Gott & Glauben

Was Segen ist und wie er funktioniert

Was genau passiert eigentlich, wenn zum Beispiel Pfarrerinnen und Pfarrer (aber auch andere) einen Segen sprechen? Unser Gastautor Eberhard Pausch erklärt, welche Elemente zusammenkommen müssen, damit Segen wirken und sich entfalten kann.

Eberhard Pausch ist Pfarrer und Studienleiter an der Evangelischen Akademie Frankfurt, wo er für den Themenbereich "Religion und Politik" zuständig ist. | Foto: Rolf Oeser
Eberhard Pausch ist Pfarrer und Studienleiter an der Evangelischen Akademie Frankfurt, wo er für den Themenbereich "Religion und Politik" zuständig ist. | Foto: Rolf Oeser

Klar ist zunächst einmal: Segen geht von Gott aus. Gott will Menschen Segen schenken – und er will, dass diese Menschen Segen an andere weitergeben.

Aber was ist Segen eigentlich? Kann man ihn definieren? Ihn erklären? Oder ist und bleibt Segen ein Wunder, ein unergründliches Geheimnis? Göttliche Zauberei, Magie, ein Taschenspielertrick Gottes oder der Menschen, die zu segnen vorgeben?

Ich bin überzeugt, man kann ihn beschreiben und sogar erklären. Denn Segen ist ganz einfach Gott selbst in Aktion.

Martin Luther hat einmal gesagt: „Wer ein neugeborenes Kind gesehen hat, der hat Gott auf frischer Tat ertappt.“ Und ihm wird der Satz zugeschrieben: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Beides, ob die Beispiele nun von Luther selbst stammen oder nicht, sind gute Beispiele für Segen.

Kinder zum Beispiel: Sie sind Segen für ihre Eltern. Oder Bäume und ihre Früchte oder das Korn auf dem Feld, das geerntet wird. Segen ist auch, wenn ein Mensch einen anderen Menschen tröstet und dessen Trauer verschwindet. Oder wenn Menschen einander vergeben können, die vorher Feinde waren.

Ein großer Segen ist es, wenn ein mutloser Mensch plötzlich neuen Mut findet und in die Zukunft blickt. Das alles ist Segen – und noch viel mehr. Nämlich Gott, der gute Dinge in unserem Leben entstehen lässt.

Viele dieser Beispiele beziehen sich auf unsichtbare Dinge: Trost, Vergebung, Mut und Hoffnung. Das zeigt: Segen ist oft so unsichtbar wie die Liebe, der Glauben und Gott selbst. Aber Segen ist auch genauso real wie Liebe und Glauben es sind. Er ist kein Trick, keine Magie, keine Einbildung, sondern Gottes Wachstumskraft im Wirken.

Wichtig ist aber auch: Christinnen und Christen haben den Segen nicht erfunden oder für sich gepachtet. Das Judentum achtet den Segen sehr hoch. Bereits Noah, Abraham, Isaak, Jakob und andere Personen der hebräischen Bibel – unseres Alten Testaments – bekommen Gottes Segen zugesagt und geschenkt.

Auch in anderen Religionen, etwa im Islam, spielt Segen eine bedeutende Rolle. Die Segensvorstellung verbindet daher auch unterschiedliche Religionen miteinander.

Wobei das Besondere des Christentums vielleicht am besten in Jesu Satz deutlich wird: „Segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen.“ Das ist also unser Auftrag.

Vier Dinge sind es, die für den Segen wichtig sind:

Erstens ist Segen immer ein guter Wunsch für jemanden (eine Person, ein Geschöpf).

Zweitens schließt Segen die Bitte an Gott ein, jemandem (einer Person, einem Geschöpf) etwas Gutes zu tun beziehungsweise widerfahren zu lassen.

Drittens schließt Segen aber auch das feste Vorhaben oder Versprechen des Segnenden ein, dem anderen Jemand Gutes auch wirklich zu gönnen. Also eine Art Selbstverpflichtung des Segnenden.

Und Viertens schließt Segen auch die Bereitschaft der Person ein, die sich segnen lässt. Sie muss aus Gottes Hand den Segen empfangen.

Wenn diese vier Elemente zusammenkommen, dann kann Segen wirken und sich entfalten.


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Eberhard Pausch ist Pfarrer und Studienleiter an der Evangelischen Akademie Frankfurt, wo er für den Themenbereich "Religion und Politik" zuständig ist.

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