches Frankfurt und Offenbach. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com